Life & Style Massoud Mahgoli: Street bringt Geld, Alter

Massoud Mahgoli: Street bringt Geld, Alter

Kolumne von Massoud Mahgoli

In seiner Auftaktkolumne geht der Bochumer Designer und Kreative Massoud Mahgoli dem Drang der Luxusgüterindustrie nach, auf urbane Trends zu setzen.

In den letzten Jahren sind wir Zeug:innen einer faszinierenden Trendwende im Bereich Luxury-Fashion geworden: Streetwear-Designer:innen und Kollaborationen mit Streetwear-Brands prägen mehr und mehr die Landschaft von Luxusmodehäusern wie Louis Vuitton, Christian Dior und Co. Damit liefern sie die gewisse Credibility für eine immer jünger werdende Gruppe an Konsumenten.

Ich frage mich als durchaus „street representative“: Sprechen wir hier von Ausbeute unserer Subkulturen? Oder war das absehbar? Und bedeutet dieser Trend vielleicht sogar eine Notwendigkeit und Reformation zum Establishment?

Maßgeblich entscheidend ist der Impact urbaner Abgesandter aus den Bereichen Musik, Street-Art und Streetwear. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Einfluss der Jünger Kanye Wests. Die haben zu Hay-Day-Zeiten seiner Creative Agency Donda als Stylisten und Designer für ihn und seine Kunden gearbeitet – mittlerweile prägen sie die Modewelt großflächig mit.

Etwa Virgil Abloh und seine Creative Direction als erster afroamerikanischer Mann bei Louis Vuitton Menswear. (Wer hätte sich jemals vorstellen können, dass LV einen Skateschuh-Deal und damit verbundenen Sneaker mit einem jamaikanischen Skater droppen würde? Wilde Zeiten …) Oder auch der massive Erfolg rund um das Adidas-x-Kanye-West-Franchise Yeezy, das dem Haus nicht nur Milliardenumsätze bescherte, sondern auch eine klare Poleposition im Sneaker-Game verschaffte.

Die Liste geht gefühlt ewig weiter: Matthew M. Williams und seine Rolle als Creative Director für Givenchy, Pyer Moss, Creative Director Reebok, Jerry Lorenzo (immerhin der laut Kevin Durants Podcast „best dressed man on earth“) und seine Creative Direction für Adidas Hoops. Die geht Hand in Hand mit dem Launch der 3. Division seines Labels Fear of God. Oder Heron Preston, der erst kürzlich seine Creative-Partnerschaft im Rahmen einer gemeinsamen Collection mit Calvin Klein bekannt gegeben hat. CK war einst sehr erfolgreich, ist aktuell in Vergessenheit geraten, trotzdem immer noch ein Kulthaus. Dort betrachtet man diese Kooperation als eine mögliche Wiedergeburt, um durch Kreativität und Kultur wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen. Schon klar … alle fühlen sich extrem urban – oder wollen es zumindest gerne sein.

Für die Labels ist die Strategie nachvollziehbar: Sie wollen nicht nur glaubhaft an vergangenen Fame anknüpfen, sondern auch neue Märkte erschließen. Jugend- und Subkulturen sind fest in der Mitte der Gesellschaft verankert. Die einstigen Konsument:innen werden erwachsen, machen Karriere, haben am Monatsende einen Überschuss auf dem Konto – und sie bleiben ihren Marken und Helden treu. Selbst mit Ü30 bleibt bei vielen der Geschmack eng verbunden mit den Kleidungsstilen verschiedener Nischenbereiche. Vom Urban/Hip-Hop über Grunge/Punk bis hin zu Sportswear/Functionality. Und nicht nur die Konsument:innen treiben den Wandel an, auch die Labels selbst. Die Luxusgüterindustrie ist seit vielen Jahren experimentierfreudiger, weil dort Menschen mit Lust am Neuen intern nachwachsen.

Ich denke: Trotz coronabedingter Umsatzeinbußen von etwa 30 Prozent im Luxusmodesegment lässt sich ein exponentielles Wachstum des Einflusses der Nischenbranchen in der kommerziellen und Luxusfashion-Industrie beobachten. Der Einfluss dürfte nur noch weiter zunehmen.

Und ich muss sagen: Das sind keine schlechten Voraussetzungen für meine Vorhaben. Ich finde für die Cross-over-Kultur einen sehr positiven und fruchtbaren Boden vor. Bereits seit den Hip-Hop-x-Metal-Kollabos der 90er begeistern mich die Verschmelzungen von Trends. Die Gegenwart ermöglicht eine aufregende Spielweise für mein kreatives Schaffen.

Wenn ich sehe, dass bei Christian Dior x Jordan oder Louis Vuitton x Supreme erfolgreich zwei Welten aufeinandertreffen, gibt das eine Ahnung von einer spannenden Zukunft. Auf kreativer Seite – und natürlich auch wirtschaftlich. Denn diese großen, börsennotierten Unternehmen müssen halt wachsen. Und Street ist für sie derzeit eine nahe liegende Antwort, Street bringt „para ya selemi“, wie man urban sagen würde – Street bringt Geld, Alter.

Massoud Mahgoli: Der Designer sorgt mit seinen Cross-over-Werken international für Aufsehen und zählt einen erlesenen Kreis an Rappern, Sportlern und Schauspielern zu seinen Fans – unter anderem Dennis Schröder von den Los Angeles Lakers.

Es ist wieder soweit: Unsere neue Ausgabe ist da. 172 druckfrische Seiten mit einer Menge Storys und Persönlichkeiten zum Dossier-Thema „Green“. Außerdem: Wie ein Podcaster eine eigene Pasta-Sorte schafft, wie ein Gründer:innen-Netzwerk in Südafrika Artenschutz vorantreibt und wie David Brunier die am schnellsten wachsende Kaffeekette der Welt baut. Ab zum Kiosk oder zum Aboshop.

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