Interview mit Wanda: „Ich will Sex mit David Bowie“

Herr Wanda, Herr Poppe, verzeihen Sie die direkte Frage, aber: Wie lebt es sich so als Sexsymbol?

Wanda: Das ist der Anfang vom Ende. Wenn man ein Sexsymbol ist, ist alles zerstört. Das lernt man aus der Rockgeschichte, das verschiebt alles in eine Welt, mit der wir nichts zu tun haben wollen. Ich will kein Sexsymbol sein – drauf geschissen!
Poppe: Da kann man ja auch nichts dafür. Da sind unsere Eltern dran schuld.
Wanda: Wir wollen einfach leben und lieben, und nicht angebetet werden oder so einen Scheiß!

Ihr Image als Wiener Charmebolzen in Lederjacken wirkt gleichzeitig authentisch und ironisch. Wie sind Sie nun wirklich und tatsächlich?

Wanda: Wir haben alle sieben Gesichter, natürlich rede ich mit einem Polizisten anders als mit einem Liebhaber. Was ist schon authentisch? Authentisch ist der, der sich am besten selber veräußern kann nach außen hin. Und dass Rock ’n’ Roll von Schein und Trug lebt, ist ja eh klar, da ist viel überzogen. Aber bei uns ist es überzogen, weil wir Lebensfreude zelebrieren, das ist der Drive.
Poppe: Wir sind keine Wirtschaftsstudenten, die sich gedacht haben „Ey, Rockband, das könnte ziehen“.
Wanda: Wer so denkt, der wird auch scheitern. Alles, was nicht tief empfunden ist, kommt nicht ans Tageslicht.

Hatten Sie denn zu Beginn Angst zu scheitern?

Poppe: Nein. Wir wussten, dass das tolle Lieder sind und dass es mehr Leute gut finden werden als schlecht. Diese innere Gewissheit war da.
Wanda: Man muss das differenzieren. Das ist ja etwas anderes, als wenn man sagt, man hat persönlich Angst um seine Zukunft. Man ist als Mensch ständig bemüht, die Angst vor der Zukunft zu bekämpfen. Ich glaube, das ist das Menschsein: vom Leben zwischen Angst und Gewissheit hin und her geschubst zu werden.

So viel Wiener Schmäh wie bei Wanda gab es vermutlich seit Falco im Pop nicht mehr. Haben Sie Sorge, dass sich das bald überlebt?

Wanda: Drauf geschissen! Wir machen genau so weiter! Wir bilden uns zumindest ein, eine telepathische Verbindung zu unserem Publikum zu haben, und ich glaube nicht, dass die von uns irgendwas anderes wollen als das, was wir tun.

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In Ihren Songs geht es ständig um Schnaps. Ihre Tipps für den Kater am nächsten Tag?

Poppe: Leberknödelsuppe! Oder ein Konterbier. Aber eigentlich ist das ein psychisches Ding. Natürlich tun einem die Haxen weh, aber das spielt sich im Kopf ab. Wenn man einen Kater hat, muss man nach vorne denken und sich nicht mit der Scheiße beschäftigen, die einem von hinten ausm Hirn quillt. Absolute Verleugnung von dem, was am Vortag passiert ist.
Wanda: Und man darf sich nicht schämen! Das ist das Erste, was man als Schweralkoholiker lernen muss. Man muss das Gewissen ignorieren.

Sie hatten unlängst eine Diskussion über Sexismus und Feminismus – ist das der Preis, wenn man sein Gewissen zu häufig ignoriert?

Wanda: Je bekannter wir werden, desto mehr Vollidioten erfahren unweigerlich auch von unserer Musik. Aus dem Indiekosmos kommt ständig Feedback, wo man sich denkt: „Du Idiot, du hast alles falsch verstanden!“ Uns wurde Frauenfeindlichkeit vorgeworfen, Nationalismus. Wir sind Machos, weil wir Lederjacken tragen. Es gibt Tage, da perlt das an einem ab, wie Wasser an einem Stetsonhut. Und es gibt Tage, da fährt’s halt voll ein, und man denkt sich: „Um Gottes willen, seid ihr alle verrückt?“ Die sind geistesgestört, dass sie in unsere schönen Geschichten irgendetwas Politisches reinlesen wollen. Und darum geht’s ja in Wahrheit: Die wollen alles politisieren, diese Vollidioten. Denen ist todlangweilig. Die kommen aus irgendwelchen bürgerlichen Häusern und fadisieren sich einfach. Kochen in ihrem langweiligen Saft, und dann wollen sie alles zerstören. Aber das ist alles okay, denn am Ende des Tages erinnere ich mich nur an das positive Feedback, was eine viel stärkere Kraft besitzt als das bisschen negative.

Pardon, Bewerbungsgesprächsfrage: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Wanda: Ich möchte mal Hochseefischen gehen. Und ich hab gehört, in England kann man das am besten. Also hoffe ich, in zehn Jahren in England zu sein und Hochseefischen zu gehen.
Poppe: Ich würde gerne mit einer Zeitmaschine ins Jahr 1976 – reisen und mit David Bowie Sex haben. Und ich möchte nicht mit 40 sterben, so wie Falco.


Julia Kopatzki

Julia hielt ein Germanistikstudium für eine gute Idee – großer Fehler. Publizistik hingegen ist super und so findet man sie jetzt bei Business Punk. Kann dir alles über deutsche Popliteratur und Kaffee erzählen, obwohl sie selber keinen trinkt. Trägt immer nur schwarz, dafür ist es im Kopf umso bunter.

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