Die Suchmaschine Ekoru will die Ozeane schützen – der Gründer verrät, wie das geht

Unsere Weltmeere sind ein globales öffentliches Gut, doch eher könnte man sagen, sie sind eine globale öffentliche Müllhalde. Mangelnde internationale Verträge sowie die Klimakrise führen dazu, dass sich unsere Ozeane in einem zunehmend schlechten Zustand befinden.

Die Liste der Probleme ist lang: Überfischung, Umweltkatastrophen durch Tiefsee-Bergbau und Frachtverkehr, wie kürzlich vor der Küste von Mauritius, saures Meerwasser, ein steigender Meeresspiegel. Und, last but not least, werden die Gewässer von Plastikmüll verseucht, dem viele Meeresbewohner zum Opfer fallen. 12,7 Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr im Meer, das entspricht einer LKW-Ladung pro Minute. Puh.

Der Australier Ati Bakush will mit seinem Startup gegen all diese Missstände etwas unternehmen und hat mit seiner malaysischen Frau Alison Lee die Suchmaschine Ekoru gelauncht. Ein Großteil ihrer Einnahmen wird an Meeresschutzorganisationen gespendet.

Der Name Ekoru kommt von koru, einem spiralförmigen Symbol der Maori, das für neues Leben, Frieden und eine Rückbesinnung aufs Ursprüngliche steht. Die Idee für Ekoru kam den beiden Gründern Mitte 2018. Danach wurde geplant und entwickelt, alles aus eigener Tasche, bootstrapped also, um einen Soft-Launch im Januar 2020 hinzulegen.

22 Jahre lang arbeitete Bakush bei Matrix Internet, seine Frau war als Marketing Managerin bei Nike erfolgreich, bevor sie sich mit Ekoru selbstständig machten. Ganz schön mutig, bei vier Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren.

Der Plan scheint aufzugehen: Inzwischen zählt Ekorus Team rund zehn Mitarbeiter*innen, die das junge Startup remote und aus aller Welt unterstützen. Die genaue Nutzerzahl von Ekoru nennt Bakush nicht. Nur: „Wir sind noch unter einer Million. Aber wir sind am Wachsen.” Deutschland ist dabei das zweitgrößte Nutzerland von Ekoru, nach den USA und vor Großbritannien und Frankreich.

Auch wir sind remote mit Bakush zum Interview verabredet, nicht nur wegen Corona, sondern auch weil der Australier seit vielen Jahren mit seiner Familie in Kuala Lumpur, Malaysia, wohnt.

Herr Bakush, Sie haben 22 Jahren auf Unternehmensseite gearbeitet, warum nun der Sprung ins Startup?

Die Arbeit in einem Unternehmen war für mich immer erfüllend und spannend. Doch irgendwann wollte ich etwas anderes machen, etwas mit mehr „Purpose”. Wohl auch durch unsere vier kleinen Kinder ist meiner Frau und mir der Schutz der Natur zunehmend wichtig geworden.

Mit der Idee für Ekoru dachten wir: Das könnte etwas sein, das sowohl wirtschaftlich funktioniert, als auch gut ist für unseren Planeten. Tatsächlich ist das, was ich jetzt mache, nicht groß anders als das, was ich vorher gemacht habe, ich war ja auch im Bereich Telekommunikation tätig. Same same, but different.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Ekoru?

Durch unsere Suchmaschine wird mit jeder Suche ein kleiner Beitrag für den Schutz der Meere geleistet. Finanziert wird das durch Werbepartner und gesponsorte Links, ähnlich wie Google Ads. 60 Prozent unserer Umsätze gehen an unsere beiden Partner Big Blue Ocean Cleanup und Operation Posidonia, in jeweils gleichen Anteilen.

Unser Ansatz ist dabei zweiseitig: Einerseits setzt sich Big Blue Ocean Cleanup dafür ein, mit der Hilfe von Freiwilligen die Meere vom Plastikmüll zu befreien. Andererseits unterstützen wir die Operation Posidonia, eine Inititative der Universität New South Wales, die den Klimawandel mit dem Anpflanzen von Seegras bekämpft. Seegras bindet CO2 deutlich schneller als Bäume im Regenwald.

Neben den beiden Partnern Big Blue Ocean Cleanup und Operation Posidonia arbeiten wir mit 12 Affiliates zusammen, ebenfalls Organisationen, die sich für den Meeresschutz einsetzen, wie beispielsweise Lonely Whale oder Sea-Changers. Diese bewerben wir auf unserer Landing Page ekoru.org direkt unter dem Eingabefeld.

Auch wir als Unternehmen achten darauf, unseren Impact so gering wie möglich und die Suchen der Nutzer*innen so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten: Alle unsere Server werden mit Wasserkraft betrieben.

Warum Ozeane?

Ursprünglich waren wir gar nicht auf Ozeane festgelegt, wir wollten eigentlich alle drei Monate einen anderen guten Zweck unterstützen. Erst Tiere, dann Ozeane, dies das. Aber am Ende blieben wir bei den Ozeanen. Das liegt auch daran, dass ich als Australier schon immer einen starken Bezug zum Meer hatte. Ich bin in Perth, Australien, direkt an der Küste aufgewachsen.

Wir Australier sind eng mit dem Meer verbunden, es ist Teil unseres Lifestyles.

Ati Bakush, ekoru

Zudem fanden wir, dass die Probleme unserer Ozeane bislang nicht ausreichend Aufmerksamkeit bekommen haben, außerhalb eines sehr engen Fokusses, sprich: Plastikstrohhalme. (lacht)

Doch die Weltmeere sind groß und die Themen im Bereich Meeresschutz divers: die Überfischung bekämpfen, das Binden von CO2 verbessern oder die Gesundheit von Meerespflanzen und -bewohnern schützen, um nur einige zu nennen. Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Ozeanen, Seen und Gewässern bedeckt. Man kann sagen: Das Meer ist das größte Puzzleteil unserer Umwelt.

Wo kann man Ekoru finden?

Ekoru läuft auf verschiedenen Browsern, unter anderem auf Google ChromeFirefoxEdge, darüber hinaus gibt es Apps für iOS und Android.

Ekoru fürs iPhone. Quelle: Ekoro

Was ist Ihre Vision für die Zukunft?

Wir wollen verstärkt Unternehmenspartner für ekoru gewinnen und mit Internetprovidern zusammenarbeiten. Unser Ziel ist es, Ekoru bei so vielen Partnern wie möglich als Standard-Suchmaschine zu etablieren. Eine Firma mit 20.000 Mitarbeiter*innen beispielsweise, bei der alle Suchen über Ekoru laufen, kann so einen großen Beitrag leisten. COVID-19 hat uns beim Erreichen dieses Ziels etwas ausgebremst, aber wir arbeiten nach wie vor daran und bleiben positiv.

Wie grenzt sich ekoru von Ecosia ab, der Suchmaschine für Bäume?

Erst einmal natürlich: Bäume versus Ozeane. Wir sehen Ecosia nicht als Konkurrenz. Vielmehr ist es doch so, dass wir alle zusammen gegen einen großen Player ankämpfen: Google. Egal wie viel Traffic wir von Google abgreifen können, so bleibt es für Google doch nicht mehr als ein Rundungsfehler, so klein ist aktuell unser Suchvolumen im Vergleich zu dem von Google.

Ecosia und wir sitzen im selben Boot, haben ähnliche Ziele und ich wünsche Ecosia nur das beste. Ich glaube, dass es mehr als genug Raum gibt für uns, Ecosia und andere Green-Tech-Player, um in diesem Umfeld zu co-existieren.

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