Haben Sie Daddy Issues, Jens Spahn?
Wir haben Redebedarf. Tom Kummer liefert in diesem Satire-Format deshalb die vielleicht ehrlichsten Antworten auf freche Fragen, die sich sonst keine:r zu stellen traut.Ein Interview, das nie stattgefunden hat. Aus unserem aktuellen Business Punk-Heft „It’s a match“.
Dieses fiktive Interview führte Tom Kummer für Business Punk
BUSINESS PUNK: Jens Spahn, als wir uns zuletzt trafen, fielen mir besonders Ihre Pu‑ er-Fäustlinge aus grünem Fleecematerial auf. Es war eiskalt in Berlin.
JENS SPAHN: Ich trage keine Fäustlinge. Wir standen vor dem Café Einstein und Sie erzählten, dass Sie gerade mein Buch „Von schlechten Eltern“ gelesen hätten. Da geht es auch um Vaterschaft unter Extrembedingungen. An ihr Buch erinnere ich mich. Mehr nicht. Sie waren damals noch ledig und behaupteten ständig, keine schwule Klientelpolitik machen zu wollen. Und als ich dann den Namen Friedrich Merz als Ihren Ziehvater erwähnte, erklärten Sie, dass einem im Leben viele Ersatzväter begegnen.
Was wollen Sie von mir? Mich interessiert zum Beispiel, ob Sie und Ihr Partner nachts aufwachen, wenn der kleine Georg weint? Natürlich wachen wir auf! Und der, der sich in dieser Nacht nicht um Georg kümmern soll, schläft sofort wieder ein. Ist ja nicht schlimm, oder? Nein, aber Sie verstehen, dass alles Private politisch ist. Gerade in Ihrem Fall. Ich frage mich zum Beispiel, welche Folgen das Drama der Leihmutterschaft für den kleinen Georg haben könnte. Keine. Sie haben sehr viel Geld ausgegeben. Muss ich Sie wirklich aufklären? Gerne.
Wunscheltern sind meistens hochmotiviert und das wirkt sich positiv aus. Ihnen ist aber sicher auch bekannt, dass extrem hohe Kosten das Kind im Bewusstsein der Beteiligten zu einer „Ware“ werden lassen können… Blödsinn. Vielleicht sind Sie für Ihren Ziehvater Friedrich Merz auch längst eine „Ware“. Er ist nicht mein Vater. Daddy Issues könnten Sie aber auch in Zukunft wieder einholen. Was soll das heißen? Der schreiende Georg, der wütende Friedrich, das ganze Land auf Ihren Fersen. Vielleicht brauchen Sie bald grüne Fäustlinge aus Leder.
Georg braucht starke Eltern. Nur darum geht’s. Und was für Väter braucht das Land? Väter, die auch mal gluggern können. Gluggern? Wie brütende Mutterhennen? Sie haben es erfasst! Dank weniger Testosteron. Haben Sie bestimmt nicht gewusst, oder? Bei Vätern ist sogar das Hormon, das für das Stillen notwendig ist, höher als bei kinderlosen Männern. Soll ich Ihnen noch mehr Gründe liefern? Klar. Väter spielen überraschender als Mütter. Väter erweitern die Lernchancen des Kindes. Väter fördern mehr Eigenständigkeit …Klingt gut. Aber ist dies auch die Sicht der CDU und Ihres Ziehvaters? Es ist meine Sicht und die meines Partners. Nur das zählt momentan. Jens Spahn, wir bedanken uns für dieses Gespräch.
Über Tom Kummer
Der Spiegel bezeichnete den Mitbegründer des Popjournalismus schließlich als Borderline-Journalisten: Der gefeierte Autor (zuletzt erschienenes Buch: „Freiwürfe mit einem Diktator“, 2026, Klett-Cotta, 25 €), dessen Werke für Literaturpreise nominiert waren, wurde bekannt durch seine Interviews mit Hollywoodstars, die sich später als frei erfunden herausstellten. Bei uns darf er sich nun aber regelmäßig kreativ austoben.
