Leadership & Karriere Frauen im C-Level: Wir müssen vom Schneckentempo in den Turbomodus

Frauen im C-Level: Wir müssen vom Schneckentempo in den Turbomodus

Ein Gastbeitrag von Caroline Weimann, Gründerin und Co-Geschäftsführerin von JoinPolitics.

Jacinda Ardern hat mich in den letzten Jahren immer wieder beeindruckt. Zuletzt im Januar, als sie nach fünf Jahren im Amt ihren Rücktritt verkündete. Die Entscheidung der ehemaligen neuseeländischen Premierministerin verdient Respekt. Ihre Arbeit und ihre Haltung zeigen, was für starke Frauen in unserer Gesellschaft führende Rollen innehaben.

Immer wieder erlebe ich in meiner Arbeit mit Frauen in Politik und Wirtschaft, wie sehr Routinen, eine gesellschaftliche Kultur, nicht wahrnehmbare stille Regeln und Rituale so in den Alltag eingebrannt sind, dass es schwer ist, sich als Frau daraus zu befreien.

Muss es uns wundern, dass manche der männlichen Kollegen wenig Anlass sehen, dies zu ändern? Warum mehr Empathie, kollektiveres Führungsverständnis, emotionale und situative Intelligenz, die Fähigkeit, in heiterer Atmosphäre wichtige Dinge richtig zu entscheiden? 

Es ist nicht nur eine Frage von Quoten und Zahlen, sondern insbesondere auch eine Frage der Kultur und danach, wie mit dem Mythos, Frauen wollten gar nicht in Führungspositionen, aufzuräumen ist.

Es freut mich zu beobachten, dass sich die Situation langsam zu ändern beginnt und es zunehmend Teil eines modernen weiblichen Führungsstils wird, sich gegenseitig auf Augenhöhe zu begegnen, Kritik selbstkritisch anzunehmen, zu reflektieren und sich über Höhen und Tiefen der eigenen Führung auszutauschen. Um mehr Frauen in Führungspositionen zu fördern, benötigt es mehr Erfahrungsaustausch und Vernetzung untereinander.

Ohne weibliche Vorbilder und Inspiration hätte mir vielleicht der Mut gefehlt, das überparteiliche Start-Up JoinPolitics zu gründen, um mehr Talente auf ihrem Weg in die Politik zu unterstützen.

Besonders am Herzen liegt mir, engagierte Frauen zu fördern, sie zu ermutigen, ihre politischen Ideen in die Tat umzusetzen, und ja – Politik auch weiblicher zu machen. Denn es gibt so viele kompetente und motivierte Frauen, die sich für ihre Herzensthemen und gesellschaftlichen Fortschritt engagieren.

Schneckentempo statt Turbomodus       

Doch leider sind es immer noch zu wenige, die sich auf Führungsebene durchsetzen: 2021 war in Deutschland laut Statistischem Bundesamt nur knapp jede dritte Führungskraft (ca. 29 Prozent) weiblich. Noch erschreckender ist, dass sich dieser Wert seit 2012 nur um 0,6 Prozent erhöht hat. Der Weg zu mehr Female Leadership verläuft also eher im Schneckentempo als im Turbomodus.

Das ist ein großes Problem. Denn gerade in der Politik und in der Wirtschaft braucht es möglichst viele Perspektiven, um die großen Fragen unserer Zeit anzugehen und neue Impulse zu setzen. Mehr Frauen in Führungspositionen bedeutet eben auch eine höhere Sichtbarkeit und mehr weibliche Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe an der Lösung politischer und sozialer Herausforderungen.

In den Vorständen der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen lag der Frauenanteil Ende 2021 gerade einmal bei circa 15 Prozent. In der Politik wird das Thema in Anbetracht der Zahlen (nur 10 Prozent  Bürgermeisterinnen, 33 Prozent  Frauen in den Landtagen, 35 Prozent weibliche Abgeordnete im Bundestag) anders diskutiert. Da wird gerne medial von Fortschritt gesprochen.

Ich finde es aber erschreckend, dass wir im Jahr 2023 immer noch auf diesem Stand sind. Es ist eine Katastrophe, wie sehr wir auch bei diesem Thema im internationalen Vergleich hinterherhinken. Im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedstaaten liegt Deutschland bezüglich Frauen in Führungspositionen im unteren Drittel.

Keine Option, sondern Voraussetzung   

Mehr Frauen in Führungspositionen ist nicht „nice to have”, sondern eine alternativlose, zeitgemäße Voraussetzung für das Lösen heutiger und zukünftiger Herausforderungen – und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Mein Fazit: Der Stein ist ins Rollen gekommen, wenngleich noch zu oft der Eindruck entsteht, bergauf. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass er wirklich Fahrt aufnimmt.

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