Business & Beyond Flugpreise: Billiges Kerosin, teure Tickets

Flugpreise: Billiges Kerosin, teure Tickets

Der Treibstoff wird günstiger – doch an den Ticketpreisen ändert sich fast nichts. Airlines verdienen derzeit prächtig an einem Markt, in dem hohe Nachfrage und knappe Plätze jede Preissenkung überflüssig machen.

Die Kosten sinken, die Einnahmen bleiben hoch. Für Reisende bedeutet das: Wer auf günstigere Flugtickets gehofft hat, dürfte sich noch länger gedulden müssen.

Kerosin fällt – Preise bleiben oben

Noch vor wenigen Monaten schossen die Kerosinpreise im Zuge des Iran-Kriegs massiv nach oben. Fluggesellschaften reagierten schnell: Tickets wurden teurer, Flugpläne ausgedünnt und Zusatzgebühren erhöht. Inzwischen hat sich die Lage auf den Energiemärkten deutlich entspannt. Der Preis für Flugbenzin ist seit seinem Höchststand im Frühjahr um rund 40 Prozent gefallen. Für Passagiere hat das allerdings kaum Folgen. Die Airlines sehen keinen Anlass, ihre Preise wieder zu senken.

Nachfrage schlägt Kosten

Der wichtigste Grund liegt nicht beim Treibstoff, sondern im klassischen Spiel von Angebot und Nachfrage. Die Sommermonate sorgen traditionell für volle Maschinen, gleichzeitig haben viele Airlines ihr Flugangebot reduziert. Weniger verfügbare Sitzplätze treffen auf anhaltend hohe Reiselust – und ermöglichen stabile oder sogar weiter steigende Ticketpreise. Die günstigeren Treibstoffkosten verbessern in diesem Umfeld vor allem die Gewinnmargen der Airlines. In einer Branche mit hohen Fixkosten hat Profitabilität derzeit häufig Vorrang vor sinkenden Ticketpreisen.

Weniger Flüge, höhere Einnahmen

Dass Kerosin überhaupt wieder günstiger geworden ist, hängt ironischerweise ebenfalls mit dem reduzierten Flugangebot zusammen. Weil Airlines Flüge gestrichen haben, sank der Verbrauch von Flugbenzin. Gleichzeitig produzierten Raffinerien mehr Treibstoff, um von den zuvor hohen Preisen zu profitieren. Das Ergebnis: sinkende Kerosinpreise bei gleichzeitig hohen Flugpreisen.

Airlines setzen auf Profitabilität

Seit dem Frühjahr wurden Flugpreise mehrfach erhöht. Gleichzeitig verschwanden vor allem günstige Verbindungen aus den Buchungssystemen. Dadurch verschiebt sich der Durchschnittspreis automatisch nach oben. Besonders kleinere Fluggesellschaften kämpfen weiterhin mit den wirtschaftlichen Folgen der vergangenen Jahre. Zusätzliche Einnahmen durch höhere Ticketpreise helfen dabei, die Profitabilität zu verbessern und Verluste auszugleichen.

Zusatzgebühren werden zum Dauerzustand

Nicht nur die Ticketpreise dürften hoch bleiben. Auch Gebühren für Gepäck oder Sitzplatzreservierungen entwickeln sich zunehmend zum festen Bestandteil des Geschäftsmodells. Haben sich Kunden erst einmal an höhere Preise gewöhnt, gibt es für Airlines kaum wirtschaftliche Anreize, diese wieder zurückzunehmen. Selbst wenn einzelne Tickets im Herbst saisonbedingt günstiger werden, erwarten Branchenbeobachter insgesamt weiterhin ein höheres Preisniveau als im Vorjahr.

Fliegen bleibt teuer

Für viele Reisende gehört das höhere Preisniveau inzwischen zum Alltag. Zwar wächst der Frust über steigende Kosten und zusätzliche Gebühren, auf das Fliegen verzichten die meisten dennoch nicht. Urlaubsreisen, Familienbesuche oder berufliche Termine lassen sich oft nicht einfach verschieben. Genau darauf bauen die Airlines – und solange die Nachfrage hoch bleibt, dürfte günstigeres Kerosin vor allem ihre Bilanzen entlasten, nicht aber die Geldbeutel der Passagiere. Gleichzeitig bleibt der Blick auf den Ölmarkt entscheidend: Geopolitische Spannungen, saisonale Nachfragespitzen oder Produktionskürzungen könnten die Kerosinpreise jederzeit wieder steigen lassen – und den Preisdruck auf Flugtickets erneut erhöhen.

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