Business & Beyond BMW streicht 8.000 Jobs: Münchens Konzernzentrale trifft es am härtesten

BMW streicht 8.000 Jobs: Münchens Konzernzentrale trifft es am härtesten

BMW baut bis 2027 weltweit 8.000 Stellen ab, fast die Hälfte der deutschen Belegschaft bekommt ein Abfindungsangebot. Besonders brutal: München, Forschung und Verwaltung könnten ausbluten.

Die Autokrise frisst sich durch München. BMW will bis Ende 2027 weltweit 8.000 Jobs streichen – der Großteil davon in Deutschland.

Rund 40.000 Beschäftigte, fast die Hälfte der hiesigen Belegschaft, sollen ab Oktober ein Abfindungsangebot erhalten. Das Programm kostet den Konzern allein 2025 einen dreistelligen Millionenbetrag. Besonders hart trifft es die Konzernzentrale in München: Hier sitzen Verwaltung, Forschung und das Innovationszentrum – genau die Bereiche, die BMW jetzt radikal verschlanken will.

München blutet: Forschung und Verwaltung im Visier

Der Stellenabbau konzentriert sich auf den sogenannten indirekten Bereich: Verwaltung, Forschung, Entwicklung, Planung, Management. Produktionsmitarbeiter bleiben vorerst verschont.

Das Abfindungsprogramm läuft bis Ende 2027, erste Abgänge werden laut Tagesschau noch 2025 erwartet. Die Höhe der Abfindungen richtet sich nach Betriebszugehörigkeit und Einkommen, bei Mercedes flossen zuletzt bis zu 500.000 Euro pro Kopf. BMW beschäftigt weltweit rund 154.000 Menschen, davon etwa 84.000 in Deutschland.

Nedeljković räumt auf – nur einen Monat nach Amtsantritt

Milan Nedeljković übernahm erst im Mai den CEO-Posten von Oliver Zipse. Einen Monat später folgte die Gewinnwarnung: Absatz und Gewinn würden 2026 deutlich niedriger ausfallen als geplant. Die BMW-Aktie verlor seitdem fast ein Drittel ihres Werts.

Nedeljković kündigte „weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen“ an, Konzernsprech für Kahlschlag. Anders als VW und Mercedes wählte er die leise Diplomatie: keine öffentlichen Drohgebärden, stattdessen Verhandlungen mit dem Betriebsrat hinter verschlossenen Türen.

China-Flaute, US-Zölle, Preisdruck – die perfekte Krise

BMW galt lange als Krisengewinner der deutschen Autoindustrie. Während VW, Mercedes, Audi und Porsche bereits 2024 massive Sparprogramme auflegten, hielt sich München zurück.

Doch die Realität holt den Konzern ein: schwaches China-Geschäft, wachsender Preisdruck, US-Zölle und explodierende Entwicklungskosten für E-Mobilität. Bereits vor dem neuen Programm schrumpfte die weltweite Belegschaft binnen eines Jahres um 2.000 Mitarbeiter. Jetzt folgt der große Schnitt.

Abfindungsprogramme als Standard: Mercedes zahlte Milliarden

BMW nutzt Abfindungsprogramme nicht zum ersten Mal. 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, strich der Konzern 6.000 Jobs.

Mercedes legte Anfang 2024 ein ähnliches Programm auf: Rund 5.500 Mitarbeiter verließen den Konzern, die Abfindungen summierten sich auf einen Milliardenbetrag. Doch selbst das reichte nicht: Mercedes-Chef Ola Källenius fordert inzwischen längere Arbeitszeiten fürs gleiche Geld – und erntet heftige Gegenwehr von Betriebsrat und IG Metall.

Business Punk Check

BMWs Stellenabbau ist kein Einzelfall, er markiert das Ende einer Ära. Die deutsche Autoindustrie hat jahrelang auf Verbrenner-Gewinne gesetzt, während chinesische Hersteller den E-Markt eroberten. Jetzt zahlt München die Rechnung: 8.000 Jobs weg, Forschung und Entwicklung ausgedünnt, Innovation auf Sparflamme. Die Wahrheit? BMW hat zu spät auf E-Mobilität gesetzt und zu lange an teuren Doppelstrukturen festgehalten. Nedeljković verkauft den Kahlschlag als „Effizienzmaßnahme“, doch was bleibt, wenn Forschung und Innovation schrumpfen?

Die Konkurrenz aus China investiert Milliarden in Batterietechnologie und Software, während BMW Verwaltungsebenen abbaut. Das mag kurzfristig die Bilanz schönen, langfristig fehlen aber genau die Köpfe, die den Konzern fit für die Zukunft machen könnten. Für Beschäftigte in der Automobilindustrie heißt das: Wer in Verwaltung, Planung oder Forschung arbeitet, sollte sich auf weitere Sparrunden einstellen. Die Branche befindet sich im größten Umbruch seit Jahrzehnten und die Unternehmen reagieren mit dem Rotstift statt mit Mut. Abfindungen sind kein Zukunftskonzept, sondern Kapitulation vor der Transformation.

Quellen: Bild, Süddeutsche Zeitung, Tagesschau

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