Leadership & Karriere Tipps für Serendipität: So zieht man glückliche Zufälle an

Tipps für Serendipität: So zieht man glückliche Zufälle an

Wenn es um erfreuliche Zufälle geht, serendipity, wie man auf Englisch sagt, dann gibt es zwei Positionen: Die einen glauben, dass man sich nur offen dafür zeigen muss. Die anderen würden sagen: Wer sowieso schon gut dasteht, erlebt auch häufiger Serendipität.

Christian Busch hat das Phänomen zu seinem Forschungsthema gemacht und zahlreiche Lebensläufe auf Glücksfaktoren untersucht. Und das Ergebnis zeigt: Ja, Glück ist ungleich verteilt. Aber jede:r kann die eigene Quote erhöhen.

Übrigens erklärt Christian Busch in seinem neuen Buch auch das Gegenteil von Serendipität, sogenannten Zemblanität, besonders unangenehme Überraschungen. Im Interview geht es um Techniken, um auf der serendipitären Seite des Lebens zu bleiben.

Christian Busch stammt ursprünglich aus Deutschland und ist heute Professor an der New York University.

Sein Buch „Erfolgsfaktor Zufall“ ist im Murmann-Verlag erschienen.

Herr Busch, Serendipität nennt man glückliche Zufälle, wie sind Sie zu dem Thema gekommen?

Ich hatte früh im Leben eine Nahtoderfahrung. Habe verstanden, wie schnell alles vorbei sein kann. Dann habe ich mir viele Fragen gestellt. Ich wollte herausfinden, was mir Sinn gibt. Das war das Verbinden von Menschen und Ideen. Und dabei habe ich festgestellt: Die spannendsten Menschen hatten gemeinsam, dass sie die Serendipität kultivieren.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Radikale Innovationen sind oft serendipidär. Viagra, Penizillin – die entstanden aus Zufällen. Auch wenn wir auf unsere eigenen Leben schauen: Die Liebe unseres Lebens, das Zusammentreffen mit Co-Founder:innen. Jeder kann sich ja mal überlegen, welche Rolle der Zufall in entscheidenden Momenten des Lebens spielte. Und welche Rolle wir selbst dabei hatten.

Geht es um die Offenheit, Gelegenheiten beim Schlafittchen zu packen – oder mehr?

Das ist das Eine, ja: Wie kann ich mit Zufällen etwas machen? Beispiel Kartoffelwaschmaschine.

Kartoffel… Pardon?

Kartoffelwaschmaschine, ja! Haier, ein Elektrounternehmen aus China hat sie entwickelt. Die Firma bekam immer wieder Anrufe von Landwirt:innen. Die haben gesagt: „Uns geht immer die Maschine kaputt.“ Sie nutzten die Maschinen nämlich nicht fürs Waschen von Kleidern, sondern von Kartoffeln. Statt den Menschen zu erklären, dass die Maschinen nur für Textilien da sind, hat Haier einfach einen Schmutzfilter eingebaut. Dann klappte es auch mit dem Waschen von Kartoffeln.

Und das Andere, wie schafft man sich außerdem glücklich Zufälle?

Indem man die Wahrscheinlichkeit für sie erhöht. Beispiel Haken-Strategie: Wie kann ich in Gesprächen einbringen, was ich sonst so mache. Oft werden wir gefragt, was wir beruflich machen. Man sollte darauf nicht nur antworten, dass man beispielsweise Unternehmerin ist, sondern auch Klavier spielt. Und in der Freizeit gerne über Philosophie der Wissenschaft liest. Drei Bereiche, die man wichtig findet, einfließen lassen. So hat die andere Person Anknüpfungspunkte – oder Haken – für später.

Besseren Informationsfluss also. Damit Problem und Lösung zueinanderfinden.

Den Möglichkeitsraum erweitern. Nehmen wir als Beispiel meine Frau, eine absolut tolle Serendipitorin. Dabei ist sie gar nicht die optimistischste. Sondern sie will immer helfen. Kann ich zum Beispiel für jemanden ein Intro machen? So etwas öfter zu tun, das kann man lernen.

Für Sie ist Serendipität eine Lebensphilosophie, oder?

Ist sie für mich geworden. Die Frage ist: Wie schaffen wir es, das Unerwartete nicht nur als Bedrohung zu sehen. Sondern auch als Chance. Gerade in der Pandemie wurde das zur Notwendigkeit. Da gab es zum Beispiel eine Brauerei, die hat plötzlich kein Bier mehr an Restaurants verkauft. Wie verbindet man diese Punkte? Die Brauerei begann, Desinfektionsmittel herzustellen. Victor Frankl schrieb: Wir können uns die Situationen nicht aussuchen, aber unsere Reaktion darauf. Ein Mentor hat mir mal gesagt: „Christian, Menschen wie du denken immer, dass es nur einen Weg nach oben gibt. Und dann merken sie, dass sie gar nicht nach oben wollen. Frag dich lieber: Wie will ich arbeiten? Mit wem?“

Wenn glückliche Zufälle so wichtig für Erfolg sind – müssen wir aufhören, Status und Leistung abzufeieren?

Absolut. Es ist wichtig, dass wir nicht nur Hero-Stories verbreiten wie die von einem Bill Gates oder einer Oprah Winfrey. Auch Gates hat ein Intro bekommen. Bei IBM, dorthin hatten seine Eltern Kontakte. Das kann natürlich nicht jede:r nachmachen. Aber man kann die Chancen erhöhen, indem man sich überlegt, wer die zehn spannendsten Menschen in einem Bereich sind. Und denen eine Nachricht schreiben, heutzutage kann man ja von fast jedem die Kontaktdaten auf Google oder Social Media finden. Wenn du ihnen authentisch sagst, dass du Interesse an Rat hast, werden die oft sagen: Ich habe noch fünf Minuten im Kalender.

Leider wollen viele Chef:innen nur mit anderen Chef:innen reden.

Das ist die Abgrenzungshaltung. Stattdessen sollten die Unternehmen fördern, dass es mehr Austausch gibt. Wenn die Kassiererin mit dem CEO über den tollsten Film spricht, erfährt er vielleicht auch etwas über die Dinge, die sie sonst beschäftigen und welche neuen Kundenbedürfnisse es gibt. Und die würden ja sonst nicht sprechen. Solche Möglichkeiten muss man in den Alltag eines Unternehmens einbauen, damit es wieder menschlicher wird – und mehr Serendipität entstehen kann.

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