Theresa Lachner gibt Tipps zur Abwehr von Pick-up-Artists

“Dan the Man“ nennen ihn seine Kumpels aus dem Pick-up-Forum, und irgendwie scheint noch nicht zu ihm durchgedrungen zu sein, dass ein Coworking-Space nicht der allerbeste Ort für sein Game ist. Denn während ich eigentlich ganz gerne mein „Welche Pizza entspricht deinem wahren Ich?“-Quiz weitermachen würde, um die gearbeitete Zeit meinem Kunden später als „Recherche“ in Rechnung zu stellen, baut sich Dan the Man unübersehbar vor meinem Laptop auf und präsentiert seinen mageren Brustpelz im zu tief ausgeschnittenen Shirt von American Apparel.

„Hey, coole Brille, hat dir schon mal wer gesagt, dass du damit aussiehst wie ne Eule?“ Bei wohlerzogeneren Haustieren und Menschen führt mein antwortender Todesblick normalerweise dazu, dass sie in eine Ecke gehen, um dort leise zu sterben. Aber Dan the Man kommt erst richtig in Fahrt. „Hey, jetzt hab dich mal nicht so, verstehst du etwa keinen Spaß oder was? So unentspannt siehst du gar nicht aus!“

Wo er recht hat, hat er recht. An meinem löchrigen Spice-Girls-Shirt, in dem ich auch schon gepennt habe, kleben noch vereinzelt Müslireste. Allerhöchstens HB4 auf der Zehn-Punkte-Hot-Babe-Skala heute. Ich schätze, es waren die „Jippieyaygay“ und „My Pussy, My Rules“-Aufkleber auf meinem Macbook, die ihn jetzt irgendwie herausgefordert haben.

„Wenn einen ein Vertreter der Herrenrasse anspricht, kann man doch schon mal aufgeregt sein, oder nicht?“, flöte ich mit großen Augen zurück. „Passiert schließlich nicht alle Tage, dass einem mal wieder ein echter Mann begegnet und nicht nur so ein verweichlichter Gender-Beta!“ Dass ich so leicht mein Bitch-Shield runterfahre, scheint Dan the Man jetzt doch zu verwirren, denn er vergisst spontan, mir zu widersprechen. „Mein Reden, Mann! Kein Minderheitenbonus für die Opferlobby! Wir Männer haben uns lange genug alles gefallen lassen. Ich sach ja immer: Make Männlichkeit great again!“

Marry: Nee sorry, grad nicht. Bin viel zu beschäftigt damit, die eine oder andere Kernfamilie zu bedrohen.

Fuck: „Hey, du bist Sexkolumnistin? Von dir kann man im Bett ja bestimmt noch krasse Lifehacks lernen!“ Ja, lieber Dan, ich bin ja auch von Beruf quasi die Volkshochschule. Basismodul zwei: Geschlechtsverkehr, dritte Einheit: weibliche Libido effizient zum Versiegen bringen. Schritt eins: Bilder von sich selbst mit einem Auto posten. Schritt zwei: Bild selbst liken. Schritt drei: dieser Satz. Ehrlich gesagt, ist mir der Orgasm-Revenue bei diesem Skillshare einfach zu low. Repräsentative Längsschnittuntersuchungen haben nämlich erwiesen, dass 98 Prozent aller Aufreißer bei Sexkolumnistinnen keine zielführende Erektion bekommen, weil ihr männliches Ego zu eingeschüchtert ist. Die übrigen zwei Prozent lügen.

Kill: Dan, willst du meinen „Welche Pizza entspricht deiner Persönlichkeit?“-Test fertig machen? Ich kann dir die Lösung allerdings auch schon einfach so verraten: Pizza Wurstel.

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Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 04/2017. Titelgeschichte: FDP-Chef Christian Lindner und der radikale Relaunch seiner Partei. Mehr Infos gibt es hier.


Theresa Lachner

Auf lvstprinzip.de beschäftigt sich die Sex-Bloggerin mit allerlei Zwischenmenschlichem. Wie man zumindest im Bett besser miteinander klarkommt, beschreibt sie in ihrem Buch “Kommen mit Stil“.

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