Finance & Freedom Heizgesetz-Mogelpackung: 125 Euro Ersparnis, die keiner erklären kann

Heizgesetz-Mogelpackung: 125 Euro Ersparnis, die keiner erklären kann

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche verspricht beim neuen Heizgesetz Einsparungen von 125 Euro pro Haushalt – kann aber nicht erklären, wie diese Zahl zustande kommt. Fossile Brennstoffe bleiben erlaubt, doch die Kosten steigen trotzdem.

Das Wirtschaftsministerium verkauft eine Rechnung, die nicht aufgeht. Katherina Reiche (CDU) präsentiert ihren Entwurf für ein entschärftes Heizgesetz als Entlastung: 125 Euro weniger pro Haushalt im Vergleich zu Robert Habecks ursprünglichem Plan. Fünf Milliarden Euro jährlich sollen Mieter und Vermieter sparen. Klingt gut – wäre da nicht ein Detail: Wie sich diese Zahl errechnet, will das Ministerium laut Bild nicht verraten. Transparenz sieht anders aus.

Technologieoffen heißt: Fossile Brennstoffe bleiben

Reiches Strategie setzt auf Flexibilität statt Zwang. Öl- und Gasheizungen dürfen weiterhin eingebaut werden – selbst über das Jahr 2045 hinaus. Der Haken: Ab 2029 müssen diese Heizungen schrittweise mit Ökoanteilen betrieben werden. Zehn Prozent Bio-Gas oder vergleichbare Alternativen sind Pflicht, ab 2030 steigt die Quote auf 15 Prozent, ab 2035 auf 30 Prozent und ab 2040 auf satte 60 Prozent. Wer glaubt, dass Bio-Gas günstiger wird als fossile Brennstoffe, hat die Marktdynamik der letzten Jahre verschlafen.

Vermieter tragen Hälfte der Zusatzkosten – ab 2028

Ein weiteres Detail verschärft die Lage für Vermieter: Ab 2028 müssen sie bei Neuinstallationen von Öl- oder Gasheizungen die Hälfte der Netzentgelte, des CO₂-Preises und der Biokraftstoff-Kosten übernehmen. Das klingt nach sozialer Gerechtigkeit, bedeutet aber faktisch: Vermieter werden diese Kosten anderweitig einpreisen – etwa über höhere Mieten bei Neuvermietungen oder Modernisierungsumlage. Die Rechnung zahlt am Ende wieder der Mieter, nur eben versteckt.

Wärmepumpe rechnet sich – aber nicht für jeden

Ob sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe lohnt, hängt stark vom Gebäudetyp ab. Altbauten ohne ausreichende Dämmung sind oft ungeeignet, hier explodieren die Installationskosten. Vermieter können Sanierungskosten teilweise auf die Nettokaltmiete umlegen – ein weiterer Kostentreiber. Gleichzeitig sinken die Heizkosten, was die Warmmiete entlastet. Unterm Strich bleibt eine komplizierte Einzelfallrechnung, die viele Haushalte überfordert.

Branche prognostiziert Kostensteigerung trotz Entlastungsversprechen

Axel Gedaschko, Chef des Verbands GdW, räumt gegenüber Bild mit der Illusion auf: Die Kosten werden steigen – für Vermieter und Mieter. Die versprochenen Einsparungen gegenüber Habecks Gesetz sind Makulatur, wenn die Gesamtkosten trotzdem nach oben gehen. Reiches Entwurf verschiebt die Belastung nur zeitlich und verteilt sie anders. Das ist Wirtschaftspolitik als Taschenspielertrick.

Business Punk Check

Reiches Heizgesetz ist Symbolpolitik mit Preisschild. Die versprochenen 125 Euro Ersparnis sind eine Nebelkerze – das Ministerium kann nicht erklären, wie diese Zahl zustande kommt. Fossile Brennstoffe bleiben erlaubt, werden aber durch steigende Ökoanteil-Pflichten künstlich verteuert. Das ist keine Technologieoffenheit, sondern eine verschleierte Lenkungssteuer. Vermieter tragen ab 2028 die Hälfte der Zusatzkosten – und werden diese garantiert an Mieter weitergeben, nur eben nicht transparent über die Heizkostenabrechnung, sondern versteckt in der Nettokaltmiete. Die eigentliche Frage lautet: Für wen rechnet sich was? Wärmepumpen funktionieren in Neubauten hervorragend, in Altbauten werden sie zur Kostenfalle. Vermieter, die jetzt noch Gasheizungen einbauen, spekulieren darauf, dass Bio-Gas-Preise sinken – eine riskante Wette. Mieter zahlen so oder so drauf, nur die Abrechnungsposten verschieben sich. Wer jetzt handelt, sollte nicht auf Ministeriumsversprechen vertrauen, sondern eigene Berechnungen anstellen. Denn eines ist sicher: Die Gesamtkosten steigen, egal wie geschickt die Regierung die Zahlen verpackt.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich der Einbau einer neuen Gasheizung noch?

Kurzfristig ja, langfristig wird es teuer. Ab 2029 steigen die Ökoanteil-Pflichten schrittweise bis auf 60 Prozent im Jahr 2040. Bio-Gas ist aktuell deutlich teurer als fossiles Gas, und die Preisdifferenz wird sich kaum verringern. Wer jetzt eine Gasheizung einbaut, sollte die Mehrkosten für die nächsten 15 Jahre einkalkulieren – oder plant bereits den nächsten Heizungstausch ein.

Welche Immobilien eignen sich für Wärmepumpen?

Neubauten und gut gedämmte Bestandsgebäude sind ideal. Altbauten mit schlechter Dämmung benötigen oft teure Sanierungen, damit Wärmepumpen effizient arbeiten. Die Kosten für Dämmung, neue Heizkörper und Installation können schnell sechsstellig werden. Vermieter können Teile dieser Kosten umlegen, was die Nettokaltmiete erhöht – Mieter sollten genau prüfen, ob die eingesparten Heizkosten die höhere Grundmiete ausgleichen.

Warum verrät das Ministerium nicht, wie die 125 Euro Ersparnis berechnet wurden?

Weil die Zahl vermutlich auf Annahmen basiert, die in der Praxis nicht halten. Solche Durchschnittswerte verschleiern regionale Unterschiede, Gebäudetypen und individuelle Heizverhaltensweisen. Transparente Wirtschaftspolitik würde die Berechnungsgrundlage offenlegen – dass das Ministerium schweigt, spricht Bände über die Belastbarkeit dieser Zahl.

Was bedeutet die Kostenaufteilung ab 2028 für Vermieter?

Vermieter tragen ab 2028 die Hälfte der Netzentgelte, CO₂-Preise und Biokraftstoff-Kosten bei neuen Öl- oder Gasheizungen. Das klingt nach Entlastung für Mieter, verschiebt aber nur die Kostenlast. Vermieter werden diese Mehrkosten über andere Wege refinanzieren – etwa durch höhere Mieten bei Neuvermietungen oder Modernisierungsumlagen. Die Gesamtbelastung sinkt dadurch nicht, sie wird nur anders verteilt.

Welche Branchen profitieren vom neuen Heizgesetz?

Hersteller von Wärmepumpen und Sanierungsunternehmen dürften die größten Gewinner sein. Auch Anbieter von Bio-Gas und synthetischen Brennstoffen profitieren von den steigenden Ökoanteil-Pflichten. Verlierer sind Eigentümer von Altbauten, die weder für Wärmepumpen geeignet sind noch günstige Alternativen finden – sie zahlen die höchsten Kosten bei geringster Planungssicherheit.

Quellen: Bild

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