Business & Beyond Deal oder Drama? Deutschland kriegt Panik, weil Unicredit die Commerzbank kaufen will

Deal oder Drama? Deutschland kriegt Panik, weil Unicredit die Commerzbank kaufen will

UniCredit legt ein Übernahmeangebot auf den Tisch und in Berlin geht sofort der Abwehrmodus an. Absurd. Denn den ganzen Übernahme-Move hat die Bundesregierung selbst gestartet.

Jetzt also offiziell: Die italienische UniCredit hat heute ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Geboten werden 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie – das entspricht zum Stichtag rund 30,80 Euro und etwa vier Prozent Aufschlag auf den Schlusskurs vom 13. März. UniCredit hält bereits rund 26 Prozent direkt und weitere etwa 4 Prozent über Derivate. Das ist keine italienische Operette mehr. Das ist der Ernstfall.

Und was macht Deutschland? Es führt wieder einmal den alten Volkstanz auf: Europa, ja bitte. Bankenunion, selbstverständlich. Grenzüberschreitende Champions, unbedingt. Aber sobald es konkret wird und ein Kandidat nicht aus Bielefeld, sondern aus Mailand kommt, wird aus europäischer Integration schlagartig Heimatschutz. Dann klingt die Marktwirtschaft wie eine bedrohte Tierart, die unter Artenschutz gestellt werden muss, was ein Widerspruch in sich ist.

Der Startschuss für die Übernahme fiel in Berlin

Das Komische daran: Den Startschuss für dieses Drama hat nicht etwa UniCredit im Palazzo gegeben, sondern die deutsche Politik selbst. Die damalige Bundesregierung hat am 11. September 2024 den ersten Block ihrer Commerzbank-Beteiligung verkauft. Ausgerechnet UniCredit griff zu: 4,49 Prozent aus dem Staatsbestand, dazu weitere Aktien aus dem Markt – zusammen zunächst rund neun Prozent. Wer den Brandbeschleuniger ins Feuer gießt, sollte sich später nicht über Flammen wundern.

Natürlich wird jetzt wieder das Hohelied auf die Eigenständigkeit der Commerzbank gesungen. Als sei „allein bleiben“ schon ein Geschäftsmodell. Dabei redet ganz Europa seit Jahren darüber, dass seine Banken im internationalen Wettbewerb zu klein, zu national und zu zersplittert sind. Amerikanische Institute spielen in einer anderen Liga, japanische übrigens auch. Aber wenn sich in Europa einmal die seltene Gelegenheit bietet, grenzüberschreitend Größe zu schaffen, entdeckt Berlin plötzlich die romantische Schönheit der Kleinstaaterei. Bankenunion ja – aber bitte ohne deutsche Banken, die sich mit anderen vereinigen.

Das stärkste Gegenargument der Übernahmegegner heißt: Mittelstand. Die Commerzbank ist dort tatsächlich ein Schwergewicht: Sie bezeichnet sich selbst als führende Bank für den deutschen Mittelstand, als Partner von rund 25000 Firmenkunden, mit internationaler Präsenz in mehr als 40 Ländern und einem Anteil von rund 30 Prozent an der deutschen Außenhandelsfinanzierung. Und ausgerechnet das droht, vom Käufer zerschlagen zu werden? Die Unicredit wäre schlecht beraten: Wer ein Geschäft kauft, wirft nicht dessen wertvollsten Teil aus dem Fenster. Wenn das Mittelstandsgeschäft wirklich so stark ist, wie die Commerzbank seit Jahren erzählt, dann wird UniCredit es nicht beschädigen. Dann wird sie es behalten, pflegen und in einen größeren europäischen Verbund einbauen. Alles andere wäre betriebswirtschaftlicher Vandalismus.

Die Mittelstandsbank wird gestärkt

Mehr noch: Gerade der deutsche Mittelstand kann heute eine internationale Bank besser gebrauchen als früher. Lieferketten verlaufen global, Absatzmärkte sowieso, Währungs-, Zins- und Handelsrisiken nehmen zu. Wer in diesem Umfeld noch so tut, als sei eine Bank vor allem ein regionales Heimatmuseum mit Schalterhalle, hat der Weltwirtschaft seit zehn Jahren keinen Besuch mehr abgestattet. Der deutsche Export lebt nicht von Sentimentalität, sondern von Finanzierung, Absicherung und Reichweite. Eine Bank mit größerer europäischer Aufstellung ist dafür kein Nachteil, sondern ein Argument. Dass die Commerzbank selbst auf ihre internationale Vernetzung verweist, macht den nationalen Abwehrreflex nur noch absurder.

Folklore mit Aufsichtsrat

Gewiss, Übernahmen sind kein Kindergeburtstag. Es gibt Risiken, Machtfragen, Kulturfragen, Personalfragen. Aber das ist kein Argument gegen jede Übernahme, sondern nur gegen schlechte Übernahmen. Und ob diese schlecht wäre, entscheidet sich nicht am Reisepass des Käufers. Wer heute reflexhaft „Frankfurt verteidigen“ ruft, verwechselt Standortpolitik mit Besitzstandswahrung. Ein Finanzplatz wird nicht stark, weil er ausländische Investoren fernhält. Er wird stark, wenn er groß genug denkt, um in Europa mitzuspielen.

Die Wahrheit ist unbequem, aber einfach: Deutschland hat diesen Prozess selbst ausgelöst, Europa braucht endlich grenzüberschreitende Banken, und die Commerzbank ist zu wichtig, um sie im politischen Treibhaus des nationalen Eigensinns einzumotten. Wer die Bankenunion immer nur in Sonntagsreden will, aber montags bei der ersten echten Fusion Schnappatmung bekommt, will keine Union. Er will Folklore mit Aufsichtsrat.

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