Business & Beyond 1,63 Milliarden Dollar Umsatz: Palantir liefert und die Bundeswehr sagt Nein

1,63 Milliarden Dollar Umsatz: Palantir liefert und die Bundeswehr sagt Nein

Palantir steigert den Umsatz um 85 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Während Pentagon und ICE die KI-Software nutzen, lehnt die Bundeswehr ab. Chef Alex Karp kämpft gegen Techno-Faschismus-Vorwürfe.

Peter Thiels Datenanalyse-Firma Palantir hat im ersten Quartal 2026 die Erwartungen pulverisiert. Der Umsatz kletterte um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar – Analysten hatten nur 1,54 Milliarden prognostiziert. Das Ergebnis je Aktie schoss von 0,08 auf 0,34 Dollar hoch, deutlich über den erwarteten 0,277 Dollar.

Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit Erlösen zwischen 7,65 und 7,66 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 71 Prozent entspräche. Trotzdem verlor die Aktie seit Jahresbeginn über 20 Prozent. Was steckt hinter diesem Widerspruch?

US-Behörden als Wachstumsmotor

Fast 80 Prozent der Erlöse stammen aus dem Heimatmarkt USA – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Das Geschäft mit Regierungsbehörden wuchs um 84 Prozent auf 687 Millionen Dollar. Heimatschutzministerium, Pentagon und die umstrittene Einwanderungsbehörde ICE setzen die Software ein, laut Tagesschau auch im Iran-Krieg.

Noch explosiver entwickelt sich das Unternehmensgeschäft: ein Plus von 133 Prozent auf 595 Millionen Dollar. CEO Alex Karp räumte in der Analystenkonferenz ein, die Nachfrage sei so massiv, dass Palantir kaum hinterherkomme. 206 Verträge über mindestens eine Million Dollar wurden abgeschlossen, 47 davon im zweistelligen Millionenbereich.

Techno-Faschismus-Vorwurf und Bundeswehr-Absage

Karp sorgte kürzlich mit einem Manifest für Aufruhr. Kritiker werfen ihm vor, eine Ideologie zu vertreten, in der technologische Eliten demokratische Prozesse ersetzen. In den USA protestieren Aktivisten regelmäßig gegen die Zusammenarbeit mit ICE. Während NATO-Länder die Echtzeit-Datenanalyse-Software „Maven“ nutzen, zieht die Bundeswehr eine klare Grenze.

Vizeadmiral Thomas Daum, Chef der Cybertruppe, lehnte den Einsatz ab: Industriemitarbeiter von Palantir auf nationale Datenbestände loszulassen sei „unvorstellbar“. In Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen nutzt die Polizei bereits Palantir-Produkte. Baden-Württemberg plant den Einsatz, doch Teile der Grünen fordern eine europäische Alternative. „So sehr wir an der Funktionalität interessiert sind, so unvorstellbar ist es eben momentan, Industriemitarbeiter auf den nationalen Datenbestand zuzulassen“, erklärt Daum laut Tagesschau.

Selbstbewusste Ansagen, nervöse Anleger

Bei der Bilanzpräsentation im hellblau gestrichenen Konferenzraum zelebrierte Karp den Erfolg wie gewohnt selbstbewusst. Andere Software-Anbieter würden „wahrscheinlich verschwinden“, Palantir dagegen liefere Resultate und Profitabilität. Die nationale Sicherheit der USA habe absolute Priorität: „Für uns steht der Soldat an erster Stelle.

Wenn ein Soldat in Gefahr ist, setzen wir das gesamte Unternehmen ein, um ihm zu helfen.“ Trotz dieser patriotischen Rhetorik und starker Zahlen reagierte die Börse verhalten. Die Aktie stieg zunächst zwei Prozent, gab nachbörslich aber wieder nach. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von über 20 Prozent zu Buche.

Business Punk Check

Palantir liefert zweifellos Wachstumszahlen, die andere Tech-Konzerne neidisch machen. Doch die Abhängigkeit von US-Behördenaufträgen birgt Risiken. Wenn politische Winde drehen oder Datenschutzdebatten eskalieren, könnte das Geschäftsmodell unter Druck geraten. Die Bundeswehr-Absage zeigt: Souveränitätsbedenken sind real und werden zunehmen. Europäische Alternativen mögen technologisch noch hinterherhinken, politisch sind sie aber gewollt. Karps Techno-Patriotismus mag in Washington verfangen, in Berlin wirkt er toxisch.

Für Investoren bedeutet das: Kurzfristig profitabel, langfristig fragil. Wer auf Palantir setzt, wettet darauf, dass Sicherheitsbehörden weiterhin Datenschutzbedenken ignorieren. Das kann funktionieren – oder spektakulär scheitern, sobald der erste große Datenskandal publik wird. Die Frage ist nicht, ob Palantir technologisch führend ist. Die Frage ist, wie lange Gesellschaften bereit sind, diese Art von Überwachungsinfrastruktur zu akzeptieren.

Häufig gestellte Fragen

Warum lehnt die Bundeswehr Palantir-Software ab, wenn sie technologisch führend ist?

Die Bundeswehr fürchtet den Kontrollverlust über sensible nationale Daten. Palantir-Mitarbeiter müssten die Software bedienen und hätten damit Zugriff auf hochsensible Informationen. Vizeadmiral Thomas Daum nannte es „unvorstellbar“, Industriemitarbeiter auf nationale Datenbestände loszulassen. Technologische Exzellenz allein reicht nicht, wenn Souveränität auf dem Spiel steht.

Ist Palantirs Wachstum nachhaltig oder nur ein Behörden-Hype?

Das Unternehmensgeschäft wuchs um 133 Prozent – schneller als das Behördengeschäft. Das zeigt, dass Palantir nicht nur von Regierungsaufträgen abhängt. Allerdings stammen immer noch fast 80 Prozent der Erlöse aus den USA. Internationale Expansion scheitert oft an Datenschutzbedenken. Nachhaltiges Wachstum erfordert geografische Diversifikation, die aktuell nicht erkennbar ist.

Welche Risiken birgt die Abhängigkeit von US-Sicherheitsbehörden?

Politische Stimmungswechsel können das Geschäftsmodell über Nacht gefährden. Die Zusammenarbeit mit ICE provoziert bereits massive Proteste. Ein Regierungswechsel oder verschärfte Datenschutzgesetze könnten Aufträge kippen. Zudem wächst international der Wunsch nach digitaler Souveränität. Europäische Alternativen werden politisch gepusht, auch wenn sie technologisch noch zurückliegen.

Lohnt sich ein Investment in Palantir trotz der Kontroversen?

Kurzfristig sprechen Wachstum und Profitabilität für Palantir. Langfristig hängt alles davon ab, ob Gesellschaften diese Überwachungsinfrastruktur weiter akzeptieren. Der Aktienkursverlust von 20 Prozent seit Jahresbeginn zeigt: Anleger sind nervös. Wer investiert, wettet darauf, dass Sicherheitsinteressen Datenschutzbedenken dauerhaft übertrumpfen. Das ist eine politische Wette, keine rein technologische.

Welche europäischen Alternativen zu Palantir gibt es?

Konkrete Alternativen sind rar. Teile der Grünen fordern europäische Lösungen, nennen aber keine ausgereiften Produkte. Die EU investiert zwar in digitale Souveränität, technologisch hinkt Europa aber Jahre hinterher. Für Behörden und Unternehmen bedeutet das: Entweder Palantir nutzen und Souveränitätsbedenken ignorieren – oder auf europäische Lösungen warten, die möglicherweise nie das gleiche Niveau erreichen.

Quellen: Tagesschau, Finanzen, Manager Magazin

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