Innovation aus Deutschland: Frank Thelen über die Vor-und Nachteile in Deutschland zu gründen

Frank Thelen ist Seriengründer und on top einer der bekanntesten Investoren Deutschlands. Gemeinsam mit seinem Team der von ihm gegründeten Investment-Gesellschaft Freigeist Capital fördert und begleitet er junge Unternehmensgründer. Mit seiner ersten Idee scheiterte er allerdings am Neuen Markt, entwickelte aber danach eine ziemlich erfolgreiche Fotosoftware, die er an Fujifilm verkaufte. Dieser Deal lieferte das Startkapital für seine Investmentgesellschaft Freigeist Capital. Bundesweit bekannt wurde er als Investor in der TV-Gründershow Die Höhle der Löwen. Ende August hat Thelen seine Autobiografie „Startup-DNA“ veröffentlicht. Wir haben mit dem Bonner über die Vor-und Nachteile gesprochen, in Deutschland zu gründen.

Immer mehr Menschen in Deutschland wollen ein Unternehmen gründen. Doch laut dem „Gründerreport 2018“ wagen die meisten den Schritt am Ende nicht. Was glauben Sie: Woran liegt das?

Ich glaube, gerade wir Deutschen lieben Sicherheit und gehen nicht gerne ins Risiko. Ein Startup zu gründen birgt aber immer ein gewisses Risiko. Egal, wie gut dein Produkt oder wie ausgereift dein Business-Plan ist: Keiner kann dir die Garantie geben, dass du am Ende damit Erfolg haben wirst. Du musst dich einfach trauen und es versuchen.

Was sind die Vorteile, hier in Deutschland zu gründen?

Wir haben viele gute Unis mit vernünftigen Programmen für junge Gründer, außerdem haben wir sowohl in Berlin, München und anderen Teilen Deutschlands inzwischen eine beachtliche Startup-Szene mit vielen Hubs, Accelerator Programmen und Fonds. Allein der HTGF mit Sitz in Bonn hat inzwischen über 500 Startups finanziert.

Was sind die Nachteile, und was muss sich ändern, damit mehr Menschen den Schritt zur Gründung wagen?

Es ist aktuell noch sehr schwierig, in Deutschland an Wagniskapital zu kommen. Das liegt zum einen daran, dass es davon hierzulande nicht besonders viel gibt, weil die Bedingungen für Risikokapital einfach nicht gut sind, und zum anderen daran, dass die deutsche Investoren-Szene heute einem closed shop ähnelt. Ich erkläre dieses Phänomen auch in meinem Buch: Steigt einer aus, steigen alle aus. Ist einer dabei, entsteht bei den anderen FOMO, also “fear of missing out” und auf einmal wollen alle rein. Die Fördermittel für Startups müssen also besser werden. Insgesamt sind wir aber denke ich auf einem guten Weg. Nicht zuletzt durch DHDL erkennen die Menschen das Gründertum inzwischen als seriösen Job und als Option zur normalen Festanstellung an. Das ist schon mal ein Fortschritt und einer der Hauptgründe, warum ich in der Show mitmache.

In Ihrer Autobiografie Startup-DNA beschreiben Sie Skateboarding als Analogie zum Gründerleben. Was hat die Halfpipe mit dem Hard Knock Life eines Entrepreneurs zu tun?

In dem besagten Kapitel spreche ich von fünf Lektionen, die ich beim Skateboarding mitgenommen habe. Alle haben mir bei meinen späteren Unternehmungen geholfen. Dazu gehören unter anderem die Bereitschaft, sich öfter als einem lieb ist böse hinzulegen und das Bewusstsein, dass es immer jemanden gibt, der besser ist als du und du deshalb niemals aufhören darfst, an dir zu arbeiten. Beides gilt in meinen Augen sowohl für die Halfpipe als auch für das Unternehmertum.

Auch das Scheitern ist großes Thema im Buch. Sie erzählen davon, wie Sie Anfang der 2000er Jahre vor dem Nichts standen, nachdem die Dotcom-Blase platzte und die Firma Insolvenz anmelden musste. Was war bisher der größte Fehler in Ihrem Leben als Unternehmer? Und was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Der größte Fehler, den ich als Unternehmer jemals begangen habe, war für eines meiner Unternehmen privat zu bürgen. Das hätte ich aus heutiger Sicht definitiv nicht tun sollen – insbesondere, weil der Kredit ohnehin schon bewilligt worden war. Ich hätte also gar nicht unterschreiben müssen. Das war wirklich dumm. Bürge niemals für mehr als du besitzt.


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