Selenskyj bei Böhmermann: Wer Aufmerksamkeit braucht, geht dahin, wo gelacht wird
Ein Präsident im Krieg wählt als Bühne ausgerechnet die Satiresendung. Das ist Zielgruppenlogik. Was dahintersteckt.
Er war Komiker, heute führt er einen Krieg, und nun sitzt er bei einem Satiriker. Wolodymyr Selenskyj hat Jan Böhmermann für das „ZDF Magazin Royale“ ein Interview gegeben, laut DWDL sein erstes seit den US-Zwischenwahlen. Wer 34 Minuten bei einem Satiriker bekommt, hat eine Bühne, die kein Pressetermin bietet.
Wenn das Publikum müde wird, muss die Bühne wechseln
Selenskyj braucht Unterstützung und die Stimmung in Deutschland kippt. Die Berliner Zeitung nennt zwei Umfragen: Im ZDF-Politbarometer wünschten im Oktober nur noch 30 Prozent mehr Militärhilfe durch europäische Staaten, nach 43 Prozent im Februar. Im ARD-DeutschlandTrend fanden im September 42 Prozent, die deutschen Waffenlieferungen gingen zu weit, ein Rekordwert seit Kriegsbeginn. Zugleich ist Deutschland laut Berliner Zeitung seit dem Rückzug der USA der wichtigste Unterstützer der Ukraine. Wer Zustimmung verliert, sollte sie nicht nur dort suchen, wo man ihm ohnehin zuhört.
„Danke für Starlink, aber seine Haltung gefällt uns nicht“
Der Teil, der interessieren sollte, ist der über Musk. Selenskyj bedankt sich laut ZDFheute bei SpaceX für die Starlink-Verbindung, die zu Kriegsbeginn sehr geholfen habe. Dann sagt er: „Natürlich gefällt uns seine Haltung zu diesem Krieg nicht.“ Der Tagesspiegel ordnet ein: Musk fordere seit Längerem ein sofortiges Kriegsende, außerdem sei im Gespräch die mutmaßliche, vorübergehende Drosselung von Starlink und Starshield Thema gewesen. Dass sie stattfand, ist damit nicht belegt. Ein Land, das auf die Infrastruktur eines Unternehmens angewiesen ist, muss mit der Meinung des Eigentümers leben und Dankbarkeit ist keine Vertragsklausel.
Hoffnung nach der Wahl, aber noch keine Summe
Zu den US-Zwischenwahlen sagt Selenskyj laut ZDFheute, er sei auch den Republikanern dankbar, aber „die Demokraten sprechen sehr klar von einer Unterstützung der Ukraine“. Er hofft auf eine erneuerte Verbindung zwischen den USA und Europa und ein „würdevolles Ende“ des Krieges. Eine konkrete Summe nennt er laut eXXpress nicht. Im Kern ist das eine Hoffnung, kein Beschluss. Gespräche über ein mögliches Kriegsende sind laut Berliner Zeitung für den 10. und 11. November in Abu Dhabi geplant.
Business Punk Check
Selenskyj behandelt Aufmerksamkeit wie Kapital: Er investiert dort, wo sie knapp geworden ist, auch wenn der Ort nicht nach Staatsakt aussieht. Der frühere Komiker kennt die Bühne, die er braucht und wählt sie bewusst.
Quellen: DWDL, ZDF-Pressemitteilung, ZDFheute, Berliner Zeitung, Tagesspiegel, eXXpress, KI-unterstützt