Business & Beyond Wolfgang Grupp rechnet ab: Wer als Unternehmer auf die Politik wartet, geht pleite

Wolfgang Grupp rechnet ab: Wer als Unternehmer auf die Politik wartet, geht pleite

Der Ex-Trigema-Chef hat eine klare Botschaft: Unternehmer, die auf politische Hilfe setzen, scheitern. Seine Strategie seit 55 Jahren – volle Produktion, auch in der Krise. Und eine radikale Forderung zur Haftung.

Wolfgang Grupp produziert weiter, während andere bremsen. Der 84-Jährige hält nichts von Kurzarbeit, Produktionsstopps oder dem Warten auf staatliche Rettungspakete. Seine Rechnung ist simpel: Fixkosten laufen ohnehin, Mitarbeiter werden bezahlt – also lässt er die Maschinen laufen, selbst wenn der Absatz stockt. Das Ergebnis nach über fünf Jahrzehnten: Trigema übersteht Krisen, während Konkurrenten straucheln.

„Wenn ich warten muss, bis die Politik mir den Weg ebnet, dann bin ich längst pleite“, erklärt Grupp im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die aktuelle Konsumflaute trifft auch sein Unternehmen, doch statt die Produktion zu drosseln, füllt er die Lager. Seine Mitarbeiter spüren von wirtschaftlichen Schwankungen oft nichts – ein bewusster Kontrast zur gängigen Praxis deutscher Mittelständler, die bei ersten Anzeichen von Absatzschwäche die Notbremse ziehen.

Produktion auf Risiko – die Anti-Krisen-Strategie

Grupps Modell klingt riskant, folgt aber einer klaren Logik: Wer in schlechten Zeiten nicht produziert, steht in guten Zeiten ohne Ware da. „Dann sind wir in guten Zeiten froh, dass wir auf ein volles Lager zurückgreifen können“, so der Unternehmer. 55 Jahre volle Auslastung – diese Konstanz unterscheidet Trigema von Wettbewerbern, die ihre Kapazitäten flexibel anpassen.

Die Kehrseite: Disziplin in Boomphasen. Grupp warnt eindringlich davor, bei guter Auftragslage „größenwahnsinnig“ zu werden und Kapazitäten aufzubauen, die sich später nicht mehr auslasten lassen. Sein Prinzip – konstante Produktion statt Expansion im Rausch – widerspricht der typischen Wachstumslogik vieler deutscher Unternehmen.

Die GmbH-Kritik – Haftung als Qualitätsmerkmal

Besonders scharf geht Grupp mit der deutschen Unternehmensstruktur ins Gericht. „Neugründungen werden nur noch als GmbH gemacht“, kritisiert er laut T Online. Das Problem aus seiner Sicht: Eine Insolvenz wird für Gründer zur risikolosen Option. Wer nicht mit dem Privatvermögen haftet, entscheidet anders – weniger überlegt, weniger verantwortungsvoll.

Seine Forderung: Unternehmer, die voll haften, sollten steuerlich massiv entlastet werden. „Dann sind die Entscheidungen vernünftiger, überlegter und verantwortungsvoller“, argumentiert der Ex-Trigema-Chef. Ein radikaler Vorschlag, der die Debatte um Unternehmertum und Risikobereitschaft neu aufrollt – und die Frage stellt, ob die GmbH-Kultur tatsächlich zu leichtfertigen Geschäftsmodellen führt.

Wirtschaftspolitik als Ausrede

Grupps Kernbotschaft richtet sich gegen eine Mentalität, die in Deutschland zunehmend um sich greift: das Warten auf politische Lösungen. Während Verbände Subventionen fordern und Unternehmen auf Förderprogramme hoffen, setzt der Textilunternehmer auf Eigenverantwortung. Schwankungen seien normal, Krisen gehörten zum Geschäft – wer darauf nicht vorbereitet sei, habe ein strukturelles Problem.

Diese Haltung steht im Kontrast zur aktuellen Wirtschaftspolitik, die mit Milliardenpaketen Branchen stützt und Unternehmen durch Krisen trägt. Grupp hält das für kontraproduktiv: Wer sich auf staatliche Hilfe verlässt, verliert die Fähigkeit zur Selbsthilfe. Seine 55 Jahre Trigema-Geschichte sind der empirische Beweis für diese These.

Business Punk Check

Grupps Modell funktioniert – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Volle Produktion auf Lager setzt voraus, dass die Produkte auch in schlechten Zeiten verkaufbar bleiben. Trigema produziert Basics, keine Trendware. Wer auf schnelllebige Kollektionen setzt, kann sich diese Strategie nicht leisten. Die Lagerhaltung bindet Kapital, das viele Unternehmen nicht haben – oder nicht riskieren wollen.

Seine GmbH-Kritik trifft einen wunden Punkt: Die beschränkte Haftung senkt tatsächlich die Hemmschwelle für riskante Geschäftsmodelle. Aber sie ermöglicht auch Innovation, die bei Vollhaftung oft unterbleibt. Grupps Forderung nach steuerlicher Entlastung für Vollhafter ist interessant – politisch aber kaum durchsetzbar, weil sie die GmbH als dominante Rechtsform infrage stellt. Die eigentliche Provokation liegt woanders: Grupp entlarvt die Subventionsmentalität deutscher Unternehmen. Wer bei jeder Krise nach dem Staat ruft, gibt unternehmerische Autonomie auf. Seine Botschaft an den Mittelstand: Entweder ihr löst eure Probleme selbst, oder ihr seid keine Unternehmer, sondern Bittsteller. Eine unbequeme Wahrheit, die viele Verbandsfunktionäre nicht hören wollen.

Häufig gestellte Fragen

Warum produziert Grupp in Krisen weiter, während andere Kurzarbeit anmelden?

Seine Kalkulation basiert auf konstanten Fixkosten – Miete, Maschinen und Gehälter laufen unabhängig vom Absatz. Wer die Produktion drosselt, spart nur variable Kosten, verliert aber Marktanteile, wenn die Nachfrage anzieht. Grupps Lager-Strategie funktioniert allerdings nur bei Produkten mit langer Haltbarkeit und stabiler Nachfrage, nicht bei Trendware oder saisonalen Kollektionen.

Ist Grupps GmbH-Kritik berechtigt oder überzogen?

Die beschränkte Haftung senkt tatsächlich das persönliche Risiko und kann zu leichtfertigeren Entscheidungen führen. Gleichzeitig ermöglicht sie Gründungen, die bei Vollhaftung nie stattfinden würden – besonders in kapitalintensiven Branchen. Grupps Forderung nach steuerlicher Bevorzugung von Vollhaftern würde ein Zwei-Klassen-System schaffen, das politisch schwer vermittelbar ist.

Welche Branchen können Grupps Modell übernehmen?

Hersteller von Standardprodukten mit stabiler Nachfrage – Lebensmittel, Hygieneartikel, Industriekomponenten. Nicht funktioniert es in Mode, Elektronik oder anderen Bereichen mit kurzen Produktzyklen. Entscheidend ist die Lagerfähigkeit und die Sicherheit, dass die Ware auch Monate später noch absetzbar ist.

Was bedeutet Grupps Haltung für die aktuelle Subventionsdebatte?

Seine Position stellt die Legitimität staatlicher Unternehmenshilfen grundsätzlich infrage. Wenn Krisen zum normalen Geschäft gehören, müssen Unternehmen selbst vorsorgen – durch Rücklagen, flexible Strukturen oder eben Lagerproduktion. Die Frage ist, ob diese Härte sozial vertretbar ist oder ob sie zu Massenentlassungen führt, die volkswirtschaftlich teurer sind als Subventionen.

Kann der Mittelstand ohne politische Unterstützung überleben?

Grupps 55 Jahre Trigema beweisen: Es geht. Aber sein Modell setzt Eigenkapital, Krisenerfahrung und eine robuste Marktposition voraus. Junge Unternehmen oder stark exportabhängige Betriebe haben diese Puffer oft nicht. Die Wahrheit liegt zwischen Grupps Eigenverantwortungs-Dogma und der aktuellen Subventionspraxis – Unternehmen brauchen Resilienz, aber auch faire Rahmenbedingungen.

Quellen: T Online

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