Leadership & Karriere Kolumne: Warum ihr (auch) in der Beziehung ein Jahresgespräch braucht

Kolumne: Warum ihr (auch) in der Beziehung ein Jahresgespräch braucht

Text: Lea-Sophie Cramer

Ziele beflügeln Menschen – aber wie genau nutzt unsere Kolumnistin ihr persönliches Zielbild, um Ideen umzusetzen und die Lebenszeit maximal gewinnbringend auszugestalten?

Anfang Januar habe ich immer einen meiner schönsten Termine des Jahres. Tolles Restaurant, zwei Menschen, ein Thema: Jahresplanung. Ein Review der Vorhaben des vergangenen und die Planung für dieses Jahr. Als ich Ex-„Handelsblatt“-Chef und Purpose-Profi Frank Dopheide von diesem Ritual erzählte, bekam er Schnappatmung. Er hat ein ganzes Buch geschrieben mit dem Untertitel: „Über das Leben außerhalb der Effizienzfalle oder warum wir mit unserem Lebenspartner kein Jahresgespräch führen sollten“.

Die Antithese: „Let life call the shots“ (Michael A. Singer)

Es gibt viele gute Argumente aus dem Anti-Planungslager. Zum Beispiel von Frank, dass Jahresgespräche die Romantik killen und sich das Leben nicht in KPIs pressen lässt. Autoren wie Michael A. Singer („The Surrender Experiment“) argumentieren, dass das Wichtigste für Glück und Erfolg sei, dass der Geist zur Ruhe kommt – das gehe nur, indem man sich dem Leben hingibt. Eng verbunden damit ist auch die Selbstoptimierungskritik: Selbstoptimierung mache egoistisch, verursache Stress und sei überhaupt zur Pflicht geworden. Der Soziologe Hartmut Rosa erklärt, dass sich die Welt so schnell verändert, dass wir uns ohnehin ständig selbst optimieren müssen, um überhaupt mitzukommen. Das sei jetzt schon wie das Gefühl, gegen eine abwärtsfahrende Rolltreppe anzulaufen.

Meine These: „We’re only here for one time, one life, how can we really milk the shit out of this?“ (Gwyneth Paltrow)

Ich glaube, dass sie alle – Dopheide, Singer, Rosa – recht haben. Und trotzdem bin ich für eine proaktive Planung. Wenn ich Porträts von Macherinnen und Machern anschaue – dieses ganze Heft ist voll davon! –, denke ich an mein Mantra: Es ist viel geiler, die Dinge selber zu machen, die du bei anderen bewunderst. Und dafür brauche ich für mich ein klares Zielbild. Denn wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn ich in meinem Leben eine Veränderung will, muss ich diese aktiv gestalten. Niemand würde infrage stellen, dass Unternehmen ein Zielbild brauchen. Warum wir also nicht? Wir alle sind CEOs unseres eigenen Lebens, warum sollten wir gerade hier auf Vision und Strategie verzichten?

Jahresplanung mit Herz

Seit ein paar Jahren gibt es deshalb bei mir dieses Abendessen – im Mittelpunkt steht dabei eine Mindmap (hier zum Donload) mit acht Lebensbereichen, von Karriere über Familie bis Gesundheit, denn unser Leben braucht ein starkes Fundament auf mehreren Säulen. Für jeden Bereich definiere ich drei bis vier Ziele. Gemeinsam mit dem Partner oder der Freundin macht dieses Essen und Gespräch am meisten Sinn, weil es mehr Spaß macht, Nähe und Verbindlichkeit fördert und die Beziehungen stärkt.

Stehen die Ziele in der Mindmap einmal fest, benutze ich vor allem Visualisierungen, um den Weg dorthin zu planen. Für 2020 stand damals etwa „Anfangen, in Aktien zu investieren“ in der Mindmap. Großes Thema, aber wenig Plan. Ich habe mich also gefragt: Wie wird das aussehen – wo, wann, mit wem, wie werde ich das machen? Wie kann ich mir das so aufbauen, dass es mir Spaß macht? So baue ich mir ein System, das es mir maximal einfach macht: Statt mit dem Anfang zu verzweifeln, gab es einen Kalender-Invite: alle zwei Wochen 45 Minuten mit einer Freundin, die das gleiche Ziel hatte. Gemeinsam sprachen wir über unsere Strategien und Learnings. Jetzt, Ende 2021, bin ich keine Aktienanfängerin mehr. Irgendwann ist immer das erste Mal.

Ich möchte das Maximum aus meinem Leben rausholen, es aktiv gestalten – und gleichzeitig habe ich großes Vertrauen, dass das Leben so oder so gut werden wird, mit oder ohne Plan.

Das ist ein Text aus unserer Ausgabe 6/2021: Außerdem findet ihr darin 100 spannende Menschen, von denen wir im neuen Jahr Großes erwarten. Wir haben die Musik-Chefin von Youtube Deutschland im Berliner Google-Büro getroffen. Und der CEO von Reddit war in der Redaktion zu Gast und hat mit uns über Memes und WallStreetBets diskutiert. Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

Lea-Sophie Cramer

Die Unternehmerin hat den Erotikhändler Amorelie aufgebaut und an Pro Sieben Sat 1 verkauft. Ende 2019 stieg sie als CEO aus. Mittlerweile ist Cramer als Beiratsmitglied und Investorin tätig.

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