Studie: Wir wollen weniger arbeiten, aber funktionieren will das noch nicht richtig

Es gibt einen Trend: Wir wollen weniger arbeiten. Das ist nichts Neues. Inzwischen wünschen sich das nicht nur naive Studiumsabsolventen, sondern auch Top-Führungskräfte. Und tatsächlich arbeiten die inzwischen auch weniger Wochenstunden. Das legt zumindest eine gemeinsame Studie von Erika Regnet, Professorin für Personalmanagement an der Hochschule Augsburg, und der Management-Beratung Boris Gloger Consulting nahe, die im November erscheinen soll.

Für die Studie befragten sie 500 Fach- und Führungskräfte aus unterschiedlichen Unternehmen zu ihrer Einstellung zur Arbeitszeit. Dabei ergaben sich klare Trends, aber auch deutliche Unterschiede in verschiedenen Altersgruppen.

Unterschiede der Generationen

Nach der Befragung wünschen sich zwei Drittel der unter 35-Jährigen eine Arbeitszeit von unter 39 Wochenstunden. 27 Prozent beurteilen eine fehlende Trennung zwischen Arbeit und Freizeit als schlecht. Damit sind sie kritischer als alle anderen Altersgruppen. Regnet macht deutlich, dass diese Wünsche auch damit zusammenhängen, dass jüngere Menschen oftmals noch nicht in den Positionen arbeiten, in denen sie mehr arbeiten müssten. „In Zukunft wird es spannend zu beobachten, ob die jüngere Generation tatsächlich bei ihren Arbeitszeitwünschen bleibt, wenn es um Toppositionen geht“, sagt sie uns im Gespräch. „Es kann gut sein, dass der ein oder andere seine Ideale bezüglich Work-Life-Balance über Bord wirft, sobald es darum geht, ob er beziehungsweise sie eine Führungsposition kriegt oder nicht.“

Doch nicht nur Jüngere machen sich Gedanken über ihre Arbeitszeit. Der Trend zu weniger Arbeit zeigt sich auch bei Älteren. „Das liegt zum einen daran, dass die Diskussionen um Work-Life-Balance an den Älteren natürlich nicht spurlos vorbeiziehen“, erklärte Regnet weiter. „Zum anderen aber auch daran, dass die Arbeitsmarktlage gerade zulässt, dass gut qualifizierte Fach- und Führungskräfte Forderungen stellen. So können sie arbeitszeitliche Ansprüche einfacher realisieren als in wirtschaftlich instabilen Zeiten.“

Wunsch und Wirklichkeit

Insgesamt strebt circa die Hälfte der Befragten eine Arbeitszeit von maximal 39 Wochenstunden an. Nur noch fünf Prozent wollen 50 Wochenstunden akzeptieren. Unter den über 40-Jährigen kommen dennoch nur 36 Prozent mit der moderaten Arbeitszeit von 40-44 Wochenstunden aus, fast die Hälfte von ihnen arbeitet regelmäßig über 45 Stunden. Und unter allen Befragten arbeiten immer noch 19 Prozent mehr als 50 Stunden in der Woche. Diese Zahl hat sich seit der letzten Befragung 2015 allerdings signifikant geändert. Damals arbeiteten noch 31 Prozent so viel. Regnet sagt dazu: „Die Wünsche und Vorstellungen, wie man in Zukunft arbeiten will, gehen aber noch deutlich weiter nach unten. Wir sehen also einen gewissen Trend in die Richtung, die sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen. Doch auch Fach- und Führungskräfte wollen noch mehr, nämlich deutlich weniger Überstunden machen.“

Was bedeutet das für Unternehmen? Wie sollten die auf solche Ergebnisse reagieren? Regnet hält zwei Dinge für wichtig. „Zum einen ist Arbeitszeitflexibilität wichtig. Dafür müssen sie in den Dialog mit ihren Mitarbeitenden treten. Nicht jeder versteht dasselbe unter Work-Life-Balance. Für den einen heißt es Home Office, für den anderen weniger Überstunden.“ Zweitens sei wichtig, dass man in Deutschland allgemein wegkommt von der Vorstellung, Qualität messe sich darin, möglichst lange im Büro zu bleiben. „Bisher gilt: Ein tüchtiger Mitarbeiter ist jemand, der immer Überstunden macht. Eigentlich müssten wir doch stolz sein auf Mitarbeitende, die es schaffen, ihren Job in 39 Stunden gut zu erledigen.

Wir halten fest: Viele Manager wollen weniger arbeiten, teilweise tun sie das auch schon. Spannend bleibt, ob die Generation Y bei ihren Wünschen bleibt, wenn es um Toppositionen geht und wie Unternehmen mit den neuen Anforderungen umgehen.


Nele Spandick

Nele hat nichts mit Medien studiert und versucht es trotzdem. Verheddert sich häufig in philosophischen Gedankenspielen und politischen Diskussionen. Entheddert sich dann mit wirtschaftlichem Pragmatismus, down-to-earth Trashkultur-Konsum und gutem Essen.

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