Work Hard · Glücksspiel

Freizeit-Freiheit: Wer bestimmt, was Spaß machen darf?

Freizeit-Freiheit: Wer bestimmt, was Spaß machen darf?
Business Punk/KI
Erschienen
Aktualisiert
Lesezeit3 Min · 647 Wörter

Eisbaden ist hip, Korallenzüchten ein Hobby – aber beim Glücksspiel hört für viele die Toleranz auf. Im Business Punk Interview erklärt Löwen-Entertainment-Geschäftsführer Dr. Daniel Henzgen, warum seine Kampagne „Freizeit-Freiheit“ nicht das Glücksspiel bewerben, sondern eine unbequeme Debatte über Selbstbestimmung, gesellschaftliche Vorurteile und staatliche Bevormundung anstoßen soll.

Ob Eisbaden, Rollerschrauben oder der Besuch einer Spielhalle: Was Menschen in ihrer Freizeit tun, ist ihre Entscheidung. Genau dafür will Löwen Entertainment mit seiner Kampagne „Freizeit-Freiheit“ ein Zeichen setzen – und stellt eine provokante Frage: Wie tolerant ist unsere Gesellschaft wirklich, wenn andere anders leben?

Bild: Dr. Daniel Henzgen ist seit März 2023 Geschäftsführer von Löwen Entertainment (Foto: PR). Mit der jüngsten Kampagne will er Vielfalt, Akzeptanz und Eigenverantwortung in den Mittelpunkt stellen.

Glücksspiel: Schluss mit der pauschalen Stigmatisierung

Glücksspiel hat ein Imageproblem. Für Henzgen wird die öffentliche Debatte zu stark vom problematischen Spielverhalten einer Minderheit bestimmt. „Spielfreude wird pauschal pathologisiert“, kritisiert er. Die Erfahrungen von Millionen Freizeitspielern blieben dagegen weitgehend unsichtbar. Seine Botschaft: Spielen sei etwas zutiefst Menschliches. Erwachsene sollten selbst entscheiden dürfen, wie sie ihre Freizeit verbringen – ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Eisbaden cool, Spielhalle tabu?

Die Kampagne zeigt Menschen mit unterschiedlichen Leidenschaften. Jennifer besucht die Spielhalle auch als sozialen Treffpunkt, Dominique und Randy haben das gemeinsame Spielen zum Paarritual gemacht. Andere züchten Korallen, restaurieren Roller oder gehen eisbaden. Was sie verbindet? Sie leben ihre Freizeit nach eigenen Vorstellungen. „Das muss man nicht verstehen“, sagt Henzgen. Aber akzeptieren sollte man es. Denn Vielfalt endet nicht dort, wo der persönliche Geschmack aufhört.

Keine Glücksspielwerbung, sondern eine Freiheitsdebatte

Henzgen zieht eine klare Grenze: „Mit unserer Kampagne bewerben wir kein Glücksspiel, sondern die Freiheit über seine Freizeit selbst zu entscheiden.“ Dahinter steckt ein gesellschaftspolitischer Anspruch. Eine liberale Gesellschaft müsse auch Lebensentwürfe akzeptieren, die nicht dem eigenen Weltbild entsprechen. Seine zugespitzte These: Wer Freiheit nur Menschen zugesteht, deren Entscheidungen er gutheißt, verteidigt kein Freiheitsrecht, sondern lediglich den eigenen Geschmack.

Provokation statt Wohlfühlbotschaft

Die kommunikative Herausforderung liegt auf der Hand: Wie diskutiert man Glücksspiel, ohne sofort in die üblichen Frontstellungen zu geraten? Henzgen will mit „Freizeit-Freiheit“ bewusst keine fertigen Antworten liefern. Stattdessen soll die Kampagne einen Dialog auslösen. Wie viel Freiheit gestehen wir anderen tatsächlich zu? Und sind wir bereit, deren Entscheidungen zu verteidigen, selbst wenn wir sie persönlich ablehnen?

Bild: Motiv aus der aktuellen Informationskampagne „Freizeit-Freiheit“, die für ein offenes, tolerantes und liberales Verständnis individueller Freizeitgestaltung wirbt.

Sieben Millionen Spieler, eine gesellschaftliche Frage

Nach Angaben Henzgens besuchen rund sieben Millionen Erwachsene in Deutschland staatlich konzessionierte Spielhallen. Doch die Kampagne richtet sich ausdrücklich nicht nur an sie. Henzgen versteht Glücksspiel als gesellschaftlichen Seismografen für das Verhältnis zwischen individueller Lebensführung und staatlichen Eingriffen. Was heute eine bestimmte Freizeitbeschäftigung betrifft, könne morgen andere Lebensbereiche berühren. Deshalb gehe die Debatte alle an.

Spielerschutz: Freiheit und Verantwortung

Dass Glücksspiel Risiken birgt, steht außer Frage. Henzgen sieht dennoch keinen Widerspruch zwischen individueller Freiheit und Spielerschutz. Seine Argumentation: Im legalen Glücksspielmarkt sei Spielerschutz ein elementarer Bestandteil, im illegalen Markt fehle er. Würde man Unternehmen verbieten, darüber zu sprechen, käme das für ihn einem „Sprechverbot“ gleich. Eine Position, die angesichts der Risiken des Glücksspiels durchaus kontrovers diskutiert werden dürfte.

Freiheit: Nicht alles muss jedem gefallen

Am Ende geht Henzgens Argument weit über Spielhallen hinaus. Ob Korallenzucht, Eisbaden oder Glücksspiel: Solange die Freiheit anderer nicht beeinträchtigt werde, müsse der Staat Eingriffe in die persönliche Lebensführung begründen. Für Henzgen ist das der Kern eines liberalen Gesellschaftsverständnisses. Seine Botschaft ist unbequem, aber klar: Toleranz beweist sich nicht bei dem, was wir mögen – sondern bei dem, was wir selbst niemals tun würden.

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