Perm-Programm: Vance wirft Microsoft Visa-Missbrauch vor
Die US-Regierung schließt Microsoft, Adobe und weitere Konzerne vom Perm-Programm aus. Vance spricht von Missbrauch, Microsoft widerspricht und für ausländische Fachkräfte wird der Weg zur Green Card enger.
Vizepräsident JD Vance stellte sich am Donnerstag vor Journalisten in Washington hin und sagte, kein Unternehmen in den USA missbrauche das Visasystem so wie Microsoft. Es ist eine ungewöhnlich direkte Ansage an einen der wertvollsten Konzerne des Landes und sie hat Konsequenzen: Microsoft, Adobe sowie mehrere IT-Dienstleister wie Cognizant, Infosys, Tata, Wipro, HCL und Capgemini werden vom sogenannten Perm-Programm ausgeschlossen, wie heise berichtet.
Über dieses Verfahren können Unternehmen für Beschäftigte mit H-1B-Visum eine dauerhafte Green Card beantragen. US-Arbeitsminister Keith Sonderling sprach laut heise von „jahrzehntelangem Missbrauch“, Ermittlungen einer Task-Force seien vorausgegangen. Die Behörde kündigte an, von den betroffenen Unternehmen vorerst keine neuen Anträge auf dauerhaftes Bleiberecht für ausländische Mitarbeitende mehr anzunehmen.
Vorwurf: Entlassen und importiert
Vance zufolge entließ Microsoft im vergangenen Jahr 6.000 Beschäftigte in den USA, beantragte aber zeitgleich 6.300 H-1B-Visa und fast 3.000 Green Cards. „Rechnet man es nach, hat Microsoft für jeden entlassenen Mitarbeiter eineinhalb ausländische Vertragsknechte angeheuert“, sagte Vance laut WirtschaftsWoche.
Microsoft widerspricht: Rund 80 Prozent der rund 6.000 H-1B-Anträge im vergangenen Geschäftsjahr hätten lediglich den Status bereits beschäftigter Mitarbeiter verlängert oder verändert, erklärte der Konzern demnach. Auch die übrigen Anträge beträfen Menschen, die sich bereits legal in den USA aufhielten. Pikant: Beim Stellenabbau waren vor allem Management-Posten betroffen, während ausländische H-1B-Beschäftigte überwiegend als Programmierer arbeiten, wie n-tv einordnet. Microsoft betonte zudem, ausländische Mitarbeitende würden genauso bezahlt wie ihre US-Kolleginnen und -Kollegen.
Folgen für internationale Fachkräfte
Für Tech-Fachkräfte aus Deutschland und Europa mit US-Ambitionen verschärft der Ausschluss eine ohnehin enge Lage. Wer bislang über ein H-1B-Visum bei Microsoft oder Adobe auf eine Green Card hoffte, verliert diesen Pfad vorerst. Knapp drei Viertel aller H-1B-Visa gehen laut WirtschaftsWoche an Staatsangehörige aus Indien, entsprechend trifft die Entscheidung auch indische IT-Dienstleister wie Infosys und Wipro direkt.
Laut heise entfielen in den Jahren 2023 und 2024 über 70 Prozent der genehmigten H-1B-Visa auf indische Staatsbürger, nur gut 11 Prozent auf chinesische. Zugleich kündigte Vance demnach an, mehrere Elite-Universitäten wie Harvard, Yale, Stanford und das MIT wegen des Einsatzes von J-1-Austauschvisa für ausländische Forschende zu untersuchen. Der Vorwurf: Hochschulen nutzten das Visum, um billigere Arbeitskräfte zu beschäftigen und Löhne zu drücken.
Timing vor den Midterms
Die Offensive fällt in eine Phase politischer Zuspitzung: Anfang November wählen die USA ein neues Repräsentantenhaus, Umfragen deuten demnach auf schlechte Werte für Trumps Republikaner hin. Vance nutzte den Auftritt, um Demokraten pauschal als „Sozialisten“ zu framen, die amerikanische Beschäftigte durch Ausländer ersetzen wollten.
Bemerkenswert ist der Kontrast: Wenige Stunden nach der Attacke auf Microsoft zeichnete Trump Konzernchef Satya Nadella mit der National Medal of Technology and Innovation aus, ohne die Visa-Vorwürfe zu erwähnen. Fünf der sechs Geehrten wurden im Ausland geboren, Nadella selbst kam einst mit einem H-1B-Visum in die USA, ebenso wie Google-Chef Sundar Pichai, wie berichtet.
Business Punk Check
Belegt ist der Konflikt selbst: Die Trump-Regierung sperrt Microsoft und Adobe vom Perm-Programm, Vance liefert konkrete Zahlen zu Entlassungen und Visa-Anträgen, Microsoft widerspricht mit eigenen Prozentangaben zur Verwendung der H-1B-Anträge. Beide Seiten liefern Fakten, keine Deckung gibt es bislang für eine klare Kausalität zwischen Entlassungen und Visa-Vergabe.
Offen bleibt, wie lange der Ausschluss gilt und ob er juristisch Bestand hat, ähnlich wie zuvor die vorläufig gestoppte 100.000-Dollar-Gebühr für H-1B-Visa. Für europäische Fachkräfte mit US-Plänen heißt das: Planungssicherheit sieht anders aus, solange Einwanderungspolitik und Wahlkampf so eng verzahnt bleiben.
Auf einen Blick
- Die US-Regierung schließt Microsoft, Adobe und mehrere IT-Dienstleister vom Perm-Programm für Green-Card-Anträge aus.
- Vizepräsident JD Vance wirft Microsoft vor, 6.000 Beschäftigte entlassen und zugleich 6.300 H-1B-Visa sowie fast 3.000 Green Cards beantragt zu haben.
- Microsoft kontert, 80 Prozent der Anträge hätten lediglich bestehende Visastatus verlängert oder verändert.
- Zusätzlich kündigte Vance Untersuchungen gegen Elite-Universitäten wegen J-1-Austauschvisa an.
- Die Offensive fällt in den Wahlkampf vor den Midterms Anfang November.
Quellen: Heise, WirtschaftsWoche, n-tv.de, KI-unterstützt