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Unsichtbare Behinderung: 384 Euro bleiben einfach liegen, weil man es nicht weiß

Jede vierte Person in Deutschland lebt mit Behinderung oder chronischer Krankheit, oft unerkannt.
Unsplash/Meg Aghamyan Jede vierte Person in Deutschland lebt mit Behinderung oder chronischer Krankheit, oft unerkannt.
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Jede vierte Person in Deutschland lebt mit Behinderung oder chronischer Krankheit, oft unerkannt. Der Grad der Behinderung bringt Steuervorteile und Kündigungsschutz, viele beantragen ihn nie.

Diabetes, Migräne, Depression, Endometriose: Keine dieser Diagnosen sieht man jemandem an und genau deshalb verschenken Betroffene bares Geld. Wer einen Grad der Behinderung von 20 anerkennen lässt, bekommt einen Steuerfreibetrag von 384 Euro. Das Problem ist, dass die meisten Menschen mit unsichtbarer Erkrankung gar nicht wissen, dass dieser Antrag für sie offensteht. Das deutsche Sozialgesetzbuch definiert Behinderung nüchtern: Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die die Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können, berichtet Rtl. Eine Erkrankung muss also nicht sichtbar sein, um rechtlich als Behinderung zu zählen.

Entscheidend ist allein die Dauer und das Ausmaß der Einschränkung. Das Spektrum, das darunter fällt, ist laut Rtl groß und reicht von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Morbus Crohn über Sinnesbehinderungen und psychische Erkrankungen wie Zwangsstörungen bis zu neurologischen Leiden wie Multiple Sklerose und Epilepsie. Auch chronische Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Schmerzerkrankungen wie schwere Migräne und gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose können einen Grad der Behinderung begründen. Welche Diagnose tatsächlich anerkannt wird, hängt immer von der individuellen Krankengeschichte ab, eine pauschale Zusage gibt es nicht.

Wenn der Alltag zur Maske wird

Multiple Sklerose, Long Covid, chronische Schmerzen, Angststörungen: All das gehört laut Aok zu den unsichtbaren Behinderungen, bei denen Mobilität oder Energielevel sinken, ohne dass Außenstehende etwas bemerken. Besonders tückisch wird es, wenn Symptome schwanken. Jemand nutzt heute einen Rollstuhl und läuft morgen wieder, eine Person arbeitet an einem Tag normal und schafft am nächsten kaum ihre Aufgaben.

Diese Unberechenbarkeit sorgt für Misstrauen im Umfeld, bis hin zum Vorwurf der Simulation. Aktion Mensch beschreibt, wie Betroffene versuchen, möglichst nicht aufzufallen, etwa indem sie eine komplette Arbeitswoche ohne Fehltage durchziehen. Das kostet Kraft, die im Rest des Lebens fehlt. Während ein Behindertenausweis, reservierte Sitzplätze oder barrierefreie Parkplätze für sichtbare Einschränkungen längst selbstverständlich geworden sind, bleibt für unsichtbare Behinderungen oft nur das eigene Erklären, immer wieder, gegenüber Kollegen, Vorgesetzten oder Fremden im Alltag. Diese ständige Rechtfertigung ist eine zusätzliche Belastung, die Menschen mit sichtbarer Behinderung in dieser Form meist nicht kennen.

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