Productivity & New Work Resilienz oder Toxic Positivity? Man darf auch mal was scheiße finden

Resilienz oder Toxic Positivity? Man darf auch mal was scheiße finden

Ein Gastbeitrag von Siri Frericks

Corona, Krieg, Klimawandel: Die Weltlage drückt uns allen aufs Gemüt. Hinzu kommt Stress im Alltag, vor allem im Job. Gerade in Zeiten wie diesen sollten Arbeitgebende ihre Angestellten dabei unterstützen, einen gesunden und nachhaltigen Weg im Umgang mit mentaler Belastung zu finden – also Resilienz aufzubauen.

Wie man wirklich resilienter wird, ohne in toxische Positivität abzurutschen, erklärt Psychologin Siri Frericks von 7Mind. So viel vorab: Alles rosig reden bringt auch nichts. Man darf auch mal was scheiße finden.

Resilienz ist mehr als ein Buzzword

Wenn psychologische Fachbegriffe in den Mainstream rutschen, wird schnell vereinfacht und missverstanden. Genau das passiert gerade mit dem Buzzword „Resilienz”. In der Psychologie beschreibt Resilienz „die Widerstandsfähigkeit eines Individuums, sich trotz ungünstiger Lebensumstände und kritischer Lebensereignisse erfolgreich zu entwickeln“.

Vereinfacht gesagt: Resilienz befähigt uns, nach einem beschissenen Tag leichter wieder zurück ans Steuer zu finden. Ein bisschen wie bei einem Anti-Stress-Ball: Je resilienter wir sind, desto schneller finden wir nach der stressigen Phase wieder in unsere Ursprungsform zurück.

Resilienz kann sich im Laufe des Lebens ganz natürlich entwickeln. Doch es gibt Faktoren, die sie beeinflussen. Während Freund:innen und Familie unterstützend wirken, können soziale Isolation oder ungesunde Gewohnheiten genau das Gegenteil hervorrufen. Die gute Nachricht: Wir können Resilienz bewusst trainieren – denn Gehirn und Psyche sind nicht starr und unveränderlich. Sie reagieren auf Trainingsreize – genauso wie unsere Muskeln im Fitnessstudio.

„Lass den Stress doch einfach abprallen”

Wer kennt es nicht: Hat man mal einen schlechten Tag, bekommt man gerne ein lieb gemeintes „Lass den Stress doch einfach an dir abprallen” oder „Sieh’s doch mal positiv” zu hören. Doch das verstärkt unseren Ärger meistens noch. Wer öffnet sich schon gern und spricht über eigene Probleme, um dann zu hören „take it easy”? Diese „Kopf hoch, halb so schlimm” -Mentalität hat einen Namen: Toxic Positivity.

Sie entsteht durch den Glauben, dass man jede noch so große Herausforderung überwinden kann, wenn man nur positiv bleibt. Nicht nur das: Man spricht dem betroffenen Gegenüber die Sorgen ab, indem sie kleingeredet werden. Das Resultat: Die Person fühlt sich mit den Problemen allein gelassen.

Sie empfindet Schuld, schlecht drauf zu sein, unfähig, um „richtig“ mit der Situation umzugehen. Hilfreich? Höchstens, wenn du bei Mensch ärgere dich nicht verlierst. Aber sicher nicht, wenn es sich gerade so anfühlt, als würdest du in einer Stress-Flut ertrinken.

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