Life & Style Auf (mehr als) einen Aperol Spritz mit Galerie Arschgeweih

Auf (mehr als) einen Aperol Spritz mit Galerie Arschgeweih

Mehr noch als die reine Reichweite aber macht Galerie Arschgeweih etwas anderes aus: Einfluss. In der „Vogue“ war einst zu lesen, dass dem Account speziell viele Kreative aus der deutschen Modebranche folgten. Ob ihnen das bewusst sei, fragte die Redakteurin im Interview. „Nope, aber danke!“, lautete es damals. Es ist bis heute so geblieben. Dass Wiegärtner, Lichtenegger und Bogner auf Instagram mehr Follower haben als etwa große Medienmarken wie die „FAZ“, das hat wenig mit ihnen persönlich zu tun. Und gleichzeitig sehr viel.

Bogner stammt aus Oberösterreich, Lichtenegger wuchs auf einem Bauernhof in Kärnten auf, Wiegärtner in einem Dorf in Franken. Sie verbindet eine Jugend in einem Umfeld, das eher Anpassung belohnt als Eigensinn – und das es nicht vorsieht, dass männliche Teenager sich für eine Girlgroup wie die No Angels begeistern. Lichtenegger war damals Mitglied der Landjugend, auch im Gesangsverein.

Einfach weil das die Treffpunkte der Jungen waren, sagt er. Weil es nicht viel anderes gab. Er bereue das nicht, erinnert sich aber kaum noch an die Zeit in den Vereinen. Wichtiger war ohnehin etwas ganz anderes: Wenn Lichtenegger an seine Jugendjahre denkt, dann denkt er an das No-Angels-Onlineforum, in dem er sich mit anderen Fans austauschte. An den Kontakt mit einer Welt, die so anders war als die Landjugend.

„There’s something about us / You can’t explain / The only thing we’re here for / Is to entertain“

Für Lichtenegger Zeilen wie eine Verheißung. Es war für alle drei klar, dass sie nicht auf dem Land bleiben würden. Dass es in Österreich eigentlich nur einen Ort für Bogner und Lichtenegger geben konnte: Wien. Und dass für Wiegärtner Berlin zur Heimat werden würde. Er arbeitet für den RBB in Berlin und ist gerade nur zu Besuch in Wien. Die beiden anderen sind beim Newsportal k.at angestellt.

Hier in Wien erfüllt sich ein Versprechen für Bogner, Wiegärtner und Lichtenegger. Dass das Leben mehr hergibt als Gartenzäune und Vereinsleben. Dass es Orte gibt, an denen sie es weit bringen, gerade weil sie so sind, wie sie sind – nicht trotzdem. Orte der Toleranz und des Experiments. Und dieses Versprechen transportierten damals, in den frühen 2000er-Jahren eben die Ikonen des Privatfernsehens.

„Kader Loth hat auch für Gay Rights gekämpft“, sagt Wiegärtner. „Als schwulem Kind auf dem Land hat mir das viel bedeutet.“ Und immer wieder zeigen in dieser Zeit Wiegärtner, Lichtenegger und Bogner vor allem die No Angels, wie wichtig es ist, sich treu zu bleiben. Sie sangen:

„Destiny told us / Not to run away / We will make it anyway“

„Die No Angels waren krasse Vorbilder. Während die anderen ihre Mofas frisiert haben, habe ich meine Haare frisiert“, sagt Lichtenegger. Und Bogner erinnert sich: „Ich habe jedes Foto ausgeschnitten und in ein Album geklebt.“ Sie bewahrt es bis heute auf, auch wenn sie es gerade nicht mehr findet. „Es geht uns um die Liebe zu diesen Künstlerinnen“, sagt Wiegärtner. „Wir würden es nicht machen, wenn wir nicht wirklich aufrichtige Fans wären.“ Auch diese Aufrichtigkeit ist es, die Galerie Arschgeweih erfolgreich macht. Weil die besten Witze etwas Echtes von denjenigen preisgeben, die sie sich ausdenken.

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