Life & Style Kolumne: Wie man Street mit Office verbindet

Kolumne: Wie man Street mit Office verbindet

Eine Kolumne von Massoud Mahgoli

Wer die Straße gut kennt, kann auch im Eckbüro davon profitieren, findet unser Kolumnist Massoud Mahgoli. Wie verbindet man Street mit Office?

Liebe Leute, vergesst den Chief Executive Officer, vergesst den Chief Happiness Officer, der wichtigste Posten in eurem Unternehmen sollte der Chief Neighbourhood Officer sein. Heißt: Leute von der Straße, die im Laufe ihres Lebens die Kurve gekratzt haben und heute seriöses Business machen.

Den treuen Lesern meiner Kolumne muss ich wohl nicht mehr erzählen, woher ich komme. Für alle anderen ein kurzes Wrap-up: Ich bin aufgewachsen in Bochum, wo sich mein Leben zwischen dem Anspruch meiner Eltern an eine ordentliche Karriere und meinen Leuten von der Straße abspielte. Heute würde ich sagen: best of both worlds.

Nicht umsonst etabliert sich der Begriff „straßenschlau“. Neben der schulischen Bildung brachten mir die Straße und Hip-Hop die wichtigsten Business-Learnings bei. Und Kids, wie ich eins war, können ein Unternehmen mit ihren Erfahrungen unfassbar bereichern.

Heute will ich ein paar Gebote, die ich während meiner Zeit als Straßenhustler lernte, in den Businesskontext einordnen. Starten wir mit zwei Lines aus „Ten Crack Commandments“ – Biggies Meisterwerk.

Notorious B.I.G. rappt darin: „Bad boys move in silence“ und „Never let ’em know your next move“. Beide Gebote zielen dabei auf ein ähnliches Learning ab. Bevor große Ankündigungen kommen, sollte man im Background schon alles erledigt haben. Lass lieber Taten für dich sprechen. Und lass niemanden deinen nächsten Move wissen, denn sonst wird dir deine Idee direkt vom Nächstbesten weggeschnappt. Auch deshalb sollte man mit großen Ankündigungen lieber hinter dem Berg halten.

Eine weitere Straßenweisheit, die ihr euch für ein erfolgreiches Business hinter die Löffel schreiben solltet: „Don’t listen to people you can’t learn from, surround yourself with those that inspire, otherwise you lost.“ Statt sich dafür zu schämen, in einer Meetingrunde weniger Ahnung vom Thema zu haben als andere, sollte man sich darüber freuen.

Wer sich immer nur mit Menschen umgibt, die auf dem gleichen Level stagnieren, wird nie wachsen können. Wer bereit ist, sich von anderen inspirieren und sich Dinge beibringen zu lassen, schafft es am Ende bis ganz an die Spitze.

Apropos Inspiration: Echte Leader inspirieren auch andere. Was man im Hip-Hop seit der Geburtsstunde lebt: Each one, teach one. Doch wichtig dabei ist: „To inspire others, don’t show them your superpowers, show them theirs.“ Wer sich vor anderen Personen immer nur als der Größte darstellt und ihnen zeigen will, wie er es selbst geschafft hat, wird maximal als Angeber wahrgenommen.

Um wirklich zu inspirieren, muss man auf sein Umfeld eingehen, ihm zeigen, wo seine Stärken liegen. Und am wichtigsten: ihre Stärken mit deinen Möglichkeiten ausbauen. Das macht den richtig guten Chef aus: das Team zum Erfolg zu bringen.

Last but not least die wohl wichtigste Lektion, die wir in unserer Zeit als kleine Bengel auf der Straße auf die harte Tour lernen mussten: Das Business ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Auch wenn das schnelle Geld verlockend klingt: Wer in ein paar Jahren nicht wieder bei null anfangen will, sollte sich einen Plan aufbauen und auf die Zeit vertrauen. Unter zu großem Zeitdruck passieren Fehler, die auf der Straße in den Knast führen und einen im seriösen Business schnell auf die Schnauze fallen lassen.

Zu schnell zu viel wollen macht leider angreifbar. Also: Keep it slow, und denk immer zweimal nach, bevor du den nächsten Business-Move angehst. Egal wie verlockend das Angebot auch erscheinen mag.

Dieser Text stammt aus unserer Ausgabe 03/23. Dieses Mal dreht sich in unserem Dossier alles um das Thema Danach. Wie geht es nach einem Fuck-Up oder Wendepunkt im Leben weiter? Außerdem haben wir mit Nationaltorhüterin Merle Frohms gesprochen und die Seriengründerin Marina Zubrod erzählt alles über ihre Hassliebe zum Unternehmertum. Viel Spaß beim Lesen! Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

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