Innovation & Future 2023 kommt die Mehrwegpflicht: Burger King führt Recups ein

2023 kommt die Mehrwegpflicht: Burger King führt Recups ein

Der Fast-Food-Riese Burger King führt ab dem ersten Januar gemeinsam mit Recup ein neues Mehrwegsystem in allen Filialen ein. Damit können sich Kund:innen ihre Shakes, Getränke und Eis im Mehrwegbecher des Startups bestellen. Laut eigenen Angaben soll das Ziel der Kooperation sein, jährlich Millionen Einwegbecher einzusparen.

In einigen Filialen rund um den Raum Köln wurde das Mehrwegsystem bereits getestet. „Erst wenn ein Mehrwegbecher im Kreislauf bleibt, wird er auch tatsächlich mehrfach genutzt und kann echte Vorteile in Sachen Nachhaltigkeit bringen. Mit Recup haben wir uns daher für das größte Mehrwegnetz in Deutschland entschieden“, sagt Daniel Polte, Manager Public Relations bei der Burger King Deutschland GmbH. Auch McDonald’s hat vor zwei Jahren das Recup-System im Raum München bereits getestet.

Recup-Gründer im „How To Hack“-Podcast

Ungefähr 70 Einwegbecher verbraucht statistisch gesehen jeder Deutsche im Jahr: Das geht aus den Daten des Umweltbundesamtes aus 2021 hervor. Hochgerechnet macht das 55.000 Tonnen Abfall allein in Deutschland. Somit läuft der Einwegbecher der Plastiktüte in Sachen Müllursache Nummer eins den Rang ab. Das ist ein riesiges Problem. Ein Problem ist auch, dass Kaffee und Salat to go jedoch mittlerweile zum städtischen Lifestyle gehören, genauso wie das Thema Nachhaltigkeit. 

Es wäre nicht die Startup-Welt, wenn es für dieses Problem nicht schon längst eine Lösung gebe. Im September 2016 gründeten Florian Pachaly und Fabian Eckert das Startup Recup, ein Pfandsystem für Mehrwegbecher. Das Prinzip ist simpel: Bestellt man sich im Café seinen heiß geliebten Kaffee im Recup, zahlt man einen Euro Pfand für den Becher und kann ihn beim nächsten Besuch zurückbringen. 

„Wir sind ein Beiprodukt für die Gastronomie. Das heißt, wir sind ein Enabler nachhaltig zu leben“, sagen Pachaly und Eckert im Podcast How To Hack. 

Da ab dem 01.01.2023 Gastronomie-Betreiberinnen allerdings dazu verpflichtet sein werden, ihren Kunden eine Alternative zu Einwegbechern anzubieten, könnte die Lösung von Pachaly und Eckert einen neuen Aufschwung erleben, mehr als nur ein Beiprodukt zu sein – und auch Nachahmer finden. Denn ein Produkt wie Recup wird in Cafés und Restaurants zur Pflicht. Das Kölner Startup Vytal setzt ebenfalls auf ein Pfandsystem. Jeder Behälter ist mit einem individuellen QR-Code versehen, der bei der Leihgabe von den Gastronomen eingescannt wird. 

Rund 12.000 Stellen gibt es mittlerweile in Deutschland, in denen Recup zum Einsatz kommt. Neben Bechern bieten Pachaly und Eckert auch noch Mehrwegschalen für die Gastronomie an. Fünf Euro Pfand legen Kunden dafür hin. Die Bowls sind bislang jedoch weniger bekannt als die Becher und noch nicht so weit verbreitet. „Die Bowls passen nicht für alle Angebote für Gastronomen. Getränke fügen sich einfacher in Becher ein als Essen in Schalen“, sagen Pachaly und Eckert. „Bei den Bowls sehen wir noch Verbesserungspotential.“ Und dennoch: Ein Recup-Becher ersetzt heute bis zu 1.000 Einwegbecher und eine Rebowl ca. 500 Einwegverpackungen.

Die Idee für ihr Startup kam Pachaly und Eckert noch zu Studienzeiten, in der Uni-Caféteria. Sie beobachteten wie Studierende sich Kaffee in Einwegbechern holten, ihn austranken und direkt wegwarfen. Da kam ihnen die Idee das altbekannte Pfandsystem von Flaschen auf Becher anzuwenden. Heute hat Recup 90 Mitarbeiter, macht Umsatz in Millionenhöhe und Gründer Florian Pachaly wurde in diesem Jahr bei den German Startup awards zum Social Entrepreneur des Jahres gewählt. Wie sie mit Recup Geld verdienen? Gastronomen zahlen dafür, um ihr System zu benutzen. „Das ist wie eine Mitgliesdschaft im Fitnessstudio“, sagen Pachaly und Eckert. „Das ist attraktiv, weil Einwegmüll teuer ist. Gastronomen können durch unser System Geld sparen.“ Die Mitgliedschaft liegt für Gastronomen bei 31 Euro im Monat. Den Rest kann man sich ausrechnen. 

Was Pachaly und Eckert anderen Gründern mitgeben, um erfolgreich zu sein? „Man braucht eine klare Vision und ein klares Ziel. Bei uns war es Einwegbecher abzuschaffen. So konnten wir einfacher Entscheidungen treffen”, sagen Pachaly und Eckert. 

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