work wise · künstliche Intelligenz

Start-up-Finanzierung: Berlin will 25 Milliarden mobilisieren

KI Startups sind hoch im Kurs bei Investoren
Shutterstock KI Startups sind hoch im Kurs bei Investoren
Erschienen
Lesezeit4 Min · 883 Wörter
Seite1 / 2

Bundesregierung und KfW wollen bis 2030 rund 25 Mrd. Euro Wagniskapital mobilisieren. Bisher liegen erst 2,6 Mrd. Euro auf dem Tisch. Warum das Ziel so ambitioniert wie fraglich ist.

2,6 Mrd. Euro stehen 25 Mrd. Euro gegenüber. Das ist die Rechnung, mit der Bundesregierung und Förderbank KfW gerade ihre WIN-Initiative in eine neue Phase schicken.

Seit September 2024 wurden über die Initiative laut Ad Hoc News rund 2,6 Mrd. Euro am Markt investiert, bis 2030 sollen es zehnmal so viel sein. Wer diese Lücke schließen will, braucht mehr als warme Worte aus Berlin.

Sechs von zehn Punkten erledigt

Die WIN-Initiative läuft seit zwei Jahren und wollte von Anfang an privates Kapital für deutsche Start-ups mobilisieren, statt neue Fördertöpfe aufzulegen. Laut It Boltwise sind mittlerweile sechs von zehn geplanten Maßnahmen umgesetzt, die Initiative wechsle nun von der Aufbau- in die Skalierungsphase. Konkret sollen künftig gezielt institutionelle Investoren angesprochen werden: Stiftungen, Versicherungen, Pensionskassen und Konzerne, die bislang kaum in Wagniskapital investieren. Die KfW selbst spricht davon, dass am Ende bessere Finanzierungsbedingungen für junge Unternehmen, mehr Chancen für Investoren und ein starker Impuls für den Wirtschaftsstandort Deutschland stehen sollen. Das zusätzliche Geld soll nicht einfach nur fließen, sondern durch bessere Rahmenbedingungen, eine leistungsfähigere Marktinfrastruktur und stärkere Vernetzung der Beteiligten mobilisiert werden.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) begründet den neuen Anlauf mit einem strukturellen Problem: Start-ups zeigten immer wieder Innovationskraft am Standort Deutschland, es gelinge aber zu selten, diese Unternehmen hierzulande groß zu machen und dauerhaft zu halten. Deshalb würden die Rahmenbedingungen verbessert, damit vor allem mehr Wachstumskapital zur Verfügung stehe. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) formuliert das Ziel der nächsten Phase nüchterner: Es gehe darum, noch mehr Kapital für Deutschland zu gewinnen. Beide Ministerien handeln dabei nicht im luftleeren Raum, sondern auf Basis einer Koalitionsvereinbarung. SPD und Union hatten sich im gemeinsamen Koalitionsvertrag bereits darauf verständigt, mehr Wagniskapital zu mobilisieren. Die WIN-Initiative ist damit kein freistehendes Projekt einzelner Ministerien, sondern die operative Umsetzung eines politischen Versprechens, das schon zu Beginn der Legislaturperiode formuliert wurde.

US-Fonds zahlen die großen Runden

Der eigentliche Engpass liegt nicht bei kleinen Anschubfinanzierungen, sondern bei großen Wachstumsrunden. Bei größeren Summen sind deutsche Start-ups laut Ad Hoc News meist auf US-Investoren angewiesen, weil hiesige Großanleger nur begrenzt in Wagniskapital fließen lassen, unter anderem wegen strenger Vorschriften. Genau hier setzt die WIN-Initiative an: Sie will Versicherungen und Pensionskassen, die Milliardenbeträge verwalten, aber bisher konservativ anlegen, als Kapitalgeber gewinnen.

Martin Wald

Tech & Security

Martin Wald analysiert die Schnittstelle zwischen Geld, Macht und Alltag. Seine Themen reichen von Rente, Sozialstaat und Gesundheit bis zu Wirtschaft, Märkten und technologischen Umbrüchen. Er zerlegt politische Entscheidungen, Urteile und Trends auf ihre ökonomischen Folgen und macht sichtbar, wer gewinnt, wer verliert und wo Risiken liegen. Der Blick ist pragmatisch, pointiert und nutzenorientiert. Keine Wohlfühltexte, sondern Einordnung für Menschen, die verstehen wollen, wie Systeme funktionieren und was das für ihre Entscheidungen bedeutet.