Leadership & Karriere Out of Frame: So entstehen die Bilder für unsere Geschichten – Nikita Teryoshin

Out of Frame: So entstehen die Bilder für unsere Geschichten – Nikita Teryoshin

Hier erzählen unsere Fotografen, wie die Bilder für unsere Geschichten entstanden. Den Auftakt gibt Nikita Teryoshin. Seine Serie „Game of Chairs“ in unserem Politikdossier schaffte es auf die Shortlist des Henri-Nannen-Preises 2018.

Was bedeutet Fotografie für dich?

Sie ist eine universelle Sprache, mit der ich Menschen auf der ganzen Welt erreiche – ganz ohne Google Translator.

Warum hast du dich dafür entschieden?

Fotografie erinnert mich an Pilze sammeln. Manche Sammler rasen wie Elche durch den Wald und lassen prächtige Pilze unentdeckt stehen. Ich war schon immer fasziniert von dem Gefühl, etwas bemerkenswertes zu finden, das sich im Laub des Alltäglichen tarnt.

Erzähle uns von dem Shooting für Business Punk.

„Game of Chairs“ war eigentlich eine freie Arbeit und handelt vom Glanz und Elend der Bundesparteitage. Bei der CDU ging es damals darum, ob Frau Merkel wieder kandidieren wird. Neben dem eigentlichen Geschehen habe ich die technische Ebene der Übertragung dokumentiert. Unzählige Kabel, Antennen und Ü-Wagen auf dem Parkplatz. Manche Fernsehleute konnten nur schwer glauben, dass solche Aufnahmen relevant sein könnten. Dabei wollte ich die perfekte Inszenierung fürs Fernsehen mittels Fotografie demaskieren.

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Media Source: Nikita Teryoshin
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Ich wusste nicht, wie sehr die Bilder zunächst polarisieren würden. Viele waren von dem harten Blitz genervt. Ich bekam sogar private Nachrichten von Kollegen, die mir Lektionen im Blitzen erteilen wollten. Aber insgesamt war die Resonanz positiv, also bin ich drangeblieben und besuchte auch die Grünen, die Linken, die SPD und die FDP kurz vor den Wahlen. Für den AfD-Parteitag bin ich nicht akkreditiert worden.

Wen würdest Du noch gerne für uns shooten?

Helge Schneider.

Was sind deine Einflüsse?

In meinen Arbeiten versuche ich oft bestehende Systeme zu hinterfragen. Es geht um den Bruch im Bild. Inspiration kann aus allen möglichen Quellen stammen. Ich liebe die Songs von Reinald Grebe, eine Art von Humor, die ich gerne fotografisch bearbeite. Ich bin auch großer Fan dadaistischer Texte von Daniil Charms, die an Absurdität nicht zu überbieten sind.

Und fotografisch?

Fotografisch haben mich besonders die Arbeiten von Lars Tunbjörk, Martin Kollar und Bruce Gilden bewegt, aber auch die zeitgenössischen Street Fotografen, zum Beispiel Pau Buscato und Tavepong Pratoomwong. Und unbedingt Alexandra Höhn, die leider zu früh von uns gegangen ist. Ich liebe ihre offene, spielerische Art mit der Fotografie umzugehen.

Das perfekte Foto muss…

…wie alles Perfekte früher oder später langweilig werden.

Wie vermarktest du Dich?

Ich habe keine ausgeklügelten Vermarktungsstrategie. Bei Instagram folgen mir seit Jahren Leute aus der ganzen Welt, die an meiner Arbeit interessiert sind.

Wem folgst du auf Instagram? 

Ich folge einer ganzen Menge toller Fotografen, besonders hervorheben möchte ich „StreetRepeat“, ein unterhaltsamer Feed beliebter Street-Motive.

Was kannst Du an Deinem Beruf nicht leiden?

Die bürokratische Komponente, die die Selbstständigkeit mit sich bringt.

Welchen Rat würdest Du jungen Fotografen geben?

Der unglaublichste Rat kam vom dpa-Kollegen Sebastian Wells: „Eins hoch, eins quer – das ist nicht schwer.“ Ansonsten definitiv dranbleiben, sich nicht verbiegen und so wenig wie möglich auf Ratschläge hören.

Mehr Fotos von Nikita Teryoshin gibt es in unserer Geschichte über ein Startup, das an einer virtuellen Reeperbahn baut.

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