Poppig und trashig: Auch das zweite Album von “DENA“ bleibt schwer zu fassen

„Cash, Diamond Rings, Swimming Pools“ war ihr großer Hit und lief damals (2012) auf jeder Party rauf und runter. Nun folgt nach ihrem Debüt „Flash“ das zweite Album „If its written“. Wir haben Dena auf ein Interview getroffen.

Dena, du stammst aus Bulgarien und bist vor 15 Jahren zum Studieren nach Deutschland gezogen. Vermisst du deine Heimat manchmal?

Gerade eben war ich wieder in Bulgarien, und jetzt zieht mich überraschenderweise irgendwas dahin zurück. Ich weiß nicht genau, was es ist. Dabei war das eigentlich nie meine Absicht. Ich bin nicht mit der Idee nach Deutschland gekommen, danach wieder zurück nach Bulgarien zu gehen.

Wie war das so, in einem fremden Land komplett neu anzufangen?

Als ich damals nach Deutschland gekommen bin, war Handytelefonie superteuer, Flüge waren superteuer, Skype gab es nicht – da kam ich mir krass entwurzelt vor, als wenn ich in Japan leben würde. Am Anfang war ich kurz in Westdeutschland, in Mainz, und irgendwie kam ich mir da so copypasted vor. Ich weiß nicht, was das Problem war, wahrscheinlich hatte ich einen Kulturschock. Aber der Umzug nach Berlin war dann ein bisschen meine Rettung.

Inwiefern?

Weil ich in Berlin gleich viele Musiker und Künstler kennengelernt und gemerkt habe: Hier sind die ganzen Freaks, hier bin ich frei, hier kann ich sein, wer ich sein will, und einfach meine Songs schreiben.

Du bist mittlerweile in der Berliner Kreativszene fest verwurzelt, kennst dort viele, hast mit vielen zusammengearbeitet. Hat dieses Umfeld deine Musik beeinflusst?

Ich habe echt eine Weile gedacht, dass das überall funktionieren könnte, aber inzwischen glaube ich, dass es schon von Bedeutung ist, wo man ist. Unterbewusst spielt es auf jeden Fall eine Rolle. Ich glaube nicht, dass ich auf die Art und Weise inspiriert wäre, wenn ich in meiner Heimatstadt in Bulgarien wäre.

Wie ist die Musikszene in Bulgarien denn eigentlich so?

Ich glaube, ich hätte es da sehr schwer. Entweder es gibt Radio- und Majorleute oder Musiker, die Gigs auf Hochzeiten spielen. So eine Mittelvariante, eine Indieszene, gibt es nicht wirklich. Das sind nur ganz wenige Leute.

Deine Musik hat einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Wie ist dieser unverwechselbare Sound zustande gekommen?

Ich glaube, aus der Tatsache, dass ich keine klassische Ausbildung habe und auch kein Instrument richtig beherrsche. Ich denke nicht so viel darüber nach, sondern spiele nach Gehör, danach, ob es sich gut anfühlt für mich oder nicht. Meine Musik folgt keinen krassen Hitrezepten oder so, aber deswegen sind das auch keine Chartsongs. Das ist mehr so D.I.Y.-Pop.

Mitte September ist dein zweites Album „If It’s Written“ erschienen, das du größtenteils sogar selbst produziert hast. Wie kam es dazu?

Ich habe in den letzten Jahren gesehen, dass, wenn man Songs zu Produzenten bringt, die damit machen, was sie wollen. Ein Freund von mir hat mal gesagt, Produzieren ist wie Kleidung – man kann den Songs unterschiedliche Kleider anziehen. Für manche Leute ist das okay, denen ist nur wichtig, den Song geschrieben zu haben und zu performen, nicht so sehr, wie er klingt. Ich kann das voll verstehen, und es ist natürlich immer auch inspirierend, was andere Leute mit reinbringen. Aber über die Jahre habe ich gemerkt, dass ich immer nicht so happy bin, wenn ich mit meinen Demos zu externen Leuten gehe. Irgendwie hat mich das entfremdet von den Songs. Und bei diesem Album habe ich beschlossen, dass ich so nah an mir bleiben will wie möglich.

Und, richtige Entscheidung?

Das Album ist für mich ein Schritt in die Richtung, wie ich in Zukunft arbeiten will. Ich habe ein neues System für mich entdeckt. Und ich möchte mich jetzt auf jeden Fall viel mehr dem Produzieren widmen. Das hat super Spaß gemacht, und ich war so glücklich, als alles fertig war.

Könntest du dir vorstellen, auch für andere als Produzentin zu arbeiten?

Warum nicht, wenn sich das ergibt. Aber ich würde es erst mal nicht forcieren, denn ich möchte auch nicht für immer in einem Studio eingesperrt sein. Produzieren bedeutet nämlich, dass man viel alleine ist, das ist ein isolierter Prozess. Aber wer weiß, vielleicht drehe ich auch irgendwann Filme oder was weiß ich. Wenn viele Jahre vergehen und man immer ein und dasselbe Arbeitssystem hat, wird das schon ein bisschen langweilig. Ich würde mich selber challengen wollen, damit die Dinge interessanter und spannender werden.

Dann vielleicht doch zurück auf Anfang in Bulgarien?

Für eine Weile – vielleicht. Um ehrlich zu sein, bin ich inzwischen auch ultragelangweilt von Berlin. Ich muss mal die Kulisse wechseln.


Tanja Lemke

Tanja ist Redakteurin bei Business Punk. Wenn sie nicht gerade durch diverse asiatische Länder tingelt, kümmert sie sich hauptsächlich um die Lifestyle-Themen im Magazin. Glücklich machen sie Palmen, Podcasts und Popkultur.

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