Elf Punkte, wie die Zusammenarbeit mit Digitalnomaden klappt

Betahaus-Gründer Christoph Fahle weiß: Remote Worker und Digitalnomaden können großartige Mitarbeiter sein, solange man auf ein paar Besonderheiten achtet. Hier erklärt er, welche das sind.

1.

Das Klischee: Digitalnomaden reisen permanent, heute Bangkok, morgen Schanghai, arbeiten nur, wenn man Lust hat – oder Geld braucht. Klar, gibt es solche. Bei der Mehrheit aber handelt es sich um Leute, die eine neue Idee von Sesshaftigkeit haben, dabei aber so diszipliniert arbeiten wie Nine-to-five-Angestellte.

2.

Das heißt nicht, dass Digitalnomaden nine to five erreichbar sind. Wer mit Remote Workern zusammenarbeitet, muss auf kompatible Zeitzonen achten. Es sollte einen minimalen Overlap von zwei Stunden am Tag geben, für Live-Zusammenarbeiten und Besprechungen. Länger will eh keiner in Meetings hocken.

3.

Grundsätzlich sind Digitalnomaden sehr gut organisierte Menschen, die ein hohes Maß an Unabhängigkeit anstreben und ihren Tag gerne selber einteilen. Ziele sollten darum klar und verbindlich kommuniziert werden, die Zeiteinteilung ihnen aber selbst überlassen werden.

4.

Doch selbst wenn das geregelt ist, kann die Zusammenarbeit zwischen Digitalnomaden und ihren Bürokollegen Quelle für Konflikte werden. Remote Work erfordert Leistungsmessung nicht in Stunden, sondern am Arbeitsergebnis. In Firmen, wo es unüblich ist, dass Mitarbeiter kommen und gehen, wann sie wollen, führt das oft zum kulturellen Clash zwischen Remote Workern und Präsenzmitarbeitern.

5.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, findet Digitalnomaden eher nicht auf den klassischen Recruitingplattformen. Ist aber kein Problem, denn sie haben mit Plattformen wie Upwork oder der Remote-Jobs-Börse von DNX ihre eigenen Stellenmärkte.

6.

Digitalnomaden leben dort, wo das Wetter gerade gut ist. Für die Zusammenarbeit heißt das, ihre Zyklen im Jahresplan zu berücksichtigten. Projekte mit Präsenzzeit gehören in den Sommer, was remote erledigt werden kann, in den Winter.

7.

Digitalnomaden sind prinzipiell immer lernbereite Menschen – denen man allerdings nicht mit Vorträgen in neonbeleuchteten Konferenzräumen kommen sollte. Sie wollen Programme, bei denen deutlich ist, dass man sich als Teilnehmer nicht nur als Arbeitskraft, sondern als Person weiterentwickelt.

8.

Chefs aufgepasst (Gewerkschafter springen direkt zu Punkt 9): Digitalnomaden suchen finanzielle geografische Vorteile, um Steuern zu sparen und von Wechselkursvorteilen zu profitieren, zudem sind sie flexibel – aus Arbeitgebersicht also attraktive Auftragnehmer – und umgekehrt sind Firmen, die sich auf dieses Modell einlassen, interessante Auftraggeber für Digitalnomaden.

9.

Natürlich lassen sich nicht alle Jobs an Remote Worker outsourcen. Klassische Bereiche sind Webdevelopment, Design und SEO. Doch dank Skype und Cloud wird das Modell für immer mehr Dienstleistungsberufe möglich.

10.

Nach möglich kommt notwendig. Der Trend zu Remote Work ist ungebrochen und ortsunabhängiges Arbeiten eine Top-Priorität der meisten jungen Talente. Am Ende ist es egal, ob der Kollege ein paar Kilometer entfernt im Homeoffice sitzt oder am anderen Ende der Welt.

11.

Deutsche sind unter den Digitalnomaden stark vertreten. Optimale Voraussetzung für deutsche Unternehmen also, auf diesem Feld zu Pionieren hinsichtlich neuartiger Arbeitsmodelle sowie damit verbundener Dienstleistungen und Produkte zu werden.

Christoph Fahle
Der Gründer und CEO des Betahauses hat vor zehn Jahren mit seinem Team die ersten Coworking-Spaces in Berlin, Hamburg, Köln, Barcelona und Sofia gegründet. Mit seinem neuen Startup One Coworking bietet er eine Mitgliedschaft an, mit der man per App alle Spaces in einer Stadt oder einem Land nutzen kann und weltweit einen Platz zum Arbeiten findet. Zielgruppe sind Digitalnomaden, aber auch große Unternehmen, die ihre Workforce flexibilisieren wollen.

Dieser Beitrag stammt aus der aktuellen Ausgabe 02/2018. Darin porträtieren wir Lea-Sophie Cramer, Gründerin von Amorelie. Nach der Übernahme durch ProSiebenSat.1 soll sie die Konzerntochter zu einer Lifestylemarke ausbauen. Außerdem: Quiz-App HQ Trivia, Schauspieler Bryan Cranston, DJ-Gott David Guetta und wie immer viele weitere Geschichten. Mehr Infos gibt es hier.


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