Innovation & Future E-Bike-Boom: Dance bietet einen Rundum-Service im Abo an

E-Bike-Boom: Dance bietet einen Rundum-Service im Abo an

Eric Quidenus-Wahlforss ist Mitgründer von Soundcloud. Nach zwölf Jahren hat er das Unternehmen verlassen und ein Sabbatical gemacht. Er hat sich die Frage gestellt, wie er den Rest seines Lebens verbringen sollte. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit und den Klimawandel war ihm klar, es solle in diese Richtung gehen – wie könne er einen positiven Beitrag leisten? 

Zusammen mit Soundcloud-Mitgründer Alexander Ljung und Jimdo-Mitgründer Christian Springub hat er Dance gegründet, ein Abo-Modell für E-Bikes. Dabei erhält man nicht nur ein E-Bike, sondern auch einen Rundum-Service. Ist etwas kaputt, kontaktiert man den Concierge-Service und es wird innerhalb von 48 Stunden repariert.

Im Interview hat Eric Quidenus-Wahlforss über den Aufbau des Unternehmens gesprochen und verraten, was er im Gegensatz zur ersten Gründung diesmal anders macht.

Du hast mit Soundcloud schon eine Plattform geschafft, auf etwas zugänglich macht – in dem Fall Musik. Jetzt sorgst du dafür, dass man ein E-Bike nutzen kann, ohne es zu kaufen. Wann kam dir die Idee für Dance?

Als ich einen langen Spaziergang mit einem Freund in Stockholm gemacht habe. Das war im Herbst 2019. Wir haben darüber gesprochen, ob es für die Kreislaufwirtschaft mehr Sinn macht, Dinge zu kaufen oder zu mieten. Da es am Ende oft das Mieten ist, haben wir das für alle möglichen Produkte durchgespielt. Auch für einen Toaster. Am Ende sind wir beim E-Bike gelandet und ich habe Christian kennengelernt, der dieselbe Idee hatte. Dann kam Alex noch dazu und wir haben im Januar 2020 losgelegt. 

Dann kam die Pandemie. Was hat das mit euch gemacht?

Wir haben natürlich auch darüber nachgedacht, wie sich Mobilität corona-bedingt verändern wird. Am Ende hat es aber zu einem unerwarteten Fahrrad-Boom geführt, was für uns natürlich sehr gut war. 

Ich habe auch das Gefühl, dass E-Bikes eine immer jüngere Zielgruppe erreichen. 

Ja, absolut. Das ist eine spannende Entwicklung und eigentlich gegenteilig zu vielen Produkten. Das Interesse für E-Bikes hat bei einer älteren Zielgruppe angefangen, die eher außerhalb der Städte unterwegs war. Das ändert sich jetzt und immer mehr junge Menschen in den Städten fahren mit E-Bikes. 

Was waren die ersten Schritte im Aufbau eures Unternehmens? 

Nachdem wir am Anfang mit vielen Leuten gesprochen haben, haben wir relativ schnell Bike-Brands getroffen und uns mit ihnen ausgetauscht. Dann haben wir ungefähr 100 E-Bikes bestellt und Menschen zum Testen gegeben. Unsere Pilotphase hat früh begonnen, sodass wir direkt lernen konnten, was wichtig ist und was nicht. Parallel dazu haben wir die Software und das Abo-Modell entwickelt. 

Was hat euch bei der Entwicklung besonders überrascht? 

Wir haben innerhalb unserer Testphase sehr viel gelernt. Verkauft man ein Produkt, hat man danach oft nichts mehr damit zu tun. Bei uns ist es so, dass wir uns über die Langlebigkeit und Qualität der Materialien und Bestandteile Gedanken machen müssen, da wir das E-Bike nach Ende des Abos ja der nächsten Person zur Verfügung stellen. 

Das zielt dann auch auf den Nachhaltigkeitsgedanken ab, wenn man etwas möglichst lang nutzt. 

Und auch auf Funktionalität. Denn so stellt sich gar nicht mehr die Frage, von welcher Marke man ein Ersatzteil kauft. Aber auch Zeit spielt eine wichtige Rolle, denn wie oft möchte man das Bike in die Werkstatt bringen und hatte keine Zeit dafür. Das sind alles Faktoren, die einen davon abhalten, ein Produkt lange zu nutzen.

Mit Dance hast du zum zweiten Mal gegründet. Was war im Vergleich zum ersten Mal anders und wo konntest du bereits auf Erfahrungen zurückgreifen? 

Im Unternehmen sind die Menschen das Wichtigste, denn mit ihnen beginnt alles. Viele stellen am Anfang mehr Mitarbeiter:innen auf Junior-Level ein, sodass alle noch lernen müssen und teilweise Chaos entsteht. Wir haben von Anfang an gezielt auf erfahrene Talente gesetzt, um ein starkes Fundament aufzubauen und direkt starten zu können.

Welchen Tipp würdest du zukünftigen Gründer:innen mit auf den Weg geben? 

Ich habe mich einfach immer gefragt, was mich in fünfzehn oder zwanzig Jahren noch glücklich machen würde. Außerdem habe ich gewusst, dass mit der Gründung eine Herausforderung auf mich zukommt, die ich nicht alleine bewältigen möchte. Also habe ich mir Mitgründer gesucht. Manchmal kann es sehr wertvoll sein, sich Verbündete und Mitgründer:innen zu suchen. 

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