„One Girl One Cup“: NSFW-Clip über das Einsetzen einer Menstruationstasse geht viral

Manche Dinge kann man mit Worten nicht erklären. Man muss sie sehen, um es zu begreifen. Dazu gehört die Benutzung von Menstruationstassen. Vor ein paar Jahren kamen diese wiederverwendbaren Silikon-Cups als nachhaltige Alternative zu Tampons und Binden auf den Markt, doch noch immer scheuen sich viele Frauen, die Dinger auszuprobieren. Denn wie führt man die Cups ein? Wie bringt man sie in die richtige Position, damit nicht alles daneben geht? Und wie kriegt man die vollen Cups am Ende wieder vernünftig raus? Die Hemmschwelle ist groß.

Das hat auch The Female Company gemerkt, ein Berliner Startup, das Tampons und Binden aus Bio-Baumwolle herstellt. Denn falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Konventionelle Hersteller müssen nicht angeben, woraus ihre Periodenprodukte bestehen. Das ist natürlich problematisch für all jene Frauen, die Wert auf bewussten Konsum und Bio-Produkte legen, sich dann aber unwissend Chemie und Pestizide in eine ihrer wichtigsten Körperöffnungen schieben müssen.

So sieht eine Menstruationstasse aus. © The Female Company

Neben dem Verkauf ihrer nachhaltigen Produkte hat The Female Company es sich zur Aufgabe gemacht hat, die weibliche Periode aus der Tabu-Ecke zu holen und mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen aufzuklären. Dem Einsatz der Gründerinnen Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier haben wir übrigens auch die Senkung der Tamponsteuer zu verdanken. Weil die beiden auf einem richtigen und wichtigen Weg sind, bekam das Startup mitten in der Corona-Krise sogar frisches Funding.

Die Periode ist keine Pornografie

Seit ein paar Monaten verkauft The Female Company auch Menstruationstassen – und stieß auf besagte Hemmschwelle. Darum produzierte das Startup drei Tutorials mit dem ikonischen Titel „One Girl One Cup“, in denen Aktivistin und Pornodarstellerin Lina Bembe die Handhabung der Cups ganz genau demonstriert. Und zwar so genau, dass diese Videos auf sämtlichen Social-Plattformen sofort gelöscht worden wären. Die einzige Option: Pornhub. Dadurch wird sofort klar, dass explizite Aufklärung über die Periode praktisch wie Pornografie behandelt wird. Ein starkes Statement und ein kluger Marketing-Move, der dafür sorgt, dass die andernfalls vermutlich wenig beachteten Erklärvideos gerade überall gefeiert werden.

Der Youtube-konforme Teaser zur Kampagne

Aber Achtung, Plot Twist: Nun macht ein Instagram-Post die Runde, auf dem eine junge Kreative der für die Kampagne verantwortlichen Werbeagentur Scholz & Friends den Vorwurf macht, die Idee von ihr geklaut zu haben. Sie hatte sich nach eigenen Angaben mit exakt diesem Konzept bei der Agentur beworben, aber nach langem Hin und Her eine Absage erhalten. Als Beweis postete sie Screenshots aus dem E-Mail-Verkehr mit Scholz & Friends. Stimmt das, haben wir hier mal wieder ein beschissenes Beispiel dafür, wie verkorkst die Werbebranche ist.

Die Kampagne ist natürlich trotzdem Gold, und The Female Company hat von dem dreisten Klau vermutlich gar nichts gewusst. Bleibt nur zu hoffen, dass Scholz & Friends zur Rechenschaft gezogen wird, die eigentliche Schöpferin eine angemessene Entlohnung erhält, und dass eine ehrlichere Kreativbude ihr den Knallerjob gibt, den sie verdient – falls die Vorwürfe denn stimmen.

Wenn ihr die drei Tutorials gucken wollt, folgt am besten den Links auf der Website von OneGirlOneCup.de. Denn gebt ihr den Titel bei Pornhub selbst ein, verläuft die Suche kurioserweise im Nichts.


Business Punk Redaktion

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