Sieben Gründe warum das Leben als Gangster die beste Karriereoption ist

Be evil! Unser Kolumnist Peter Wittkamp hat erkannt, dass Neuköllner Gangster die unbestritten besten Arbeitgeber sind.

Neulich habe ich mir die Gangsterballade „4 Blocks“ angeschaut. Eine außergewöhnliche Serie: Denn sie spielt in Neukölln, aber das Wort „Craft Beer“ kommt nicht ein einziges Mal vor!

Während der knapp sechs Stunden mit der Serie, in denen ich mir als Neuköllner Neukölln angesehen habe, ohne vor die Tür gehen zu müssen (Topkriterium für Großstadtgefühle: Die Serie, die du schaust, spielt vor deiner Haustür), fiel mir jedoch etwas auf:

Werden Arbeitnehmer nach den Kriterien gefragt, die für sie einen guten Job ausmachen, kristallisieren sich immer wieder dieselben Aspekte heraus – und ein Job als Gangster erfüllt ziemlich viele dieser Aspekte! Vielleicht sogar mehr als eine Anstellung bei Google, BMW oder McKinsey. Gehen wir ein paar dieser Kriterien durch. Nämlich:

Überdurchschnittliche Bezahlung

Muss man nicht lange drüber reden. In einer Branche, die nichts unter einem Audi A8 als Firmenwagen akzeptiert, stimmt die Kohle. Noch besser: Durch Strecken von Kokain oder die Übernahme unbeliebter Jobs sind jederzeit Extraverdienste für motivierte Mitarbeiter möglich.

Sicherer Arbeitsplatz

Die Branche existiert seit Tausenden von Jahren. Austausch der Fachkräfte durch Roboter muss nicht befürchtet werden. Umsätze sind beständig. Kurzum: Arbeitsplatz sehr sicher.

Durchlässige Strukturen innerhalb der Firma

Klar, irgendjemand muss der Boss sein. Aber wenn man sich bemüht, kann man sehr schnell aufsteigen. Für Quereinsteiger besonders interessant: Es werden immer mal wieder überraschend Stellen frei, die nachbesetzt werden müssen.

Weiterbildung und andere Programme

Nichts bleibt, wie es ist. Für die Mitarbeiter werden immer wieder spannende Weiterbildungsmaßnahmen angeboten (etwa Crashseminar Drogeneinkauf in den Niederlanden). Ebenfalls beliebt: Mitarbeiter, die gehäuft Fehler machen oder einfach ein bisschen ausgelaugt sind, können in einem staatlich geförderten Erholungsprogramm wieder Kraft tanken. Nicht selten sogar mehrere Jahre. Zudem wird den Angestellten eine stetige, kostenlose Rechtsberatung durch einen versierten Familienanwalt angeboten.

Flexible Arbeitszeiten

Absolut. Dass morgens um sieben Uhr ein Wecker klingelte und ein schlecht gelaunter Gangster sich missmutig aus dem Bett quälte („Schatz, ich muss los: Das Marihuana kommt heute schon um acht Uhr.“), kam in der Serie kein einziges Mal vor. Stattdessen: ab mittags entspannt durch Berlin schlendern, kurz einen Gastronomen bedrohen, danach erst mal gemütlich in der Shisha-Bar abhängen. Es gibt Schlimmeres. Gut, man wird ab und an noch mal nach der „Tagesschau“ spontan zur Arbeit gerufen – aber da geht es dann meist um spaßige Dinge: Rocker verprügeln, durch Berlin cruisen oder ein Meeting im Nachtclub.

Angenehme Arbeitsabläufe

Apro pos Meeting! Auf quälend lange Besprechungen wird in der Branche eher verzichtet. Kurzes Zusammentreffen, klare Entscheidungen („Das wird gerächt“). Außerdem löblich: konsequenter Verzicht auf Powerpoint-Präsentationen. Zudem werden Arbeitsabläufe nicht durch Dutzende Slack-Gruppen oder Hunderte von E-Mails (Betreff: Re: AW: Re: AW: Situation unserer Dealer am Görli) behindert. Stattdessen: Fokussierung auf kurze SMS oder Whatsapp. Das ist schlank, das ist agil, das ist die Zukunft.

Jeder Tag ein Casual Friday

Auch beim Thema Business-Outfit werden keine allzu strengen Vorschriften gemacht. Der eine mag das Sakko lieber, der andere die Jogginghose, ein Dritter trägt durchgängig Sonnenbrille. Alles kein Problem.

Du siehst, der Traumjob liegt förmlich auf der Straße. Für Bewerbungen einfach in die nächste zwielichtige Spelunke begeben und einmal „Welcher Depp hat denn in diesem Drecksloch das Sagen?“ rufen. Viel Erfolg.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 06/2017 mit unserer Watchlist 2018: Einhundert Gründer, Macher, Kreative, von denen du im kommenden Jahr hören wirst.  Mehr Infos zum gesamten Heft gibt es hier.


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