Leadership & Karriere Wie Sara Nuru Frauen in Äthiopien hilft, ihr Business hochzuziehen

Wie Sara Nuru Frauen in Äthiopien hilft, ihr Business hochzuziehen

Sie war Model. Dann wurde sie zur Unternehmerin, weil sie gemerkt hat, dass es ihr nicht reicht, über die Laufstege dieser Welt zu stolzieren. Auf Reisen nach Äthiopien, in das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, sei sie immer wider damit konfrontiert worden, „wie priviligiert wir in Deutschland sind“, sagt Sara Nuru. Zusammen mit ihrer Schwester Sali hat sie also beschlossen, etwas zu ändern. Das Kaffee-Label der beiden, NuruCoffee, unterstützt Frauen in Äthiopien jetzt dabei, ihr eigenes Business hochzuziehen – und so ein gutes und vor allen unabhängiges Leben zu führen.

Dass sie ihren alten Job an den Nagel gehangen hat, kam nicht von jetzt auf gleich. „Das war ein Prozess mit vielen Fragezeichen“, sagt die Gründerin. Hinter den Fragezeichen standen Ohnmacht, das Gefühl, als Model keinen wirklichen Impact zu haben, und der im Hintergrund schwelende Wunsch, die globale Schere zwischen Arm und Reich zu schließen. Wenigstens ein bisschen. Also nicht, um etwas fürs eigene Ego zu machen, sondern um anderen zu helfen.

NuruCoffee unterstützt über den Verein NuruWomen eine Association in Äthiopien, die das Geld, das Sara und Sali erwirtschaften, an die verteilt, die es gebrauchen können. Das sind Frauen, die eine Idee haben, und für deren Umsetzung Geld brauchen. Das bekommen sie in Form eines Mirkokredits, den sie – wie jeden Kredit – irgendwann wieder zurückzahlen müssen.


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Das Geld geht dann nicht zurück nach Deutschland, sondern wird wieder an eine Frau mit einer neuen Idee ausgezahlt. So wächst der Gesamtbetrag kontinuierlich, den die beiden Nuru-Schwestern verteilen können. Für die Frauen, die diese Unterstüzung bekommen, ist das oft die einzige Möglichkeit, da sie von einer Bank keinen Kredit bekommen würden – „und wenn zu schlimmen Konditionen“, so Nuru. Sieben Prozent Zinsen müssen die Kreditnehmerinnen auf das erhaltene Geld zahlen. Im Vergleich zu den 25 Prozent einer regulären Bank ist das wenig.

Vor allem für Frauen ist es in Äthipien schwer, überhaupt an einen Kredit zu kommen. Nuru: „Es gibt den Spruch: Frauen gehören nach Hause, Männer in die Berge.“ Die Rollenverteilung in der Gesellschaft ist damit also klar. Doch das ändert sich gerade – und die Nurus leisten mit den Krediten ihren Beitrag dazu. „Durch die Starthilfe sind die Frauen immer mehr auf Augenhöhe.“ Frauen, die geschlagen wurden, verlassen plötzlich ihre Männer – sie können für sich selbst sorgen. Sie werden unabhängiger und wirken so als ein Vorbild für ihre Kinder. Geld ist das eine, es macht es für die Frauen leichter. Dahinter stehe laut Nuru aber auch ein gesellschaftlicher Wandel.

Diese Projekte sind in Äthiopien bereits mit dem Geld von NuruCoffee umgesetzt worden:

1. Erkabe Mekonen – Schafzüchterin

Sie war eine der ersten, die einen Kredit bekommen haben: Erkabe Makonen. Heute hat sie 10 Schafe

Erkabe war eine der ersten Kreditnehmerinnen, als sie merkte, dass sich der Status von Frauen änder, die über eigenes Geld verfügen. „Sie können sich auf einmal Kleidung kaufen, die Kinder in die Schule schicken. Mit dem Kredit hat sie ein Schaf für umgerechnet 33 Euro gekauft. Den Rest des Kredites hat sie in Futter investiert, mit dem sie das Schaf gemästet hat, das sie dann wiederum für den doppelten Preis verkauft hat. Inzwischen besitzt Erkabe zehn Schafe und hat angefangen, ihren Gewinn in die Produktion von Tej zu investieren, einem Honigwein.

2. Melka Tadesse – Bäckerin

Sie beliefert heute die Cafés und Restaurants in der Region, in der sie lebt: Malka Tadesse

Als Melka Tedesse den Kredit von NuruWomen angenommen hat, war sie gerade schwanger mit ihrem ersten Kind. Eigentlich wollte sie nie Kinder, da sie Angst hatte, sie nicht ernähren zu können. Mit dem Geld hat sie angefangen, Injera zu backen, ein Sauerteigbrot, das sie jetzt an Cafés und Restaurants verkauft. Inzwischen hat sie nicht nur eigene Kinder, sondern auch die Tochter der Schwester bei sich aufgenommen, die sie mit dem verdienten Geld zur Schule schicken kann.

3. Mestavut Tegegn – Schneiderin

Mit einer Nähmaschine und mehreren Kursen hat sie sich ihre existenz aufgebaut: Mestavut Tegegn.

Mestavut hat sich von dem Geld eine Nähmaschine gekauft und verdient inzwischen rund 600 Birr im Monat, also umgerechnet rund 17 Euro. Sie lebt davon, dass sich die Menschen um sie herum eine Schneiderin leisten können. Das allein ist nicht selbstverständlich. Zudem hat die selbst HIV-positive Frau ihren Mann an die Krankheit verloren. Mit dem Geld hat sie nun die Chance, die Kinder alleine zu versorgen.

4. Habtam Gebeye – Händlerin

Sie ist jetzt die Besitzerin eines Kornspiechers und handelt mit Gewürzen: Habtam Gebeye

Habtam hat sich einen Kornspeicher gebaut und lagert Weizen, um ihn in knappen Zeiten zu verkaufen. Auch Gewürze hat sie im Angebot. Mit dem verdienten Geld kann sie nun ihre acht Kinder versorgen. Ihr Mann war anfangs skeptisch. Doch die zusätzlichen Einnahmen nehmen auch eine Last von seinen Schultern, da er sich nun nicht mehr alleine um die Familie kümmern muss.

Die Projekte der Frauen sind also nicht nur ein Mittel, um Geld zu verdienen, sie sind gleichzeitig Emanzipationsprojekte, erklärt Nuru. Bisher haben sie und ihre Schwester bereits 119 Kredite vergeben, einer liegt umgerechnet zwischen 180 und 250 Euro. „Das ist natürlich abhängig vom Business-Modell“, so Nuru. Vor Ort prüft ein Komitee, an wen das Geld gehen soll. Social Worker unterstützden die Frauen, über Schulungen soll sichergestellt werden, dass sie wissen, worauf sie sich einlassen. Jede Kreditnehmerin ist in einer Gruppe anderer Kreditnehmerinnen, die gegenseitig füreinander bürgen. „Das stellt sicher, dass sie das Geld auch zurückzahlen“, sagt Nuru. Geld, das dann wieder in andere Projekte investiert werden kann.

Die neue Ausgabe ist da! Heißt: die perfekte Lektüre für die Tage und Abende daheim. Dieses Mal widmen wir uns dem Thema Karriere: In seltsamen und unübersichtlichen Zeiten hört man auf den Rat der Weisen, und das sind in unserem Fall 50 nachweislich erfolgreiche Menschen, die überraschende, inspirierende und sehr persönliche Tipps für den Weg nach oben haben – von Lindsey Vonn über Frank Thelen zu Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, von Tony Hawk über Lea-Sophie Cramer zu Micaela Schäfer. JETZT AUSGABE SICHERN!

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