Productivity & New Work Gespielte Produktivität im Homeoffice schadet allen

Gespielte Produktivität im Homeoffice schadet allen

Früher war es das Gespräch an der Kaffemaschine: „Wieder sehr stressig gerade…“ – „Ja, ich habe auch ganz viel auf dem Zettel.“

Heute ist es das Bewegen des Cursors, damit der Status in Slack oder Teams wieder grün leuchtet. Oder ständige Updates im Chat. Dinge, die man bei der Arbeit nur tut, um beschäftigt zu wirken. Und dabei Zeit verliert, die man mit echter Arbeit füllen könnte. Oder mit einer echten Pause ohne inszenierte Verfügbarkeit.

Das Phänomen wurde zuletzt unter dem Namen Produktivitätstheater diskutiert. Und es schadet eigentlich allen. Den Mitarbeitenden, denen, die sie kontrollieren – und eben der Produktivität.

In einer großen internationalen Befragung hat Microsoft ermittelt, dass 85 Prozent der Chef:innen es in hybriden Arbeitsmodellen schwierig finden, ihrem Team zu vertrauen.

Eine andere Zahl ist noch erschreckender: 87 Prozent der befragten Mitarbeiter:innen schätzen sich als produktiv ein, aber nur 12 Prozent der Chef:innen sehen das genauso.

Ein Vertrauensdilemma also. Aber inszenierte Arbeit sollte nicht die Antwort darauf sein. Einer anderen Erhebung zufolge ist es im Durchschnitt mehr als eine Stunde am Tag (67 Minuten), die für Schein-Produktivität verschwendet wird.

Wieso inszenieren wir Produktivität?

Ob Mitarbeitende produktiv sind, wird heute vor allem anhand eines Maßes gemessen: Empfindungen der Führungskraft. Das ist natürlich weder fair, noch objektiv.

Früher machten Chef:innen ihre Einschätzung daran fest, was sie beim Blick zum nächsten Schreibtisch so zu sehen bekamen. Heute sind es in hybriden Arbeitsmodellen die Statusfarben im Chat-Programm.

Microsoft spricht sich in dem Bericht dafür aus, Ergebnisse anhand objektiver Zahlen zu messen. Ein Ansatz, für den auch der Windows-Konzern eigene Tools anbietet.

Bisher verfügbare Zahlen sprechen dafür, dass die Möglichkeit von Homeoffice die Produktivität eher steigert. Aber welche Zahl misst überhaupt Produktivität? Bisher gehen die Ansätze noch auseinander.

Microsoft bot selbst die Möglichkeit, einzelne Mitarbeitende in Office auf ihre angebliche Produktivität hin zu überwachen. Die Kritik war groß. Von „esoterischen Metriken“ schrieb etwa der österreichische Aktivist Wolfie Christl, die Funktion wurde daraufhin zumindest etwas eingeschränkt.

Der ganzen Überwachung liegt auch die Idee zugrunde, dass Mitarbeitende gar kein großes Interesse haben, produktiv zu sein. Dabei gibt es in Japan sogar ein Café, wo sich Menschen freiwillig „festhalten“ lassen, bis sie ihre Arbeit erledigt haben.

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