Innovation & Future Watchlist 2021: Zehn fabulöse Gründer*innen aus den Bereichen Health and Science

Watchlist 2021: Zehn fabulöse Gründer*innen aus den Bereichen Health and Science

Jedes Jahr sammeln wir in unserer Watchlist die 100 Gründer*innen, Macher*innen und Kreative von denen wir glauben, dass man sie auf dem Schirm haben sollte. Das sind die zehn Leute, die 2021 zum gesündesten ihrer Karriere machen wollen.

Platz 1: Lutz Kloke, Cellbricks

Seinen ersten 3D-Drucker hat der Pharmazeut Lutz Kloke 2010 mithilfe eines Holzbausatzes aus dem Internet gebastelt. Rustikal sah er aus, aber er funktionierte. Für Kloke war 3D-Druck zunächst nur ein Hobby, eine willkommene Abwechslung zu seiner Doktorarbeit.
Doch irgendwann nahm Kloke seinen Drucker dann mit an die TU Berlin und überzeugte seinen damaligen Chef, Druckversuche mit lebendem Material anstelle von Plastik zu starten. Damit war der Grundstein für Cellbricks gelegt: eine 3D-Drucktechnologie, die mit organischem Material anstelle von Plastik druckt und so unter anderem kleine, lebende Miniorgane produziert. Die Prototypen für die Drucker baut Cellbricks nach wie vor selbst.

Viele Abnehmer*innen

Cellbricks befindet sich auf dem AEG-Gelände im Berliner Bezirk Wedding, wo vor mehr als 100 Jahren die „Elektropolis“ und damit das Zeitalter der Elektrizität ausgerufen wurde. Nun bietet der 39-Jährige an dieser Stelle mit seinem Biotech-Startup aktuell drei verschiedene Produkte an, die zum Bau von 3D-Zellkulturmodellen verwendet werden können. Seine Abnehmer*innen sind Forscher*innen aus Krankenhäusern, Universitäten, Instituten wie dem RKI und die Pharmaindustrie.

Ein gutes Anwendungsbeispiel ist natürlich gleich die aktuelle Coronakrise: Hier können mit dem „Haemobrick“ Infektionsmodelle kreiert werden, durch die Infektionsketten des Virus schneller verstanden und so die Entwicklung eines Impfstoffes beschleunigt wird. Die Adaptierbarkeit des Bioprintings sei hier ein enormer Vorteil, da es eine Art multivariates Testen für Forscher*innen ermögliche. Kloke sagt: „Ich hoffe, dass wir mit unseren Infektionsmodellen einen Beitrag leisten können, um die aktuelle Pandemie zu besiegen.“

Gedruckte Plazenta

Ein weiteres Beispiel für die Anwendung ist Cellbricks sogenannter Membrick, mit dem Barrieremodelle erzeugt werden können. 2020 hat das Startup damit ein gedrucktes Plazentamodell gebaut, das die Barriere zwischen Mutter und Kind im menschlichen Körper nachstellt.
Die Miniorgane von Cellbricks sind nicht größer als ein Fingernagel – und zwar der vom kleinen Finger. Doch Klokes Zukunftsvision ist groß: keine Tierversuche mehr in der Arzneimittelforschung, personalisierte Medizin und die Aussicht, im Rahmen der regenerativen Medizin ganze Organe und Organteile als Implantate zu drucken. Kloke sagt: „Bioprinting hat bereits heute enorme Möglichkeiten, um der Grundstein für neue Therapien und Heilmethoden zu sein.“

Der Weg bis zum 3D-Druck von ganzen Organen sei allerdings noch weit und gepflastert mit finanziellen und regulatorischen Herausforderungen, ganz zu schweigen vom Thema Talentakquise. Gute Leute in Deutschland zu halten oder gar zurückzuholen sei „nicht trivial“, obwohl besonders Berlin mit seiner starken Startup-Szene für Deeptech- und Biotech-Innovationen interessant aufgestellt sei.
Weltweit würden aktuell im Bereich Deeptech, Biotech und auch Quantencomputing neue Zukunftsfelder entschieden. Kloke sagt, dass jetzt massiv investiert werden müsse, um auch in Deutschland morgen auf der Weltbühne mitspielen zu können. „Wir werden nicht dauerhaft mit dieser Kohle-Stahl-Backstein-Romantik die Zukunft bestimmen können“, sagt er. Und: „Wir dürfen das nicht wieder verschlafen, so wie bereits die Digitalisierung.“

1 / 9
Sven Jungmann – Founders Lane
„Wir dürfen nicht nur reden, sondern müssen aktiv dazu beitragen, dass Deutschland 2021 zu einem der Innovationsführer für evidenzbasierte digitale Gesundheitsprodukte wird“, sagt Jungmann, Chief Medical Officer bei Founders Lane, einem Corporate Venture Builder. Ihre Gewinnformel? Corporate Capital plus Agilität smarter Tech-Entrepreneure gleich Innovation.
2 / 9
Nikolas Simon – Trees
„Wir wollen revolutionieren, wie Menschen über Hanf denken“, sagt CEO Simon. Mit seinen CBD-Produkten bietet der 28-jährige Österreicher seit 2019 Produkte auf Hanfbasis an. 2021 will er neben einer neuen Hanf-Naturkosmetiklinie einen Vertrieb für medizinische Cannabisblüten in Deutschland aufbauen. Und weiter dafür kämpfen, Hanf in Europa zu legalisieren.
3 / 9
Victoria Engelhardt – Keleya
Mit ihrer Schwangerschafts-App hat die 30-jährige Engelhardt bereits das geschafft, wovon viele Entrepreneure im Health-Segment träumen: Mehr als zehn Krankenkassen erstatten ihre Services. 2021 soll das Angebot erweitert werden für Frauen nach der Geburt. „Wir wollen DAS Ökosystem und ein Marktplatz für werdende Eltern und junge Familien werden“, sagt Engelhardt.
4 / 9
Gerjet Efken – Skill Yoga
Skill Yoga setzt auf eine bislang seltsam unerschlossene Zielgruppe: Männer, die aktuell nur 20 Prozent aller Yogakurs-Teilnehmer ausmachen. Dazu kommt man mit künstlicher Intelligenz, denn eine KI-basierte Technologie soll 2021 die App weiter verbessern. Co-Founder Efken ist richtig guter Dinge: „Wir bringen Yoga endlich ins 21. Jahrhundert. Das wird geil!“
5 / 9
Sven Georgi – Dripdocs
Was darf es sein, der „Immunboost“ oder ein „Energy-Drip“? Während seiner 15-jährigen Praxiserfahrung haben Georgi und Partner Thomas Fiedler eine effektive Infusionstherapie für Patienten mit Darmerkrankungen entwickelt. Ihre Vitamin- und Nährstoffcocktails sind seit Herbst nun auch als komplett individualisierbare Wellnessprodukte im Spa-Setting zugänglich.
6 / 9
Ilias Tsimpoulis – Doctolib
Lange Wartezeiten bei Terminvereinbarung und im Wartezimmer: Wer zum Arzt geht, braucht gute Nerven. Das will Tsimpoulis mit einem Buchungsmanagementsystem sowie Videosprechstunden ändern, um Ärzt*innen und Patient*innen das Leben zu erleichtern. Die Coronakrise wurde zum Stresstest. Und die meisten Ärzt*innen wollen auch nach Corona Videosprechstunden nutzen.
7 / 9
Kati Ernst – Ooia
„Periode, weibliche Libido, Menopause – darüber müssen wir reden“, sagt Ernst, Co-Founderin von Ooia. Ihr Ziel ist Female Empowerment mit innovativen Produkten, die die konkreten Bedürfnisse von Frauen erfüllen, angefangen mit Periodenunterwäsche und Still-BHs. „Der Impact macht schon jetzt Bock! Aber: Es gibt noch viel zu tun – gesellschaftlich und was das Business betrifft.“
8 / 9
David Baumgarten – Reflora Skin
Mit einem Bakterienextrakt und einer speziellen Zuckerart will Reflora Skin das Haut-Mikrobiom stärken und so Neurodermitis-Patient*innen Linderung verschaffen. Motiviert hat CEO Baumgarten seine eigene Erkrankung. In Zukunft sollen sich auch Akne- und andere Problemhäute warm anziehen müssen: Das Potsdamer Startup sieht für das kommende Jahr noch viele Chancen.
9 / 9
Madjid Salimi – Amboss
„Amboss soll für Mediziner sein, was Google Maps für uns alle ist – ein schnelles und verlässliches Navigationssystem“, erklärt Co-Founder Salimi seine Vision. Die Lernsoftware kommt als digitales Nachschlagewerk an Universitäten und Kliniken zum Einsatz. 2021 will Amboss weiter wachsen, die Such- und KI-Technologie optimieren und Partneranwendungen integrieren.

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