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39 Unicorns: Deutschlands Start-up-Boom hat einen Haken

Verena Pausder vom Deutschen Startup-Verband
Foto: picture alliance/dpa | Matthias Balk Verena Pausder vom Deutschen Startup-Verband
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Die Zahl der Finanzierungsrunden insgesamt liegt laut Bericht rund ein Viertel unter dem Niveau von 2021. 89 Prozent der Gründenden fordern deshalb mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa. Pausder bringt es gegenüber dem Spiegel auf den Punkt: „Das verfügbare Kapital reicht für den Sprung an die Weltspitze nicht aus.“ Das Handelsblatt weist zusätzlich darauf hin, dass die Kooperationen von Start-ups mit etablierten Konzernen und Mittelständlern erneut rückläufig sind. Genau diese Zusammenarbeit gilt eigentlich als Brücke, über die junge Firmen Kapital, Kunden und Reputation außerhalb der Boombranchen aufbauen könnten. Fehlt sie, fehlt dem Aufschwung auf Dauer die Substanz, so die Warnung.

Gründungsrekord trotz Kapitalmangel

Parallel dazu meldet der Monitor mehr als 3.000 Neugründungen seit Jahresbeginn, so viele wie nie zuvor. Für einen möglichen Börsengang zieht es aber 62 Prozent der Start-ups in die USA, nur 27 Prozent bevorzugen Deutschland. Bei digitalen Technologien setzen 64 Prozent überwiegend oder ganz auf US-Anbieter, mangels europäischer Alternativen. Nur rund ein Drittel der rund 1.800 befragten Unternehmen bewertet Deutschland überhaupt noch als attraktiven Gründungsstandort, sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Diese sinkende Standortzufriedenheit trifft ausgerechnet auf ein Jahr mit Rekordgründungen und Rekord-Unicorns, ein Widerspruch, der zeigt, wie ungleich die Erfolge im Ökosystem verteilt sind. Immerhin punktet die Verbindung zu Hochschulen: Bei 59 Prozent der Start-ups stammt das Produkt aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, 51 Prozent werden von Forschungseinrichtungen unterstützt.

Alexander Hirschfeld, Research-Experte beim Start-up-Verband, sieht darin die wichtigste Säule des Ökosystems, kritisiert aber zugleich: „Gemessen an der Qualität der deutschen Forschungslandschaft gründen daraus aber immer noch viel zu wenige.“ Die Diskrepanz zwischen starker Forschungsbasis und schwacher Ausgründungsquote bleibt damit eine der zentralen ungelösten Fragen, die auch der Rekordboom bei Rüstung und KI nicht beantwortet.

Business Punk Check

Der Rekord bei den Unicorns ist real, aber er erzählt nur die halbe Geschichte. Drei Firmen aus Rüstung und Robotik schnappen sich Finanzierungsrunden in Milliardenhöhe, während die Gesamtzahl der Runden ein Viertel unter dem Niveau von 2021 liegt. Das ist kein breiter Boom, sondern eine Konzentration auf wenige Gewinner mit den richtigen Themen zur richtigen Zeit.

Für Gründende abseits von KI und Verteidigung bedeutet das: Die Story vom deutschen Start-up-Frühling gilt nur bedingt für sie. Wer jetzt gründet, sollte weniger auf das Gesamtklima schauen als auf die eigene Nische. Investoren wiederum stehen vor der Frage, ob sie auf die etablierten Boombranchen setzen oder das ungenutzte Potenzial der breiten Masse entdecken, die laut Verband strukturell benachteiligt bleibt.

Auf einen Blick

  • Deutschland zählt laut Deutschem Start-up Monitor aktuell 39 Unicorns, den höchsten Wert seit 2021.
  • Zwischen Januar und September flossen acht Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Start-ups, mehr als im gesamten Vorjahr.
  • Die Zahl der Finanzierungsrunden insgesamt liegt rund ein Viertel unter dem Niveau von 2021, das Kapital konzentriert sich auf Rüstungs- und KI-Firmen wie Helsing, Quantum Systems und Neura Robotics.
  • 89 Prozent der Gründenden fordern laut Umfrage mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa, während 62 Prozent für einen Börsengang die USA bevorzugen.

Quellen: Tagesschau, Handelsblatt, Spiegel, KI-unterstützt

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.