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Playmobil-Werk wird KI-Rechenzentrum: Serverpark statt Spielfiguren

Playmobil-Werk wird zur KI-Baustelle
Unsplash Playmobil-Werk wird zur KI-Baustelle
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Dietenhofen produzierte bis Sommer Spielfiguren, jetzt entsteht dort ein 100-Megawatt-Rechenzentrum. Die Horst Brandstätter Group tauscht Spielzeug gegen Rechenleistung, 350 Jobs gingen zuvor verloren.

In Dietenhofen bei Nürnberg stand bis Ende Juni das letzte deutsche Playmobil-Werk. Jetzt baut die Konzernmutter Horst Brandstätter Group auf demselben Gelände einen Rechen-Campus mit einer geplanten Leistung von 100 Megawatt, der laut t3n darüber hinaus noch Erweiterungspotenzial haben soll.

Wo jahrzehntelang Spielfiguren vom Band liefen, sollen künftig Server für KI-Anwendungen laufen. Der Rollenwechsel vom Spielzeughersteller zum Infrastrukturanbieter ist auch deshalb bemerkenswert, weil er mitten in eine wirtschaftlich schwierige Phase der Marke fällt.

Vom Fließband zum Serverraum

Die Produktion in Dietenhofen wurde komplett ins Ausland verlagert, 350 Mitarbeitende verloren demnach dadurch ihren Arbeitsplatz. Statt das Werksgelände zu verkaufen oder brachliegen zu lassen, entschied sich die Horst Brandstätter Group für eine neue Nutzung: Unter der neuen Sparte Playmobil digital soll dort künftig Rechenleistung vermietet werden. Das Unternehmen selbst übernimmt dabei nur Standort und Infrastruktur, die eigentlichen Anwendungen sollen Partnerunternehmen in Eigenregie betreiben.

Das Angebot reicht laut beiden Quellen von reinen Flächen mit Netzanbindung bis zu fertiger Rechenleistung. Verantwortlich für Bau und Betrieb ist ein Team mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Rechenzentrumsgeschäft, wie t3n berichtet. Dass ein Spielwarenkonzern ein solches Spezialteam engagiert, statt den Campus selbst zu planen, zeigt, wie sehr Rechenzentrumsbau inzwischen eigenes Fachwissen jenseits des Kerngeschäfts erfordert. Brandstätter tritt hier nicht als Technologieanbieter auf, sondern als Vermieter von Fläche, Anschluss und Betriebskompetenz, die extern eingekauft wird.

Warum Dietenhofen sich eignet

Der Standort bringt eine Besonderheit mit, die ihn für Rechenzentren attraktiv macht: eine bestehende Anbindung an eine 110-Kilovolt-Leitung. Der Netzbetreiber N-ERGIE aus Nürnberg hat demnach bereits die nötigen Netzkapazitäten zugesichert. Das ist keine Nebensächlichkeit, denn Stromanbindung ist für Hochleistungsrechenzentren oft der limitierende Faktor, nicht die verfügbare Fläche oder das Baurecht.

Die Verfügbarkeit hat allerdings auch Folgen für Wettbewerber in der Region: Eine geplante Anthropic-Einrichtung im nahen Hirschneuses soll demnach deshalb derzeit nicht über ausreichende Netzkapazität verfügen. Das deutet darauf hin, dass regionale Stromnetze bereits an Kapazitätsgrenzen stoßen, sobald mehrere Rechenzentrumsprojekte um dieselbe Leitung konkurrieren. Brandstätter-Vorstand Matthias Fauser erklärte laut t3n: „Wo über Jahrzehnte Playmobil produziert wurde, wollen wir künftig eine der wichtigsten Infrastrukturen der digitalen Zukunft ermöglichen.“.

Ein Spielzeugkonzern wird Infrastruktur-Player

Dass ausgerechnet ein traditioneller Spielwarenhersteller in den Rechenzentrumsmarkt einsteigt, zeigt, wie sehr der Boom bei KI-Infrastruktur mittlerweile auch fachfremde Unternehmen mit passenden Grundstücken anzieht. Brandstätter bringt kein Tech-Know-how mit, sondern Fläche, Netzanschluss und ein erfahrenes externes Betreiberteam. Die eigentliche Wertschöpfung, also die KI-Anwendungen selbst, überlässt der Konzern den Partnern.

Für Playmobil als Marke ändert sich dadurch wenig, die wirtschaftlichen Probleme der Spielzeugsparte bleiben laut beiden Quellen bestehen. Für die Konzernmutter eröffnet der Campus aber ein zweites Standbein in einem wachsenden Markt, fernab vom klassischen Spielzeuggeschäft. Playmobil digital firmiert dabei als eigenständiger Unternehmenszweig, getrennt von der angeschlagenen Spielzeugsparte, was auch wirtschaftlich eine klare Trennlinie zwischen beiden Geschäftsfeldern zieht.

Business Punk Check

Der Konflikt ist handfest: 350 Jobs in der Spielzeugproduktion fielen weg, während auf demselben Gelände eine neue, kapitalintensive Infrastruktur für KI entsteht. Das ist kein Imagewandel, sondern eine knallharte Standortverwertung, bei der die alte Belegschaft nicht automatisch zu den Profiteuren der neuen Nutzung gehört.

Offen bleibt, wie viele Arbeitsplätze der Rechenzentrumsbetrieb am Ende tatsächlich schafft und ob die Netzkapazitäten, die jetzt Dietenhofen zugutekommen, anderen regionalen Projekten wie dem Anthropic-Vorhaben dauerhaft fehlen werden. Playmobil liefert damit ein Lehrstück dafür, wie stark Energieanbindung inzwischen über Standortentscheidungen der KI-Industrie entscheidet.

Auf einen Blick

  • Die Horst Brandstätter Group baut ihr ehemaliges Playmobil-Werk in Dietenhofen zu einem Rechenzentrum mit 100 Megawatt Leistung um.
  • Die Spielzeugproduktion wurde zuvor ins Ausland verlagert, wodurch 350 Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz verloren.
  • Der Standort verfügt bereits über eine 110-Kilovolt-Netzanbindung, deren Kapazität der Netzbetreiber N-ERGIE zugesichert hat.
  • Die neue Sparte Playmobil digital stellt nur Infrastruktur bereit, die KI-Anwendungen sollen Partnerunternehmen eigenständig betreiben.

Quellen: T3N, Trendingtopics, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelte er mit seinem Team den VIPS – Value & Impact Publishing Service und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.