Leadership & Karriere Karriere der Zukunft: Das M in CMO wird für Metaverse stehen

Karriere der Zukunft: Das M in CMO wird für Metaverse stehen

Willkommen im Metaverse! Den „virtuellen Parallelwelten, die uns Menschen ermöglichen, das Internet interaktiv erlebbar zu machen“. So lautet die Definition von Gustavo Salami, Gründer der Schweizer Metaverse Academy, die Interessierte zu Themen wie Metaverse, Web3 oder NFTs schult. Das Metaverse taucht zum ersten Mal 1992 im Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson auf. Die Geschichte handelt von einer Parallelwelt, in der Menschen als Avatare leben.

„Wer Metaverse-Creator:in ist, wird das Leben der Menschen bestimmen“

Gustavo Salami

Die Vorstellungen über das Metaverse bewegen sich derzeit auf einer Skala von „Sims“ bis „Black Mirror“. Firmen wie Microsoft, Epic Games und Meta bauen bereits eigene virtuelle Parallelwelten auf. Decentraland und Horizon Worlds sind prominente Beispiele. Zwar befindet sich das Metaverse noch in Anfangsstadien, doch schon jetzt zeichnet sich ab, wie es Karriere und Arbeit verändern könnte. Wer mehr erfahren möchte, trete hier ein:

Bereit für die neue Art des Arbeitens?

Vor dir liegen unzählige neue Jobchancen. Wähle jene, die am besten zu dir passt: Laut Salami wird Metaverse-Strategist einer der gefragtesten Berufe in naher Zukunft sein. Sie werden Unternehmen helfen, Marken im Metaverse zu präsentieren, um die beste Customer-Experience zu kreieren. „Branding wird neu angedacht“, sagt Salami. „Game-Design und 3D-Modellierung werden eine wichtige Rolle spielen.“ Thomas Johann Lorenz sieht eine ähnliche Tätigkeit als den Job der Zukunft: Metaverse-Creator. Er ist Co-Founder von Journee. Das Unternehmen ist eine Technologieplattform für das Metaverse. „Im Metaverse wird sich alles um Experiences drehen“, sagt er. „Eine ganz andere Art von Content muss dafür geschaffen werden. Wer Metaverse-Creator:in ist, wird das Leben der Menschen bestimmen.“

Während diese Jobs komplett neu sind und darauf abzielen, das Metaverse zu erschaffen, werden bereits bestehende Berufe fürs Metaverse neu definiert. Heißt, die Arbeit wird wie gewohnt am Laptop durchgeführt, bestimmte Meetings jedoch oder Geschäftsaktivitäten wie Golfspielen finden im Metaverse statt. Ein Unternehmen, das solch eine hybride Arbeitsweise bereits andenkt, ist laut Salami Accenture. Eine dritte Alternative sind Jobs, die ausschließlich im Metaverse stattfinden und die es im analogen Leben gar nicht gibt. Zum Beispiel Angestellte, die Menschen im Metaverse empfangen und ihnen die virtuelle Welt zeigen, oder Tourguides, die in NFT-Museen durch Ausstellungen führen.

Digitale Identität: Erstelle deinen Avatar

Bevor du dich für eine der Karriereoptionen entscheidest, solltest du wissen: Im Metaverse dreht sich alles um digitale Identität. Die ist der Schlüssel für ein erfolgreiches Berufsleben. „Es wird bei der Karrieregestaltung besonders darauf ankommen, wer du im Metaverse bist, was du dort machst und welche Ökosysteme du um dich scharst“, sagt Lorenz. Avatare lösen Linkedin-Profile als Visitenkarten ab. Wähle ihre Gestaltung weise. Entscheidend dafür ist die Art und Weise deiner Tätigkeit.

„Letztendlich legt das Unternehmen fest, mit welcher Art Avatar man sich bewerben kann“

Thomas Johann Lorenz

Erstes Szenario: Der Job erfordert viel Präsenz im analogen Leben. Dann sollte der Avatar möglichst getreu der eigenen Person und Persönlichkeit kreiert werden. Zweites Szenario: Der Job setzt ausschließlich auf die digitale Identität, und das Arbeiten findet hauptsächlich im Metaverse statt. Dann hast du die Freiheit, mit dem Avatar ein Alter Ego zu erschaffen. Denn letztendlich muss der Avatar ins Team und auf die Stellenbeschreibung passen. Du kannst dir auch mehrere Avatare für verschiedene Berufe erstellen. Außerdem stehen dir Jobs offen, für die du sonst aufgrund einer zu großen physischen Distanz in der analogen Welt nicht infrage kommen würdest. Know-how und Skills für die Jobs müssen wir uns allerdings analog beibringen, da der Avatar eine Projektion von uns in eine virtuelle Welt ist.

Neues Recruiting

Die Interaktion mit Avataren führt dazu, dass Recruitingprozesse ins Metaverse übertragen werden. Das passiert laut Lorenz bereits jetzt schon. Statt dir die Website eines Unternehmens anzuschauen, steht dir als Bewerber im Metaverse offen, das Unternehmen virtuell zu besuchen. „Vielleicht taucht auch der Gründer als Hologramm auf und erzählt dir seine Geschichte“, sagt Lorenz. „Recruiting wird durch Erlebbarkeit viel emotionaler.“ Personaler haben im Gegenzug die Möglichkeit, Bewerbungsgespräche im Metaverse in Settings zu führen, die besser passen als ein Videocall, da sie den späteren Aufgaben näher kommen.

Beispiel: PR-Consultant für ein Klamottenlabel. Da kann das Bewerbungsgespräch im Warenlager der Marke stattfinden. Zudem erhoffen sich Unternehmen laut Lorenz durch anonyme Avatare, die frei von jeglichen Identitäten sind, unvoreingenommene Recruitingprozesse. „Letztendlich legt das Unternehmen fest, mit welcher Art Avatar man sich bewerben kann“, sagt er. „Wer früher in der Kantine gut netzwerken konnte, kam karrieremäßig weiter. Heute gilt das für den, der die Spielregeln des Metaverse beherrscht.“

Passives Einkommen

Gehen wir durch eine weitere Tür, die dir im Metaverse offensteht: passives Einkommen. Im Regelfall wirst du als Avatar deinen Job selbst machen müssen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass „Metaverse-Personalities“ entstehen, wie sie Lorenz nennt. Fake-Avatare, die man einmal erstellt und die unter Umständen zu großen Persönlichkeiten werden. „Dann führen die beispielsweise durch ein Event“, sagt Lorenz. „Dafür nimmt man den Content einmal auf und spielt ihn dann nur immer wieder ab.“

Das Metaverse ist jedoch nicht dafür gedacht, dass andere für dich arbeiten. Unternehmen können sich absichern, um sicherzugehen, dass die Person den Job ausübt, die tatsächlich eingestellt wurde. Wie? Mittels Blockchain. „Firmen können dir zum Beispiel Kleidung für deinen Avatar als NFT schicken. Das kann man dann anziehen“, sagt Salami. „Wenn du das NFT anderen schickst, sehen sie das.“

Genug gehört über das Arbeiten im Metaverse? Karriereentscheidung fällt trotzdem schwer? Nicht schlimm. Komm wieder. Aber nicht zu lange warten. Das Web 3.0 wird sicher unser Arbeiten verändern. Glaubst du nicht? Vor 21 Jahren wurde noch behauptet, dass sich das Internet als Massenmedium nicht durchsetzen würde.


Dieser Text stammt aus unserer Ausgabe 5/22. Wir haben 7 Hot Takes zur Karriere von morgen, die euch Feuer geben, ohne dass der Burnout droht. Außerdem: iPod-Macher Tony Fadell über Parties mit Steve Jobs, ferngesteuerte Spermien, Lush-Seifenoper mit Gründer Mark Constantine. Hier geht es zur Bestellung – oder ihr schaut am Kiosk eures Vertrauens vorbei.

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