Play Hard · Can Ansay

Der Mann mit dem digitalen Skalpell

Der Mann mit dem digitalen Skalpell
KI-generiert
Erschienen
Lesezeit4 Min · 762 Wörter

Dr. jur. Can Ansay legt sich mit Behörden, Gerichten und dem Gesundheitssystem an. Mit digitalen Krankschreibungen, Cannabis-Rezepten und KI-Medizin will der umstrittene Gründer die Branche aufmischen. Im Business Punk-Interview erklärt er, warum er lieber provoziert, als sich ausbremsen zu lassen.

Der umstrittene Gründer ist niemand, der still im Hintergrund agiert. Er fordert ein System heraus, das ihm zu langsam, zu bürokratisch und zu geschlossen ist.

Das Interview führte André Patrzek

Kritiker:innen werfen dem Telemediziner Grenzüberschreitung und fragwürdige Geschäftsmodelle vor, seine Unterstützer:innen sehen in ihm hingegen einen radikalen Modernisierer. Dr. Can Ansay gründete Plattformen, die digitale Krankschreibungen und die unkomplizierte Online-Verschreibung von medizinischem Cannabis per Fragebogen vertreiben. Konzepte, die polarisieren und sich oft in rechtlichen Grauzonen bewegen … BUSINESS PUNK: Can, du bist Jurist, giltst als Unternehmer, Aktivist und Influencer.

Business Punk: Wie siehst du dich selbst?

Dr. jur. Can Ansay:

Ganz klar als Unternehmer. Schon als Jurist wollte ich gestalten, nicht verwalten: Ich mache lieber, als mich zu beschweren. Und als Unternehmer kann ich genau das am besten: meine Kreativität nutzen, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Dinge zu schaffen, die es vorher nicht gab.

Business Punk: Was treibt dich an?

Dr. jur. Can Ansay:

Die Gesundheitsversorgung muss schneller, besser und günstiger werden. Innovative Produkte haben selten passende Regeln, müssen aber immer legitim sein – die Regeln folgen dann gegebenenfalls. Rebellion ohne die Frage „Warum?“ ist pubertär. Die Motivation, das Warum, ergibt sich bei mir aus den Patient:innen.

Business Punk: Warum eckst du so stark an?

Dr. jur. Can Ansay:

Das ist der übliche Zyklus bei Innovationen: Erst sind Kritiker:innen überrascht, dass sich große Probleme so einfach lösen lassen, später werden die Lösungen übernommen. In Deutschland kommen aus meiner Sicht noch Skepsis gegenüber Neuem und eine ausgeprägte Meckerkultur hinzu. Das deutsche Gesundheitssystem tut sich mit Veränderung extrem schwer, da viele Akteur:innen von den bestehenden Strukturen und ihrer Ineffizienz profitieren. Wer diese Strukturen also infrage stellt, eckt zwangsläufig an.

Business Punk: Du kämpfst mit Kammern, Behörden, Kritiker:innen und Widersacher:innen an vielen Fronten. Fühlst du dich manchmal ungerecht behandelt?

Dr. jur. Can Ansay:

Ja, insbesondere wenn sogar Gerichte das Märchen verbreiten, Patient:innen würden per se in der Arztpraxis besser behandelt als online mit digitalen Entscheidungshilfen, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Manche Institutionen sind so an den Stillstand gewöhnt, dass sie Bewegung schon für einen Angriff halten.

Business Punk: Was war dein wichtigster Sieg – und was deine größte Niederlage?

Dr. jur. Can Ansay:

Der wichtigste Sieg ist keine Schlagzeile: dass die digitale Krankschreibung zur Selbstverständlichkeit wurde. Wenn etwas so normal wird, hast du etwas bewirkt. Die klarste Niederlage: Ich wollte in den Bundestag und bin beim ersten Anlauf gescheitert. Kein Drama, denn ich habe gelernt, worauf es ankommt und wie es beim nächsten Mal klappen kann.

Business Punk: Wie viel Regulierung verträgt echte Innovation?

Dr. jur. Can Ansay:

Innovation braucht sachdienliche Leitplanken, keine sinnlosen Straßensperren. Bei echten Innovationen gibt es oft noch keine Rechtslage, das ist Neuland. Gerade im Gesundheitswesen müssen neue Angebote von Anfang an medizinisch, rechtlich und ethisch sauber gedacht sein. Für mich gilt: Ein Service muss legitim sein, gut für Patient:innen. Und ich lobe gute Regulierung: Die Stärkung der Vor-OrtApotheken mit assistierter Telemedizin, Folgerezepten und Schnelltests, das ist eine kleine Revolution. Der Wille und die Gesetze sind da. Es scheitert, wie so oft, nur an der Umsetzung.

Business Punk: Welche KI-Projekte treibst du aktuell voran?

Dr. jur. Can Ansay:

Aktuell treiben wir vor allem unseren AIArzt-Chatbot für Zweitmeinungen voran, bald auch für Psychotherapie. Dazu kommen KI-Assistenzsysteme, die ärztliche Arbeit unterstützen und die Patient:innensicherheit verbessern. Bei unserer Cannabis-Versorgungsplattform nutzen wir beispielsweise einen von Mediziner:innen entwickelten Fragebogen, der Risiken erkennt und die Suchtgefahr einschätzt.

Business Punk: Wenn du Gesundheitsminister für einen Tag wärst: Was würdest du sofort tun?

Dr. jur. Can Ansay:

Ich würde sofort Psilocybin, also den Wirkstoff aus Zauberpilzen, als normales verschreibungspflichtiges Arzneimittel klassifizieren. Und Abschaffen würde ich Regeln und Vorgaben, die keinen erkennbaren Nutzen für eine bessere oder sicherere Versorgung haben.

Bild: Dr. jur. Can Ansay ist ein Pionier in Sachen Telemedizin und er hat eine Mission: die Gesundheitsversorgung radikal einfach, gut und günstig machen – mithilfe klarer medizinischer Standards.

Diesen Artikel und weitere spannende Themen gibt’s in unserem aktuellen Heft It’s a match“ 3/2026 unter https://www.business-punk.com/ausgabe/

Portrait André Patrzek

André Patrzek

Hat von Bratwürsten über Turnschuhe bis Porsches schon (fast) alles verkauft – und dabei eine klare Passion: nachhaltiges Unternehmenswachstum und den Aufbau starker Love Brands. André ist Unternehmer, Business Angel und strategischer Wingman für Unternehmen auf Wachstumskurs. In diesen Rollen steckt er hinter über 30 Unternehmen – mal als Investor, mal als CMO, mal als Beirat mit Weitblick und einer Vorliebe für klaren Kurs. Seine Spezialität: Marken und Modelle, die digital denken, datengetrieben handeln und ihre Zielgruppe wirklich verstehen. Mit der Black Flag Agency liefert er hands-on Unterstützung für skalierbares Wachstum und nachhaltige Brand-Building-Prozesse.