let's techle it

Brennpunk Chicago: Wie Nachbarn gegen Lieferroboter zurückschlagen

Umgekippter Lieferroboter am gelben Bordstein
BP | KI-generiert mit ChatGPT Umgekippter Lieferroboter am gelben Bordstein
Erschienen
Lesezeit3 Min · 662 Wörter

Von Klagen wegen biometrischer Daten bis zu umgestürzten Robotern in Chicago: Der Unmut gegen autonome Lieferflotten in den USA eskaliert, während Betreiber auf hunderttausende Einheiten expandieren wollen.

Drei Männer stießen in Sacramento einen Lieferroboter um und schleuderten ihn auf den Gehweg, gefilmt für ein Video, das anschließend online kursierte. Es ist nur einer von mehreren dokumentierten Vorfällen, die laut Inquirer in Los Angeles, Miami und Philadelphia registriert wurden: In Los Angeles schlug eine Gruppe auf einen Roboter ein, in Miami sollte einer von einer Brücke geworfen werden.

Rund 5.000 autonome Lieferroboter sind derzeit in US-Städten unterwegs, um Pakete, Essen oder Medikamente auszuliefern, wie t3n berichtet. Die Betreiber planen eine Ausweitung auf bis zu 500.000 Einheiten. Zwischen diesem Expansionskurs und wachsendem Widerstand aus der Nachbarschaft entsteht ein Konflikt, der sich längst nicht mehr auf Einzelfälle beschränkt.

Chicago wird zum Brennpunkt

In Chicago häufen sich sowohl Sachschäden als auch juristische Auseinandersetzungen. Im März 2026 fuhr ein Serve-Roboter durch die Glasscheibe eines Bushäuschens in West Town, kurz darauf beschädigte ein Coco-Roboter eine Haltestelle in Old Town, wie recherchierte Berichte zeigen. Die Unternehmen übernahmen demnach die Reparaturkosten.

Laut einem Bericht der Chicago Tribune sollten im Dezember drei Serve-Roboter umgekippt werden, ein Coco-Roboter wurde entwendet und in einem Kanal entsorgt. Parallel sammelte eine Petition aus Lincoln Park bis zum 27. März mehr als 4.000 Unterschriften; ihr Initiator erhielt über 950 Meldungen zu Vorfällen über ein eigenes Formular. Im ersten Ward Chicagos sprachen sich 83,7 Prozent der Befragten gegen eine Ausweitung aus, woraufhin der zuständige Alderperson den weiteren Rollout stoppte.

Klagen um biometrische Daten

Neben Vandalismus sorgen inzwischen auch Gerichtsverfahren für Druck. Zwei Personen haben laut t3n in getrennten Klagen den Anbietern Coco Robotics und Serve Robotics vorgeworfen, ihre biometrischen Daten ohne Zustimmung erfasst zu haben. Die mit Kamera und Lidar ausgerüsteten Roboter sollen bei der Übergabe Hände und Gesichter der Betroffenen gescannt haben, obwohl keine Lieferung per Roboter gewünscht war.

Beide Kläger werfen den Unternehmen zudem vor, Daten an Dritte wie OpenAI weiterverkauft oder selbst für KI-Training genutzt zu haben. Pro nachgewiesenem Verstoß gegen die strengen Datenschutzgesetze von Illinois fordern sie zwischen 1.000 und 5.000 Dollar Schadenersatz. Serve erklärte gegenüber AP News, die Systeme seien nicht auf Personenidentifikation ausgelegt; Coco versichert, in Chicago keine biometrischen Daten gesammelt zu haben.

Anwohner fordern mehr Daten

Hinter den konkreten Vorfällen steht ein breiterer Unmut über den Alltag mit den Robotern. Anwohner beklagen, dass die Geräte Gehwege blockieren oder Fußgänger zum Ausweichen zwingen, was besonders für Menschen mit Behinderungen problematisch ist. Hinzu kommen Sorgen über Überwachung und den Verlust von Lieferjobs.

In zwei kleinen Gebieten Chicagos sind die Roboter laut BBC inzwischen untersagt. Das Robotereinsatzprogramm der Stadt läuft bereits seit 2022, Kritiker fordern jedoch weiterhin Sicherheits- und Zugänglichkeitsdaten, bevor die Flotten weiter wachsen.

Business Punk Check

Der Konflikt ist real belegt: Sachbeschädigung, Petitionen mit Tausenden Unterschriften und Klagen wegen biometrischer Daten stehen einem Expansionsziel von 500.000 Robotern gegenüber. Die Betreiber bestreiten die Vorwürfe zur Gesichtserkennung, räumen aber ein, Kameras und Sensoren zur Navigation einzusetzen, was die Grenze zwischen Sicherheit und Überwachung in der öffentlichen Debatte verwischt.

Offen bleibt, ob Städte wie Chicago mit lokalen Verboten einzelner Bezirke eine wirksame Blaupause liefern oder ob der Widerstand nur die Ausweitung verzögert. Für Investoren und Stadtplaner entscheidet sich hier, ob autonome Lieferflotten ein akzeptiertes Stadtbild werden oder ein Dauerkonflikt bleiben.

Auf einen Blick

  • In mehreren US-Städten wie Los Angeles, Miami und Sacramento wurden Lieferroboter mutwillig beschädigt oder umgestürzt.
  • In Chicago haben zwei Personen Coco Robotics und Serve Robotics wegen angeblich unerlaubter Erfassung biometrischer Daten verklagt.
  • Eine Petition aus Lincoln Park sammelte bis Ende März über 4.000 Unterschriften gegen die Ausweitung der Roboterflotten.
  • Im ersten Ward Chicagos sprachen sich 83,7 Prozent der Befragten gegen eine Ausweitung aus, der Rollout wurde dort gestoppt.

Quellen: T3N, Chicago, Inquirer, Bbc, KI-unterstützt

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelte er mit seinem Team den VIPS – Value & Impact Publishing Service und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.