Finance & Freedom 5,1 Millionen Babyboomer vor Wohnarmut – doch die Rechnung hat Lücken

5,1 Millionen Babyboomer vor Wohnarmut – doch die Rechnung hat Lücken

40 Prozent der Babyboomer erhalten weniger als 800 Euro Rente – nach Abzug der Miete bleibt kaum etwas zum Leben. Doch die Studie zeigt nur einen Teil der Wahrheit.

Die Zahlen klingen dramatisch: 5,1 Millionen Babyboomer steuern auf Wohnarmut zu. Das Pestel-Institut hat im Auftrag der IG Bau berechnet, dass 40 Prozent der geburtenstarken Jahrgänge mit weniger als 800 Euro Rente auskommen müssen. Nach Abzug der Miete bleibt dann oft zu wenig zum Leben. Besonders hart trifft es Nordrhein-Westfalen mit 1,1 Millionen Betroffenen und Bayern mit 815.000 künftigen Rentnern in prekärer Lage. „Rund 5,1 Millionen Baby-Boomer werden weniger als 800 Euro pro Monat aus der gesetzlichen Rente bekommen“, sagte IG-Bau-Chef Robert Feiger der Düsseldorfer „Rheinischen Post

Die Miete frisst die Rente

Wohnarmut bedeutet konkret: Nach Zahlung der Miete bleibt kaum noch Geld für Lebensmittel, Gesundheit oder soziale Teilhabe. Die IG Bau warnt vor einer massiven Verschärfung der Situation, wenn zwischen 2024 und 2036 die Babyboomer-Generation in Rente geht. Bereits heute beziehen laut Welt rund 760.000 Menschen im Alter Grundsicherung – ein Anstieg von 2,5 Prozent im Jahr 2010 auf 4,3 Prozent aller Rentner heute. Die Entwicklung zeigt eine klare Richtung nach unten.

Ökonomen widersprechen dem Katastrophenszenario

Ralph Henger vom Institut der Deutschen Wirtschaft hält die Studie für unvollständig. Die Berechnungen berücksichtigen ausschließlich die gesetzliche Rente, ignorieren aber private und betriebliche Vorsorge. Zudem besitzen viele Rentner Wohneigentum und zahlen keine Miete. Henger verweist auf Wohngeld und Grundsicherung als Auffangnetze für Rentner in Finanznot. Die Realität dürfte also differenzierter ausfallen als die Gewerkschaftsstudie suggeriert: „Es ist zu beachten, dass in der Studie lediglich die gesetzliche Rente berücksichtigt wird, jedoch keine private oder betriebliche Vorsorge. Es gibt auch Rentner, die eigenes Wohneigentum nutzen und eine kleine Rente beziehen“, erklärt er gegenüber der Bild.

Vermieter verschärfen die Krise

Parallel zur Rentenmisere droht eine Verknappung des Wohnungsangebots. Kai Warnecke vom Verband Haus & Grund schlägt Alarm: 60 Prozent der Kleinvermieter erwägen laut Bild, ihre Wohnungen zu verkaufen oder die Vermietung aufzugeben. Grund sind steigende Regulierungskosten und bürokratische Hürden. Weniger Angebot bedeutet höhere Mieten – eine fatale Entwicklung für Menschen mit niedrigen Renten: „60 Prozent der Kleinvermieter erwägen, wegen der Überregulierung und deren Folgekosten die Vermietung aufzugeben, ihre Wohnungen sogar zu verkaufen. Folge: Das Angebot wird noch knapper, Investitionen bleiben aus. Darunter leiden die Mieter.“

Neubau als Lösung?

IG-Bau-Chef Robert Feiger fordert gegenüber der Welt mehr Neubau als Schlüssel zur Entspannung des Wohnungsmarkts. Doch Immobilienexperte Michael Voigtländer sieht den sogenannten Bau-Turbo der Bundesregierung skeptisch. Schnellere Genehmigungen allein reichen nicht, wenn Kommunen mit Bürgerprotesten kämpfen und Umweltauflagen den Bau verteuern. Der geplante Gebäudetyp E, bei dem auf nicht zwingend notwendige Standards verzichtet wird, könnte Baukosten senken – wenn die Politik endlich Klarheit schafft.

Business Punk Check

Die Studie trifft einen wunden Punkt, übertreibt aber gezielt. 5,1 Millionen Babyboomer in Wohnarmut klingt nach Katastrophe – verschweigt aber private Vorsorge, Wohneigentum und staatliche Hilfen. Die IG Bau nutzt die Zahlen als Druckmittel für politische Forderungen. Trotzdem: Die Grundtendenz stimmt. Wer nur auf die gesetzliche Rente setzt und in Großstädten zur Miete wohnt, gerät unter Druck. Die eigentliche Bombe tickt aber woanders: 60 Prozent der Kleinvermieter wollen raus aus dem Geschäft.

Wenn das Angebot schrumpft, explodieren die Mieten endgültig. Wer jetzt noch keine Immobilie besitzt oder private Vorsorge aufgebaut hat, sollte schnell handeln. Die Politik verspricht Bau-Turbo und Gebäudetyp E – doch solange Umweltauflagen und Bürgerproteste jeden Neubau ausbremsen, bleibt das Geschwätz. Die Wahrheit: Wer im Alter nicht arm sein will, muss heute vorsorgen. Auf die Rente allein ist kein Verlass mehr.

Wie viele Babyboomer sind von Wohnarmut betroffen?

Laut Pestel-Institut droht 5,1 Millionen Babyboomern Wohnarmut – das sind 40 Prozent der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 2024 und 2036. Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen mit 1,1 Millionen und Bayern mit 815.000 künftigen Rentnern. Die Studie berücksichtigt allerdings nur die gesetzliche Rente, nicht private Vorsorge oder Wohneigentum.

Was bedeutet Wohnarmut konkret für Rentner?

Wohnarmut entsteht, wenn nach Abzug der Miete kaum noch Geld für Lebensmittel, Gesundheit oder soziale Teilhabe bleibt. Bei einer Rente unter 800 Euro und steigenden Mieten in Großstädten wird die Situation prekär. Bereits heute beziehen rund 600.000 Rentner Grundsicherung – Tendenz steigend.

Welche Auswirkungen hat der Rückzug der Kleinvermieter?

60 Prozent der Kleinvermieter erwägen laut Haus & Grund, ihre Wohnungen zu verkaufen oder die Vermietung aufzugeben. Das verknappt das Angebot und treibt die Mieten weiter nach oben. Für Rentner mit niedrigen Bezügen verschärft sich die Lage dramatisch, wenn bezahlbarer Wohnraum verschwindet.

Hilft mehr Neubau gegen Wohnarmut im Alter?

Mehr Neubau könnte das Angebot erhöhen und Mieten dämpfen. Doch Experten wie Michael Voigtländer sehen Umweltauflagen, Bürgerproteste und bürokratische Hürden als Bremse. Der geplante Gebäudetyp E mit reduzierten Standards könnte Baukosten senken – wenn die Politik schnell Klarheit schafft.

Was können Babyboomer jetzt noch tun?

Wer im Alter nicht arm sein will, sollte jetzt private Vorsorge aufbauen oder über Wohneigentum nachdenken. Wohngeld und Grundsicherung fangen zwar Notlagen ab, reichen aber nicht für ein würdiges Leben. Die gesetzliche Rente allein wird für viele nicht ausreichen – besonders in teuren Großstädten.

Quellen: Bild, Welt

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