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Köln zahlt für die Fusion: RTL und Sky streichen 1.100 Stellen

RTL kauf SKY
picture alliance/dpa | Christoph Reichwein RTL kauf SKY
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Für den Medienstandort Köln, der ohnehin durch den strukturellen Wandel des klassischen Fernsehens unter Druck steht, ist der erneute Einschnitt ein herber Rückschlag. Bereits die erste Sparrunde Ende 2025 hatte den Standort empfindlich getroffen, nun folgt binnen weniger Monate die nächste Kürzungswelle, diesmal ergänzt um den Sky-Standort Unterföhring. Dass beide Standorte gemeinsam genannt werden, unterstreicht, wie eng die Fusion die beiden vormals getrennten Unternehmen inzwischen verzahnt hat.

Rabe kündigte es an

Dass die Sky-Übernahme Konsequenzen für die Belegschaft haben würde, hatte der damalige Bertelsmann-Chef Thomas Rabe bereits im April angekündigt. Man werde die Unternehmen und die Organisation zusammenführen und weiter verschlanken, habe Rabe der Deutschen Presse-Agentur gesagt: „Das wird auch Auswirkungen auf das Personal haben. Im Mittelpunkt steht aber die effizientere Nutzung unserer Programminvestitionen.“

Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden, der Abbau soll sozialverträglich und mit den Betriebsräten abgestimmt erfolgen, ergänzt um Abfindungen und Umschulungsangebote. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte RTL Deutschland im Zuge einer Neustrukturierung den Abbau von rund 600 Stellen angekündigt, unabhängig von der Sky-Fusion. Als Gründe hatte das Unternehmen damals den tiefgreifenden Wandel im Medienmarkt, die schwierige konjunkturelle Lage und die schwachen TV-Werbemärkte genannt. Die jetzige Runde kommt also nicht isoliert, sondern reiht sich in eine bereits laufende Sparlogik ein, die durch die Fusion mit Sky noch einmal verschärft wird.

Zahlen hinter der Sparrunde

Der RTL-Konzernumsatz schrumpfte 2025 um 3,8 Prozent auf 6,018 Mrd. Euro, die klassischen TV-Werbeumsätze fielen um 7,0 Prozent auf 2,189 Mrd. Euro. Gegenläufig entwickelten sich die Digitalwerbeumsätze mit einem Plus von 27,7 Prozent auf 517 Mio. Euro und der Streamingumsatz mit einem Zuwachs von 26,3 Prozent auf 509 Mio. Euro, demnach. Im ersten Halbjahr kletterte der operative Gewinn der RTL Group von 160 auf 239 Mio. Euro. Der Umbau folgt damit einer klaren Linie: Wachstum im Streaming soll die schrumpfenden TV-Werbeerlöse kompensieren, das Personal wird an diese Verschiebung angepasst.

Business Punk Check

1.100 Jobs in zwei Sparrunden seit Ende 2025 und RTL verkauft das konsequent als Synergie-Effizienz statt als das, was es für Betroffene ist: ein Konzern, der seine Fusion mit Sky auf dem Rücken der Belegschaft finanziert. Die 250 Mio. Euro Synergieziel klingen nach Businessplan, bedeuten aber laut eigenen Angaben vor allem Personalabbau, konzentriert auf Köln, wo fast jede siebte Stelle wackelt.

Für Führungskräfte in der Medienbranche ist das ein Lehrstück in Fusionslogik: Wachstum im Streaming-Geschäft wird gegen schrumpfende TV-Werbeerlöse verrechnet und die Rechnung geht zulasten klassischer Vollzeitstellen. Offen bleibt, ob RTL die Sparziele allein durch Organisationseffizienz erreicht oder ob am Ende auch bei Programm und Produktion gekürzt wird. Wer im Kölner Medienmarkt Karriere plant, sollte diese Unsicherheit in seine Entscheidungen einpreisen, unabhängig davon, wie glatt die Pressemitteilungen klingen.

Auf einen Blick

  • RTL und Sky bauen bis Ende 2027 rund 500 weitere Stellen ab, der überwiegende Teil davon bereits 2026.
  • Zusammen mit dem Ende 2025 angekündigten Abbau von 600 Stellen fallen im Zuge der Übernahme insgesamt rund 1.100 Vollzeitstellen weg.
  • Der Konzern erwartet durch den Zusammenschluss jährliche Synergien von 250 Mio. Euro innerhalb von drei Jahren, größtenteils aus Kosteneinsparungen bei Inhalten und dem Abbau von Doppelstrukturen.
  • Rein rechnerisch reduziert RTL fast 15 Prozent seiner rund 8.000 Beschäftigten, der Abbau konzentriert sich stark auf den Standort Köln.

Quellen: WELT, Bild, Kölner Stadtanzeiger, KI-unterstützt

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.