Personal Finance Uhren als Kapitalanlage: „Meines Erachtens ist die Macht der Marke am wichtigsten“

Uhren als Kapitalanlage: „Meines Erachtens ist die Macht der Marke am wichtigsten“

Wer sich auf Instagram und Co. umsieht, kommt nur schwer an Bildern von Menschen mit – vermeintlich – teuren Uhren herum. Unzählige Influencer:innen führen eine junge Zielgruppe an die Luxusuhrenbranche heran. Häufig wird dabei von einem langfristigen Investement geredet. Doch kann eine Uhr eine ernsthafte Position im Portfolio sein?

Wir haben zum Thema „Uhren als Kapitalanlage“ mit Uhrenliebhaber und Wirtschaftsjournalist Michael Brückner geredet. Sein gleichnamiges Buch zum Thema erschien erst kürzlich bereits in der dritten Auflage.

Herr Brückner, Sie bringen bereits die dritte, komplett überarbeitete Auflage ihres Buches „Uhren als Kapitalanlage“ heraus. Können Sie vielleicht einmal beschreiben, wie sich die Szene seit der ersten Veröffentlichung 2008 bis heute entwickelt hat?

Wir waren mit der ersten Auflage noch etwas früh auf dem Markt. Das war damals ein Nischenthema. Das hat sich in den darauffolgenden Jahren wesentlich geändert. Uhren als Kapitalanlage waren plötzlich ein Thema. Das hängt damit zusammen, dass viele Leute in der aktuellen Null- und Negativzinsphase nach alternativen Anlageformen suchen.

Warum gibt es bestimmte Uhren, die wertsteigernd sind oder wertstabil sind?

Meines Erachtens ist die Macht und die Magie der Marke am wichtigsten. Wenn man sich die Auktionskataloge einmal anschaut, sieht man immer wieder drei oder vier Marken, die gute Preise erzielen. Das sind Rolex, Patek Philippe und in zunehmendem Maße auch Lange & Söhne und Audemars Piguet.

Ein anderer Faktor sind die Komplikationen, die eigentlich kein Mensch braucht, die aber ein großes uhrmacherisches Know-how darstellen. Die bekannteste und am häufigsten anzutreffende ist der Chronograph, also die Kurzzeitmessung.

Es gibt Sammler:innen und Juwelier:innen, die sagen: Die Uhr sollte schon ein Gehäuse aus Edelmetall wie Gold oder Platin haben. Da bin ich etwas skeptisch, denn gerade die Wertentwicklung bei Rolex oder bei der Nautilus von Patek Philippe hat gezeigt, dass sich die Stahl-Uhren besser entwickeln als die Edelmetall-Uhren.

Der vierte Faktor ist, dass es einen starken Sekundärmarkt gibt, auf dem die Leute gebrauchte Uhren kaufen. Am Ende kann Ihnen niemand wirklich vorhersagen, ob Sie mit einer Uhr eine Wertsteigerung oder einen Werterhalt haben.

Brückner
(Credits: Carola Schmitt)

Wie kann man in den Markt einsteigen, wenn man sich dafür interessiert?

Ich habe mal von der Drei-I-Formel gesprochen. Zuerst interessieren, dann informieren, indem man sich Bücher kauft und die Auktionskataloge unter die Lupe nimmt. Das dritte I wäre dann investieren. Was Einsteiger:innen angeht, könnte ich mir vorstellen, dass man sich zunächst auf dem Sekundärmarkt bedient.

Da gibt es mittlerweile auch im Internet viele seriöse Anbieter. Das sind gebrauchte Uhren, aber in sehr gutem Zustand. Was die Marken angeht: eine schöne Rolex, Omega oder eine alte IWC Fliegeruhr zum Beispiel. Ich habe in den 80er Jahren mit einer Omega Seamaster angefangen.

In den letzten Jahren wurde teure Uhren bei jungen Leuten durch Musiker:innen und Influencer:innen immer beliebter. Wie wird sich der Markt in Zukunft entwickeln?

Natürlich habe ich keine Glaskugel, aber ich gehe mal davon aus, dass eine Nachfrage für Uhren als Kapitalanlage bleibt. Gerade auch in digitalen Zeiten wächst das Interesse, ein mechanisches Meisterwerk an der Hand zu haben. Viele Hersteller haben schon lange reagiert und Modelle für jüngere Zielgruppen herausgegeben.

Es gibt auf Instagram die Munich Wristbusters. Das ist eine Seite, die prominente Leute auf Instagram dabei erwischen, wie sie sich mit einer Fake-Rolex oder anderen Fakes zeigen.

Das zeigt wie populär das Thema ist. Ich meine, jede Fälschung ist auch ein Kompliment an die Marke. Die Leute haben eine Affinität zu Rolex und so kommen leider diese Fälschungen auf den Markt. Das ist auch ein Thema, dass man die Frage stellt: Wo kaufe ich meine Uhr? Das spielt eine wichtige Rolle.

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