Innovation & Future Glück Auf, der Steiger kommt! Und Bochum erst recht!

Glück Auf, der Steiger kommt! Und Bochum erst recht!

Natürlich haben diese Metropolen trotzdem einen Startvorteil. Weil sie seit Langem Gründer anziehen, gibt es dort Geld für deren Ideen. Und andersrum natürlich. Im internationalen Vergleich ist es in Deutschland ohnehin schwer für Gründer, an Geld zu kommen. Außerhalb der Großstädte ist es noch härter. Doch Bochum will das nicht einfach hinnehmen. Dazu hat die Stadt sich kurzerhand dafür eine Lösung überlegt. Sie tritt jetzt einfach selbst als VC auf.

David Latz ist Geschäftsführer von Shiftdigital. Weil er schon in mehreren Städten des Ruhrgebiets gelebt und gearbeitet hat, nennt er sich halbironisch „Wanderer zwischen den Welten“. Auch wenn die Grenzen zwischen den Städten fließend sind, „ist es trotzdem sehr unterschiedlich“, sagt er. In Bochum etwa habe die Startup-Szene einen familiären Charakter. Sie sei so offen, „dass man sich gut begegnen kann“.

Nicht Berlin, sondern Bochum. Foto: Shaine Paxton

Latz’ Unternehmen soll und will der Verwaltung der Stadt bei der Digitalisierung helfen. Shiftdigital entwickelt dafür eine Software. Zuerst soll so Bochum zu einer Stadt mit richtigen Digitalstrukturen werden. Doch Latz will mehr: nämlich, dass auch andere Städte seine Software kaufen. Software as a Service, made for Germany, in Bochum. Die Wirtschaftsförderung hat ihn mit einer Anschubfinanzierung ausgestattet, sodass Latz ein Team aufbauen kann – und vor allem: Dass er erst einmal herausfinden kann, was eine Stadt braucht. „Es bringt ja nichts, wenn man den Bürgern ein digitales Frontend gibt, aber die Prozesse dahinter analog sind“, sagt er. Um das zu lösen, so Latz, gäbe es eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Stakeholdern in der Stadtverwaltung. Das hilft dem Unternehmer. Es zeigt aber auch, dass man in Bochum verstanden hat, dass es kein „Weiter so“ geben kann.

Dazu gehört auch, dass man Unternehmern aus ihrem Versteck hilft, so weit man eben kann. Und es passt ganz gut zu dem, was diese Unternehmer denken, nämlich dass Bochum „eine Stadt im Aufbruch“ sei. Das jedenfalls sagt Eray Basar, Co-Founder der Digitalagentur 9elements und CEO von img.ly. Das Unternehmen entwickelt eine Designsoftware. „Es gibt hier eine junge Verwaltung, die wirklich bereit ist, Risiken einzugehen“, sagt er. „Hier heißt es, okay, du hast Ahnung von dem, was du tust, und dann folgt die Verwaltung da auch einer Empfehlung.“

Mit img.ly hat Basar in Bochum einen digitalen Player angesiedelt. Sein Unternehmen bietet einen Foto-Editor als Software-Development-Kit an, ein Markt, der bisher von Adobe dominiert wird. Den will Basar jetzt umkrempeln. Das ist nicht gerade ambitionslos, aber der Unternehmer hat unter anderem einen Painpoint ausgemacht, den die Konkurrenz bisher kaum lösen konnte: Er will die Reibung zwischen Designern und Nichtdesignern abbauen, die viele Unternehmen daran hindert, richtig gute Designs zu machen. Das ist ein globales Business und zeigt exemplarisch, in welcher Liga sich die Bochumer Unternehmer heute sehen. Und dass er sich ausgerechnet diese Stadt dafür als Headquarter ausgesucht hat, hat einen einfachen Grund: Basar ist einer dieser bereits erwähnten Ruhrgebiet-Natives.

Spätestens seit Corona hat sich die Frage nach dem perfekten Standort ohnehin relativiert. „Remote first“, sagt Basar schlicht. Damit hat die Pandemie einer Entwicklung Schub gegeben, die es auch vorher längst gab. Im Digitalbusiness sind Wohn- und Arbeitsort schon lange weniger wichtig. Das Büro ist dort, wo der Rechner steht. Jetzt haben Brick and Mortar in diesem Geschäftsfeld das letzte bisschen Bedeutung verloren. Trotzdem sagt Basar: „Hier ist aber unser Headquarter.“ Hier, das ist Bochum, und das hat noch einen anderen Grund.

Digitaler Nachwuchs

Denn Remote first hin oder her, auch Basar ist immer auf der Suche nach neuen Leuten. Und die gibt es an Bochums Universitäten und Hochschulen, die seit Jahren auf die Ausbildung des digitalen Nachwuchses spezialisiert sind. „Wir haben hier einen großen Talentpool, den wir ausschöpfen können.“ Für Unternehmen wie die von Basar bietet Bochum damit eben doch einen wichtigen Standortvorteil, der in einem sich globalisierenden Arbeitsmarkt entscheidend sein kann. „Wir haben jetzt auch Leute in Vancouver sitzen oder in der Ukraine“, sagt Basar. Die wollen natürlich auch nach internationalem Standard bezahlt werden – gut, wenn man da auf lokale Ressourcen zurückgreifen kann.

Ähnliches berichtet Daniel Schütt. Er ist einer der Gründer von Masterplan, einer digitalen Lernplattform für Unternehmen und deren Mitarbeiter. „Wir sind gar kein Bochumer Unternehmen“, sagt Schütt. „Wir haben Mitarbeiter aus Dortmund, aus Duisburg, aus Essen oder aus Wuppertal.“

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