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Aiwanger (†55) ist tot: Bayerns Politik verliert ihren Querkopf

Hubert Aiwanger war bayrischer Vize-Ministerpräsident
BP | KI-generiert mit ChatGPT Hubert Aiwanger war bayrischer Vize-Ministerpräsident
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Hubert Aiwanger ist mit 55 Jahren gestorben. Er war umstritten, laut und unbequem, und er hat Bayerns Politik bewegt wie wenige andere.

Über Hubert Aiwanger hatte jeder eine Meinung. Das ist in der Politik seltener, als es klingt. Am Mittwoch, 4. November 2026, wurde der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident tot in einem Berliner Hotelzimmer gefunden. Die Todesursache ist nach den vorliegenden Berichten nicht offiziell bestätigt. Was folgt, ist ein Nachruf ohne Weihrauch und ohne Abrechnung: ein Blick darauf, was Politik verliert, wenn ein Profil verschwindet.

Vom Bauernsohn zum Vize-Regierungschef

Geboren am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach in Niederbayern, aufgewachsen in einer Bauernfamilie, Abschluss als Agraringenieur an der Hochschule Weihenstephan. Ein Weg abseits der großen Parteiapparate. 2002 trat Aiwanger den Freien Wählern bei, 2006 wurde er mit 340 zu 322 Stimmen Landesvorsitzender, 2010 Bundesvorsitzender. 2008 zog die Partei mit 10,8 Prozent in den Landtag ein. Seit dem 12. November 2018 war er Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident in einer Koalition mit der CSU.

Die Zahl, die ihn begleitete

Bei der Landtagswahl 2023 holten die Freien Wähler 15,8 Prozent, bis dahin ihr bestes Ergebnis in Bayern. Der große Sprung nach Berlin gelang dagegen nie: Den Einzug in den Bundestag, sein erklärtes Ziel, erreichte seine Partei unter seiner Führung nicht. Beides gehört zur Bilanz. Die Partei sei laut ZDFheute personell ganz auf ihn zugeschnitten gewesen.

Streitbar, ohne Frage

Aiwanger war ein kämpferischer, populistischer Redner mit starkem Rückhalt auf dem Land, beschreibt ihn ZDFheute. Das trug ihn weit und brachte ihm Gegner. Den Tiefpunkt seiner Laufbahn erlebte er im August 2023: Die Süddeutsche Zeitung berichtete über ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Schulzeit. Aiwanger gab zu, Exemplare in der Schultasche gehabt zu haben, bestritt aber, es verfasst zu haben. Sein Bruder übernahm später die Verantwortung.

Ministerpräsident Markus Söder legte ihm 25 Fragen vor, die Antworten ließen vieles offen. Was davon wahr war, sei nie vollständig geklärt worden. Söder hielt an ihm fest, Aiwanger entschuldigte sich, trat nicht zurück. Ob Wähler:innen ihm glaubten oder ihn trotzdem wählten, lässt sich aus der Zahl vom Wahltag nicht ablesen.

Was er bewegt hat

Dass Politik ohne Konflikt nichts bewegt, ist ein bequemer Satz. Bei Aiwanger und seiner Partei lässt er sich belegen. Die Freien Wähler setzten per Volksbegehren die Abschaffung der Studiengebühren durch, die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium und die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge zum 1. Januar 2018, so die Parteigeschichte. Im Frühjahr 2026 gewannen sie bei den Kommunalwahlen Landratsposten von der CSU. Das ist die Bilanz einer Partei, deren Gesicht er war. Wer sie ihm allein zuschreibt, übertreibt. Wer sie ihm abspricht, ebenfalls.

Warum so ein Profil fehlt

Aus Sicht der Parteien über Lagergrenzen hinweg ist der Verlust real. Söder nannte den Tod nach Angaben des Tagesspiegel „eine absolute Tragödie“, Landtagspräsidentin Ilse Aigner sprach von einem großen Verlust für die bayerische Politik. Cem Özdemir, grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg, würdigte ihn als kämpferischen Politiker mit Ecken und Kanten.

Meine These und Einordnung

Man muss Aiwangers Positionen nicht teilen, um zu sehen, was fehlt. Politik hat nur noch wenige Menschen mit Profil. Aiwanger war, wenn man so will, der Business Punk der bayerischen Landespolitik: nicht glattgeschliffen, nicht anschlussfähig für jeden, nicht berechenbar. Aiwanger hat gezeigt, wie weit das trägt, aber auch wie hart die Klippen daneben sind.

In jedem Fall verliert die Politik eine klare Kante, an der man sich reiben und stoßen konnte, die aber vor allem die Sprache des Volkes sprach und so auf ihre Art und Weise, trotz Krisen und Skandalen, immer seine Akzeptanz wiederfand.

Quellen: ZDFheute, Tagesspiegel

Portrait Uli Weißgerber

Uli Weißgerber

Seit über 25 Jahren verbindet er Medien, Marketing und Technologie. Von Sport1.de über ProSiebenSat.1 und Bertelsmann bis zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Mit getperformance revolutionierte er das TV-Tracking und brachte Marken wie Trivago ins Fernsehen. Als Unternehmer entwickelte er mit seinem Team den VIPS – Value & Impact Publishing Service und bespielt damit unter anderem digitale Plattformen wie Promipool, Buzzfeed.de und Business-Punk.com.