Cleveres Marketing: Vegetarischer Metzger will deutschen Fleischverbänden beitreten

Geht ein Mann zum deutschen Fleischverband und will Mitglied werden – als vegetarischer Metzger. Was wie der Anfang eines mauen Witzes klingt, den Onkel Hinnerk schenkelklopfend beim Familien-Grillfest erzählt, ist tatsächlich real. Der niederländische Gründer von The Vegetarian Butcher, Jaap Korteweg, hat sich bei zwei deutschen Fleischverbänden beworben. Er will Mitglied werden, um „gemeinsam die neue Generation von Fleisch zu genießen“.

Jaap Korteweg meint es ernst. Anstatt sich als Konkurrent zu positionieren, will er lieber mit der Fleischindustrie zusammenarbeiten. Das Ziel scheint klar: Fleischliebhaber*innen sollen von fleischlosen Alternativen überzeugt werden – am besten natürlich, indem sie Produkte von The Vegetarian Butcher essen. Immerhin will Jaap der größte Metzger der Welt werden.

The Vegetarian Butcher wurde 2010 in Utrecht gegründet und ist eine Marke von Unilever. Zu ihrer Produktpalette gehören auch Bratwürstchen, Burger-Pattys, Geschnetzeltes und Schnitzel. Ende 2019 führte Burger King die vegetarischen Rebel Whopper ein – der Patty kam in Europa von The Vegetarian Butcher.

Umsatzboost durch Fleischersatz

Was machen Verbände wie der Deutsche Fleischerverband und der Bundesverband der Fleischwarenindustrie eigentlich? Na, die Interessen des Fleischerhandwerks und der Fleischindustrie fördern und schützen. Da haben sie viel zu tun, in einer Zeit, in der die Auswahl an fleischlosen Produkten im Supermarktregal immer größer wird, während der Tönnies-Skandal der Öffentlichkeit mal wieder gezeigt hat, welchen Preis Billigfleisch wirklich hat.

Also warum es nicht ähnlich wie das ehemalige Wurstunternehmen Rügenwalder Mühle machen und einfach vom Boom um Fleischalternativen profitieren? Inzwischen machen diese Produkte immerhin schon 40 Prozent des Umsatzes bei Rügenwalder Mühle aus, 2019 war dank dieser Umstellung sogar das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte.

So absurd die Bewerbung von Jaap Korteweg erst mal scheint und offensiv mit dem Paradoxon „Veggie-Metzger wird Mitglied in Fleischverband“ spielt, ist sie doch sehr zukunftsorientiert.

Bleibt abzuwarten, ob das die Fleischverbände auch so sehen.


Business Punk Redaktion

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