Schluss mit Maschinenbau-Mief: Voith erfindet sich neu
160 Jahre Industriegeschichte, 21.000 Mitarbeiter und jetzt ein radikaler Marken-Reset: Der Technologiekonzern Voith krempelt mit Mutabor seinen Auftritt um. Weg vom angestaubten Maschinenbau-Image, hin zur digitalen Technologiemarke – und dafür gibt es gleich einen Red Dot Award 2026.
Maschinen bauen reicht längst nicht mehr. Wer heute international mitspielen will, muss auch als Marke liefern – und genau deshalb verpasst sich der deutsche Industriegigant Voith eine neue Identität.
Alte Industrie, neue Spielregeln
Papiermaschinen, Schiffsantriebe, Wasserkraftwerke: Voith bewegt seit fast 160 Jahren die Industrie. Doch technische Exzellenz allein zieht im globalen Wettbewerb längst nicht mehr. Software, digitale Services und intelligente Gesamtlösungen bestimmen zunehmend, wer vorne mitspielt. Für den Familienkonzern mit 4,8 Milliarden Euro Umsatz und Standorten in über 60 Ländern bedeutet das: Die Marke muss endlich zeigen, was technologisch längst Realität ist. Gemeinsam mit der Hamburger Markenagentur Mutabor hat Voith deshalb seinen gesamten Markenauftritt neu aufgestellt.
Drei Sparten, eine Ansage
Turbo, Hydro und Paper: Drei Konzernbereiche, unterschiedliche Märkte, eine gemeinsame Identität. Was nach einem klassischen Corporate-Design-Projekt klingt, ist tatsächlich eine strategische Herausforderung. Denn die drei Geschäftsbereiche sollen eigenständig bleiben und trotzdem als ein Technologiekonzern wahrgenommen werden. Mutabor entwickelte dafür ein flexibles Markensystem, das digitale und analoge Anwendungen verbindet. Die Botschaft: Schluss mit dem Nebeneinander, her mit einer starken gemeinsamen Identität.
Das V wird zur Kampfansage
Herzstück des neuen Designs ist der sogenannte V-Vektor. Ein dynamisches Markenelement, das Bewegung symbolisiert und sich je nach Markt, Kampagne oder Anwendung verändern kann. Das traditionelle Voith-Blau bleibt, bekommt aber Gesellschaft von helleren, energiegeladenen Farben. Dazu kommen eine eigens entwickelte Schrift, eine präzisere Bildsprache und ein neuer sprachlicher Auftritt. Statt starrer Konzernästhetik setzt Voith auf ein Designsystem, das sich an unterschiedliche Kommunikationskanäle anpasst. Die industrielle Herkunft bleibt erkennbar, der Auftritt wird digitaler und flexibler.
Wer Talente will, muss auffallen
Der Markenumbau ist mehr als ein optisches Update. Gerade im Maschinenbau entscheidet die Außenwirkung zunehmend darüber, ob Unternehmen als innovative Technologieanbieter wahrgenommen werden. Und ob sie die Ingenieure und Digitaltalente gewinnen, die sie dringend brauchen. „Eine starke Marke ist zudem einer der wirksamsten Hebel, um im Wettbewerb um Fachkräfte und Ingenieurstalente als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden“, erklärt Katharina Städele, Strategy Director bei Mutabor. Die Botschaft dahinter ist klar: Wer nach außen wie gestern aussieht, hat es schwerer, die Köpfe von morgen zu gewinnen.
Red Dot statt Retro-Look
Dass die Transformation gestalterisch funktioniert, bestätigt der Red Dot Award 2026 in der Kategorie Corporate Design & Identity. Für Voith-CEO Dirk Hoke ist die Auszeichnung ein Signal, dass Tradition und technologischer Aufbruch zusammenpassen. „Wir haben unserer Marke neue Energie gegeben – mutiger und mit klarem Blick nach vorne“, sagt Hoke. Auch Mutabor sieht in dem Projekt ein Beispiel dafür, wie sich ein globaler B2B-Konzern modernisieren kann, ohne seine Wurzeln aufzugeben.
Der neue Look muss jetzt liefern
Gestartet wurde die Transformation im Juli 2025, der interne Launch folgte im Oktober. Seit Ende März 2026 ist der neue Auftritt öffentlich sichtbar und wird schrittweise weltweit ausgerollt. Für Mutabor ist das Projekt ein weiterer großer B2B-Etat, für Voith eine strategische Neupositionierung. Doch ein preisgekröntes Design allein macht noch keinen digitalen Champion. Entscheidend wird sein, ob der neue Markenanspruch auch im Geschäft, bei Kunden und im Wettbewerb um Talente spürbar wird. Denn am Ende gilt auch für einen Industriegiganten: Wer Zukunft verspricht, muss Zukunft liefern.