Work Hard · Corporate Design

Schluss mit Maschinenbau-Mief: Voith erfindet sich neu

Schluss mit Maschinenbau-Mief: Voith erfindet sich neu
KI-generiert
Erschienen
Lesezeit3 Min · 570 Wörter

160 Jahre Industriegeschichte, 21.000 Mitarbeiter und jetzt ein radikaler Marken-Reset: Der Technologiekonzern Voith krempelt mit Mutabor seinen Auftritt um. Weg vom angestaubten Maschinenbau-Image, hin zur digitalen Technologiemarke – und dafür gibt es gleich einen Red Dot Award 2026.

Maschinen bauen reicht längst nicht mehr. Wer heute international mitspielen will, muss auch als Marke liefern – und genau deshalb verpasst sich der deutsche Industriegigant Voith eine neue Identität.

Alte Industrie, neue Spielregeln

Papiermaschinen, Schiffsantriebe, Wasserkraftwerke: Voith bewegt seit fast 160 Jahren die Industrie. Doch technische Exzellenz allein zieht im globalen Wettbewerb längst nicht mehr. Software, digitale Services und intelligente Gesamtlösungen bestimmen zunehmend, wer vorne mitspielt. Für den Familienkonzern mit 4,8 Milliarden Euro Umsatz und Standorten in über 60 Ländern bedeutet das: Die Marke muss endlich zeigen, was technologisch längst Realität ist. Gemeinsam mit der Hamburger Markenagentur Mutabor hat Voith deshalb seinen gesamten Markenauftritt neu aufgestellt.

Drei Sparten, eine Ansage

Turbo, Hydro und Paper: Drei Konzernbereiche, unterschiedliche Märkte, eine gemeinsame Identität. Was nach einem klassischen Corporate-Design-Projekt klingt, ist tatsächlich eine strategische Herausforderung. Denn die drei Geschäftsbereiche sollen eigenständig bleiben und trotzdem als ein Technologiekonzern wahrgenommen werden. Mutabor entwickelte dafür ein flexibles Markensystem, das digitale und analoge Anwendungen verbindet. Die Botschaft: Schluss mit dem Nebeneinander, her mit einer starken gemeinsamen Identität.

Das V wird zur Kampfansage

Herzstück des neuen Designs ist der sogenannte V-Vektor. Ein dynamisches Markenelement, das Bewegung symbolisiert und sich je nach Markt, Kampagne oder Anwendung verändern kann. Das traditionelle Voith-Blau bleibt, bekommt aber Gesellschaft von helleren, energiegeladenen Farben. Dazu kommen eine eigens entwickelte Schrift, eine präzisere Bildsprache und ein neuer sprachlicher Auftritt. Statt starrer Konzernästhetik setzt Voith auf ein Designsystem, das sich an unterschiedliche Kommunikationskanäle anpasst. Die industrielle Herkunft bleibt erkennbar, der Auftritt wird digitaler und flexibler.

Wer Talente will, muss auffallen

Der Markenumbau ist mehr als ein optisches Update. Gerade im Maschinenbau entscheidet die Außenwirkung zunehmend darüber, ob Unternehmen als innovative Technologieanbieter wahrgenommen werden. Und ob sie die Ingenieure und Digitaltalente gewinnen, die sie dringend brauchen. „Eine starke Marke ist zudem einer der wirksamsten Hebel, um im Wettbewerb um Fachkräfte und Ingenieurstalente als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden“, erklärt Katharina Städele, Strategy Director bei Mutabor. Die Botschaft dahinter ist klar: Wer nach außen wie gestern aussieht, hat es schwerer, die Köpfe von morgen zu gewinnen.

Red Dot statt Retro-Look

Dass die Transformation gestalterisch funktioniert, bestätigt der Red Dot Award 2026 in der Kategorie Corporate Design & Identity. Für Voith-CEO Dirk Hoke ist die Auszeichnung ein Signal, dass Tradition und technologischer Aufbruch zusammenpassen. „Wir haben unserer Marke neue Energie gegeben – mutiger und mit klarem Blick nach vorne“, sagt Hoke. Auch Mutabor sieht in dem Projekt ein Beispiel dafür, wie sich ein globaler B2B-Konzern modernisieren kann, ohne seine Wurzeln aufzugeben.

Der neue Look muss jetzt liefern

Gestartet wurde die Transformation im Juli 2025, der interne Launch folgte im Oktober. Seit Ende März 2026 ist der neue Auftritt öffentlich sichtbar und wird schrittweise weltweit ausgerollt. Für Mutabor ist das Projekt ein weiterer großer B2B-Etat, für Voith eine strategische Neupositionierung. Doch ein preisgekröntes Design allein macht noch keinen digitalen Champion. Entscheidend wird sein, ob der neue Markenanspruch auch im Geschäft, bei Kunden und im Wettbewerb um Talente spürbar wird. Denn am Ende gilt auch für einen Industriegiganten: Wer Zukunft verspricht, muss Zukunft liefern.

Günther Suchy

Head of Digital Editorial

Günther Suchy ist bei Business Punk Head of Digital Editorial. Daneben ist der promovierte Volkswirt Professor für Kommunikation und Journalismus an der Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) am Campus Ravensburg – also einer, der die Medienwelt nicht nur lehrt, sondern lebt. Als gelernter Redakteur kennt er den Journalismus und die digitalen Medien jenseits des Elfenbeinturms: An der DHBW Ravensburg leitet das Hochschulradio „Das kleine U-Boot“, baut crossmediale Ausbildungs- und Produktionsformate auf und hält dabei immer den Finger am Puls der Branche. Bevor er an die staatliche Hochschule nach Ravensburg kam, war Suchy unter anderem in der Unternehmenskommunikation von MAN und in leitenden Funktionen digitaler Medienprojekte tätig – sowie als Online-Redaktionsleiter der Automotive-Formate bei Motorvision (DSF). Seine Lehr- und Forschungsprojekte bringen ihn immer wieder an Universitäten und Hochschulen in aller Welt, u.a. nach Shanghai/China, Chile oder Marrakesh/Marokko. Im Königreich Bhutan lehrte er 2024 und 2025 am Royal Thimpu College und gab Seminare am Nationalen Olympischen Komitee zum Thema „Nachhaltigkeitskommunikation im Sport“. An der Universität Durban in Südafrika unterrichtet er regelmäßig das Thema "Green Startups" und vermittelt in Praxis-Workshops Know-how zu innovativen Gründerthemen. Zwischen Subkultur, Startup-Mindset und System fühlt er sich zu Hause – und genau aus dieser Perspektive schreibt er für Business Punk.