Warum Workaholics Unternehmen schaden

Mit Workaholics ist das so eine Sache. Irgendwie umgibt sie eine destruktive Aura – ihre Bezeichnung hat nicht ohne Grund eine pathologische Endung. Auch wiederum wahr: Man hat sie doch gerne im Team. Sie schaffen was weg. Ackern wie Zwei. So lange sie es nicht übertrieben und geistig Amok liefen, waren sie lange unsere stillen Vorbilder. Aber in Zeiten von offenen Debatten um Burn-out durch zu viel Arbeit und auch eines Wertewandels, was die vielzitierte Work-Life-Balance betrifft, wendet sich das Blatt. Workaholics sind nicht mehr en vogue. Zu recht. Denn Betroffene schaden nicht nur sich selbst, sondern auch dem Unternehmen. Hier kommen ein paar Gründe, weshalb.

Die Company, c’est moi

Workaholics sind vom eigenen Erfolg besessen. Ihr Selbstwertgefühl steht und fällt mit den Ergebnissen, die sie abliefern. Deshalb sind sie auch daran interessiert, maximale Kontrolle über ihre Arbeit zu haben. In einem Team muss man sich aber auf die Leistung seiner Kollegen verlassen – und damit tun sich Workaholics schwer. Mit paranoiden Augen schielen sie auf die vermeintliche Mittelmäßigkeit ihrer Kollegen. Wer pünktlich Feierabend macht, ist nur halb engagiert. Diese Paranoia, dieses Misstrauen ist Gift für jede Teamarbeit.

Keine gute Investition

Workaholics sind kein guter ROI. Kurzfristig hängen sie sich richtig rein und sind produktiver als viele andere. Aber ihre permanente Höchstleistung und Aufopferung reißt irgendwann Risse in die eigene Substanz. Ständig on Fire, dauernd Überstunden, kein Abschalten – Workaholics werden so zu tickenden Zeitbomben. Früher oder später gehen sie in die Luft und verabschieden sich in den Burn-out. Langfristig sind sie daher ein schlechtes Investment. Klar ist aber auch: Unternehmen stehen hier ebenso in der Pflicht. Sie müssen rechtzeitig die Zeichen erkennen und gegensteuern.

Arbeiten ist keine Therapie

Workaholics haben offensichtlich ein Problem. Durch beruflichen Erfolg versuchen sie persönliche Krisen oder fehlende Bestätigung im Privatleben zu kompensieren. Das ist menschlich zwar nachvollziehbar, aber fachlich gesehen eine Fehlentwicklung. Workaholics tun daher gut daran, wenn sie sich genauso selbstverständlich auf das Sofa eines Therapeuten schmeißen wie sie abends das Fitness Studio entern. Psychische Issues sind längst keine Tabus mehr. Und auch Unternehmen profitieren davon: Ausgelassene Mitarbeiter sind kreativer und gesünder.

Workaholics nerven – spätestens bei der Betriebsfeier

Und zu guter Letzt: Workaholics sind einfach nur nervig. Trifft man sie mal außerhalb des Büros, kreisen ihre Monologe zu oft um Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ständig reden sie von Projekten, Deadlines und natürlich jeder Menge Stress. Und mit Nachdruck suchen sie dabei in unseren Augen nach Anerkennung und Wertschätzung. Sorry. Wir sind dann mal raus – und kümmern uns in der Zwischenzeit um Leben jenseits von Beruf und Karriere.

Lange Rede kurzer Sinn?

Wir alle liefern gerne ab und performen to the Max. Nur: Wir alle brauchen Abstand und Ausgleich, um am nächsten Tag (und auch in Zukunft) wieder richtig abliefern zu können. Deshalb: Der Workaholic muss sterben, damit wir wirklich performen können.

 


René Krempin

René hat irgendwas mit digitalen Medien studiert, sollte also für die Zukunft bestens gewappnet sein. Nach mehreren anderweitigen, aber misslungenen Berufsorientierungen musste er endgültig einsehen: Journalismus ist und bleibt leider geil. In seiner Freizeit verbringt er am liebsten jede Minute auf dem Bolzplatz.

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