Smart City Index: Stuttgart entthront München um 0,8 Punkte
Mittelfeld überholt mit KI-Tools
Die spannendsten Bewegungen passieren nicht an der Spitze, sondern im Mittelfeld. Erlangen verbessert sich um 19 Plätze auf Rang 56, weil die Stadt inzwischen 100 Prozent der abgefragten OZG-Leistungen digital anbietet, eine verbindliche digitale Terminbuchung in Bürger- und Gewerbeamt eingeführt hat und bei internen Prozessen sowie Bezahlvorgängen die volle Punktzahl erreicht. Hildesheim verbessert sich ebenfalls um 19 Plätze auf Rang 60, unter anderem durch Künstliche Intelligenz in allen Ämtern, eAkte und Dokumentenmanagement, dazu digitale Wärmeplanung und ausgebaute Ladeinfrastruktur.
Mönchengladbach steht mit Rang zwölf erstmals in den Top 20 und verbessert sich in der Kategorie Mobilität um 24 Plätze, angetrieben von KI-basierter Verkehrssteuerung, einem digitalen Verkehrsschildkataster und WLAN im öffentlichen Nahverkehr. Auch Bremen setzt seinen Aufstiegskurs fort und klettert um 13 Plätze auf Rang 29, die beste Platzierung, die die Stadt im Smart City Index je erreicht hat, binnen zwei Jahren ging es von Platz 71 auf Platz 29. Diese Städte zeigen: Digital Disruption in der Verwaltung ist kein Zukunftsversprechen mehr, sondern läuft bereits produktiv.
Wer bremst, verliert Boden
Umgekehrt zeigt der Index, wie schnell Stillstand bestraft wird. Paderborn und Heilbronn verlieren je 16 Plätze, ebenso Koblenz, das um denselben Wert auf Rang 59 zurückfällt. Dresden rutscht binnen weniger Jahre von einem Top-10-Platz 2023 auf Rang 30 ab. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst bringt es auf den Punkt: „Digitalisierung hat in vielen Rathäusern den Sprung von der Projektarbeit zur Daueraufgabe geschafft. Das bedeutet aber auch: Wer ein Jahr nur ein bisschen auf die Bremse tritt, verliert“, so Wintergerst laut Bitkom.
Wichtig für die betroffenen Kommunen: Wintergerst relativiert den Absturz auch, denn „Städte, die zurückfallen, sind in der Regel aber nicht weniger digital als vorher, nur die anderen sind an ihnen vorbeigezogen.“ Schlusslicht bleibt Remscheid mit 47,3 Punkten, knapp davor Salzgitter mit 52,9 Punkten. Viele Best-Practice-Projekte, etwa Dortmunds Klima-Messnetz mit 76 Stationen im gesamten Stadtgebiet oder Solingens Krisen-App SMARTKRIS, entstanden in befristeten Förderprogrammen des Bundes, die nun auslaufen. Ohne dauerhafte Finanzierung drohen genau die Innovationen zu versanden, die aktuell für Aufstiege sorgen.
Business Punk Check
KI in der Verwaltung klingt nach Buzzword-Bingo, ist in Erlangen und Hildesheim aber messbar produktiv: volle Punktzahl bei digitalen Bürgerservices, KI-gestützte Aktenverwaltung im Alltagseinsatz. Das ist kein Hype, das ist Betrieb. Die unbequeme Wahrheit: Der Unterschied zwischen Platz zwölf und Platz 45 entsteht nicht durch spektakuläre Leuchtturmprojekte, sondern durch stures Durcharbeiten aller Themenbereiche. Wer als Kommune oder Unternehmen auf ein einzelnes Prestigeprojekt setzt, wird von Städten überholt, die langweilige Basisarbeit konsequent digitalisieren. Für Entscheider heißt das: Vor der nächsten Digital-Strategie sitzt die härtere Frage, ob befristete Förderlogik durch dauerhafte Infrastruktur ersetzt wird, sonst verpufft der Aufholeffekt in wenigen Jahren wieder.
Auf einen Blick
- Stuttgart löst München mit 92,8 von 100 Punkten als digitalste deutsche Großstadt ab, laut Bitkom liegt die Stadt als einzige in allen fünf Themenbereichen unter den Top Ten.
- Erlangen und Hildesheim verbessern sich um je 19 Plätze, unter anderem durch vollständig digitale OZG-Leistungen und den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Ämtern.
- Paderborn, Heilbronn und Koblenz verlieren jeweils 16 Plätze, Dresden rutscht von einer früheren Top-10-Platzierung auf Rang 30 ab.
- Viele Vorzeigeprojekte stammen aus befristeten Förderprogrammen des Bundes, die auslaufen, eine dauerhafte Finanzierung gilt als offene Frage.
Quellen: Bitkom, Tagesschau, KI-unterstützt