„Je alltagstauglicher ein Produkt wird, desto gesellschaftsfähiger wird ein Tabuthema“

Der Bereich Femcare wächst innerhalb der Startup-Szene. Immer mehr Frauen bringen Produkte auf den Markt, die das gesundheitliche, weibliche Wohlbefinden fördern und gleichzeitig mit Tabuthemen brechen. Ganz oben auf der imaginären roten Liste der Tabus steht die Periode. Während über Bio-Tampons und Menstrutionstassen endlich in der Öffentlichkeit gesprochen wird, hat sich Lisa-Maria Reisinger auf eine andere Nische fokussiert: die Endometriose.

Mit Femitale hat sie ein Startup gegründet, das bequeme Jogginghose verkauft, mit denen man problemlos seine Wärmflasche spazieren tragen kann, um Schmerzen unterwegs lindern zu können – tschüss Wärmepflaster! Im Interview spricht die Gründerin über die Besonderheiten von Femitale, was ihre Mission ist und wie man die Jogginghose im Büro kombinieren kann.

Lisa, wie würdest du euer Produkt in einem Speed-Pitch beschreiben?

Femitale ist die erste Loungewear weltweit, die auch an unsere Wärmflasche gedacht hat. Innovativ, fair, sustainable und cozy as hell. Femitale ermutigt Frauen, ihre Unterleibsschmerzen in die Welt zu tragen. Wir stehen für Authentizität, simples Design und Zusammenhalt.

Was war der ausschlaggebende Moment, dass du auf die Idee gekommen bist Femitale zu gründen?

Ich selbst bekam im Jahr 2015 die Diagnose Endometriose. Eine chronische, gynäkologische Schmerzerkrankung. Da ich sehr oft auf meine Wärmflasche angewiesen bin und mir die wohltuende Wärme einer Wärmflasche auch einfach am Besten gegen die Schmerzen hilft, kam ich auf die Idee auf eine schöne Loungewear für jeden Tag, die aber etwas mehr an die Bedürfnisse von uns Frauen gedacht hat – eben an unsere Wärmflasche.

Welche Erfahrungen hast du bisher gemacht, wenn du deine Wärmflasche in der Femitale spazieren trägst – was ist deine persönliche Highlight-Story?

Ich hatte die Femitale an und bin in die U-Bahn gestiegen. Es ist dann sofort jemand aufgestanden und hat mir seinen Platz angeboten, weil er dachte ich sei schwanger. Ich hab den Platz dankend angenommen, da ich mich aufgrund meiner Periode auch nicht wirklich gut gefühlt hab.

Wo würdet ihr euch selbst einordnen – mehr im Femcare-Bereich oder Sexual Wellness oder ganz wo anders?

Eher im Femcare-Bereich, genauso aber auch einfach im Textilbereich. Je alltagstauglicher ein Produkt wird, desto gesellschaftsfähiger wird ein Tabuthema.

Hast du im Bereich Femcare Gründerinnen als Vorbilder?

Ich kann mich zwar nicht mit ihrem Produkt identifizieren. Aber ich habe mir die Masterclass von Sara Blakely angesehen und liebe diese Frau! Ihren Drive und ihre Vision. Sie hat es geschafft, ein riesen und millionenschweres Unternehmen (SPANX) in ihrer ganz persönlichen und feministischen Art aufzubauen. Sie hatte genauso wie ich, kaum Startkapital und keine Ahnung von der Textilbranche. Großes Vorbild!

Kannst du für (Nicht-)Menstruierende, die keine Erfahrungen mit Endometriose oder starken Periodenschmerzen haben, erklären, wieso es euer Produkt auf dem Markt braucht?

Aktuell bestimmt die Wärmflasche, wie frei man sich mit ihr bewegen kann. Wie man sich hinlegen muss, damit sie nicht zu Seite kippt. Viele Jogginghosen möchte man unterwegs nicht anziehen, bei vielen Hosen lässt sich aber auch nicht einfach eine Wärmflasche reinstopfen. Die Wärmflasche bei einer normalen Jogginghose am Rücken platzieren zu können ist nochmal next Level. Mit dem Kauf einer Femitale schlägt man somit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Auf eurer Webseite schreibt ihr, dass ihr viel mehr seid als nur ein Modelabel – inwiefern?

Your story is our reason to be. Wir verkaufen nicht nur Textilprodukte. Wir möchten Menschen mit gynäkologischen Beschwerden ein Zuhause geben, in dem sie sich wohl- und verstanden fühlen. Wir möchten bestärken, zur Authentizität motivieren, sie daran erinnern wie wundervoll und vollkommen sie sind – trotz monatlicher Schmerzen, trotz Erkrankung. Oder genau deswegen?


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