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Mercedes-Krise: Trotz „Ola raus“-Rufen setzt Källenius auf den Baukasten-Befreiungsschlag

Mercedes will die Fertigung optimieren.
Unsplash Mercedes will die Fertigung optimieren.
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Sinkende Gewinne, sinkender Absatz, wütende Belegschaft: Mercedes-Benz steckt tief in der Krise. Ola Källenius‘ Rettungsplan entscheidet, ob der Konzern Weltmarke bleibt.

„Ihr seid viel zu teuer“, rief ein Mann in roter Jacke Mitte September vor den Toren des Mercedes-Werks in Untertürkheim in die Menge, Buh-Rufe antworteten ihm. Der Mann war Michael Häberle, Betriebsratschef im Komponentenwerk und Aufsichtsrat des Konzerns, wie das Handelsblatt schildert.

Er gab während eines IG-Metall-Protesttags sinngemäß wieder, was Teile der Belegschaft empfinden: Wut auf ein Management, das in der zwölften Etage des Stuttgarter Hochhauses sitzt. Dort arbeitet Konzernchef Ola Källenius, der sich inzwischen Rufen wie „Ola raus“ ausgesetzt sieht. Die Zahlen hinter der Wut sind eindeutig und sie zwingen Källenius zu einem Plan, der über die Zukunft des Konzerns entscheiden könnte.

Zahlen zeigen den Absturz

Im zweiten Quartal erzielte die Autosparte laut Handelsblatt nur noch 0,2 Prozent Umsatzrendite, ein Wert, der für einen Premiumhersteller alarmierend niedrig ist. Von Januar bis September sank der Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 1,24 Millionen Pkw.

Beide Kennzahlen zusammen ergeben eine Abwärtsspirale, die das Handelsblatt als eine der schwersten Krisen der Unternehmensgeschichte beschreibt. Gleichzeitig soll die Belegschaft für gleiches Geld mehr arbeiten, was den Unmut zusätzlich befeuert. Die Kombination aus schrumpfenden Margen und schrumpfendem Absatz lässt wenig Spielraum für kosmetische Korrekturen. Källenius braucht einen Plan, der strukturell wirkt, nicht nur kommunikativ beruhigt.

Der Baukasten als Hoffnung

Kern des Rettungsplans ist laut Handelsblatt das Baukastenprinzip: Künftige Modelle sollen aus Modulen für Front, Heck, Seiten und Boden entstehen, die je nach Fahrzeugtyp unterschiedlich groß ausfallen. Bisher setzt Mercedes auf fünf verschiedene Plattformen, künftig sollen es deutlich weniger werden. Das Prinzip klingt simpel, ist aber technisch komplex und folgt einem Weg, den Tesla und chinesische Hersteller bereits vorgemacht haben.

Genau darin liegt die Brisanz: Mercedes, einst Taktgeber der Branche, orientiert sich nun an Wettbewerbern, die mit schlankeren Strukturen günstiger und schneller produzieren. Ob die Modulstrategie die Kostenlücke zu Tesla und chinesischen Herstellern wirklich schließt, bleibt eine offene Frage, die der Markt erst in den kommenden Modellgenerationen beantworten wird.

Belegschaft gegen Sparkurs

Parallel zur technischen Neuausrichtung greift Källenius zu harten Einschnitten. Mehrere Tausend Leiharbeiter sollen laut Handelsblatt den Konzern verlassen, Teile der Produktion sollen ins Ausland verlagert werden. Für die Belegschaft bedeutet das eine doppelte Belastung: mehr Arbeit bei gleichem Lohn und gleichzeitig Stellenabbau in den deutschen Werken.

Der Protest in Untertürkheim war damit der Ausdruck einer Belegschaft, die sich als Verliererin einer Transformation sieht, deren Nutzen für sie selbst unklar bleibt. Der Betriebsrat sitzt im Aufsichtsrat und hat damit Einfluss auf die Umsetzung, was den Spielraum des Managements für radikale Schnitte begrenzt.

Business Punk Check

Die Faktenlage ist eindeutig: Rendite und Absatz brechen ein, die Belegschaft begehrt auf und Källenius antwortet mit Stellenabbau, Verlagerung und einer radikalen Plattformreduktion nach dem Vorbild von Tesla und chinesischen Herstellern.

Das ist ein struktureller Umbau, der Jahre dauert und dessen Erfolg sich erst an künftigen Modellgenerationen zeigen wird. Offen bleibt, ob Mercedes mit dem Baukastenprinzip tatsächlich zur Kostenstruktur der Konkurrenz aufschließt oder ob die Belegschaft den Umbau politisch ausbremst, bevor er technisch greift. Zwischen Protest vor dem Werkstor und Vorstandsetage entscheidet sich, ob Mercedes Weltmarke bleibt oder zur Regionalmarke schrumpft.

Auf einen Blick

  • Die Umsatzrendite der Mercedes-Autosparte lag im zweiten Quartal bei nur 0,2 Prozent, der Absatz sank von Januar bis September um sieben Prozent auf 1,24 Millionen Pkw.
  • Konzernchef Ola Källenius plant den Abbau mehrerer Tausend Leiharbeiter sowie die Verlagerung von Produktionsteilen ins Ausland.
  • Mit einem Baukastenprinzip aus Front-, Heck-, Seiten- und Bodenmodulen will Mercedes von fünf auf weniger Plattformen umstellen, orientiert an Tesla und chinesischen Herstellern.
  • Die Belegschaft protestierte im September vor den Werkstoren in Untertürkheim gegen Sparkurs und Mehrarbeit bei gleichem Lohn.

Quellen: Handelsblatt, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelt er mit seinem Team maßgeschneiderte Content-as-a-Serive-Lösungen und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.